Calakmul als „gemischtes“ Weltkulturerbe

Von Herdis Lüke

Präsident Enrique Peña Nieto kündigt umfangreiche Strukturmaßnahmen in der Region an. Dazu gehört ein Flughafen. Der Massentourismus wird dann nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Calakmul, 4. August 2014 – Die sagenhafte Maya-Stadt Calakmul und das gleichnamige 1,4 Millionen Hektar große Biosphärenreservat im südostmexikanischen Bundesstaat Campeche sind das erste gemischte Kulturerbe der Menschheit in Mexiko. Am Montag ist die offizielle Urkunde an Präsident Enrique Peña Nieto in einer feierlichen Zeremonie in Calakmul übergeben worden. Peña Nieto kündigte nun weitreichende Strukturmaßnahmen für das Gebiet an. Dazu gehört auch ein Flughafen. Bei Archäologen und Naturliebhabern stieß die Nachricht nicht gerade auf Begeisterung. Mit einem Massentourismus wie in Chichén Itzá – und der kommt dann unausweichlich – wäre die paradiesische Ruhe in Calakmul vorbei. Wer Calakmul mit seinen umliegenden Maya-Stätten noch in seiner Ursprünglichkeit erleben möchte, der sollte nicht mehr zu lange warten.

Die archäologische Stätte wurde 2002 zum Weltkulturerbe und das gleichnamige Biosphärenreservat im Herbst 2011 zum Naturerbe der Unesco erklärt. Campeche und Quintana Roo bilden zusammen mit dem Urwald in Guatemala die zweitwichtigste und –artenreichste Lunge der Welt. In dem Biosphärenreservat lebt ein Viertel aller in Mexiko lebenden Vogelarten sowie fünf der sechs hier vorkommenden Raubkatzen, darunter Puma und Jaguar. Calakmul ist das großte Tropenwaldgebiet Nordamerikas und ist Teil des biologischen Korrirdors Mesoamerikas.

Mit mehr als 6500 Gebäuden und einer Fläche von über 70 Quadratkilometern ist Calakmul eine der größten bekannten Maya-Städte – in der Ausdehnung größer als das nur 30 Kilometer Luftlinie entfernte Tikal im benachbarten Guatemala. Die sagenhafte Stadt – deren Namen in Maya „zwei aneinandergrenzende Hügel“ bedeutet – liegt im Herzen des Biosphärenreservats. Vor 30 Jahren war das Gebiet mit dem Auto nicht erreichbar. Heute führt eine schmale Landstraße, die von der Nationalstraße 186  etwa 120 Kilometer hinter Escárcega Richtung Chetumal abzweigt, rund 60 Kilometer tief in den Urwald zu den Ruinen. In der Nähe liegen zahlreiche weitere archäologische Stätten, darunter Chicanná – wo es ein Öko-Hotel gibt – Becan und Xpuhil.

Die Stadt war zwischen 500 und 800 n. Chr. Hauptstadt des „Reichs des Schlangenkopfs“, zu denen mehrere untergeordnete Städte wie Río Bec, Becan und Becal gehörten. In der Blütezeit zwischen 500 und 800 unserer Zeitrechnung lebten rund 55 000 Menschen in Calakmul, das sich im Kampf um die Herrschaft immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit Tikal, der „Hauptstadt der Hauptstädte“ lieferte. Das Ende von Calakmul kam etwa um 850. Lang anhaltende Dürreperioden, Überbevölkerung und Machtkämpfe führten wie in anderen Maya-Städten zum Verfall der sozialen und politischen Strukturen. Calakmul geriet in Vergessenheit und verfiel in einen Jahrhunderte währenden Schlaf.

Jahrhunderte im Dornröschenschlaf

Erst 1931 wurden die Ruinen von dem amerikanischen Biologen Cyrus Landell entdeckt. In den Folgejahren gab es einige wenige Expeditionen in das damals völlig isolierte Calakmul. Dann  geriet die sagenhafte Stadt wieder über 40 Jahre in Vergessenheit, der Urwald nahm erneut von ihr Besitz. Erst in den späten 1980er Jahren begannen offiziell neue Ausgrabungen.

Der Kern der Stadt ist über einer natürlichen Erhebung von etwa 25 Quadratkilometern gebaut, in dessen Zentrum zwei riesige Pyramiden stehen, außerdem die Palastkomplexe mit um Höfe und Plätze gruppierten Gebäuden. Eine der Pyramiden (Estructura II) ist mit 45 Metern die höchste der Stadt. Ihre monumentale Größe ist von unten nicht zu erkennen. Wer es bis ganz nach oben schafft, wird mit einem überwältigenden Rundblick über den Urwald belohnt. Auf der Spitze der Pyramide steht ein Palast, der einst neun Räume, ein Dampfbad, einen Altar und Grabmäler beherbergte. Von großer Bedeutung sind die in Calakmul gefundenen Stelen, die teilweise bereits sehr erodiert sind, den Forschern aber viele Erkenntnisse über die Maya-Kultur lieferten. Faszinierend sind auch die erst in den letzten zehn Jahren entdeckten und restaurierten Fresken und Skulpturen im Innern einer der Pyramiden, die für Besucher jedoch nicht zu sehen sind. (dmz/hl)

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