„Chivas“-Trainer La Volpe schlägt zurück

 

Der Argentinier und die Club-Oberen liefern sich einen gar nicht sportlichen Schlagabtausch

Von Herdis Lüke

Guadalajara/Mexiko-Stadt, 4. Mai 2014 –  Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass er Argentinier ist. Und Argentinier sind bei den Mexikanern nicht besonders beliebt, auch wenn sie das offiziell nie zugeben würden. Ricardo La Volpe war bis vor kurzem Trainer des mexikanischen Erstligisten Deportivo Guadalajara, den „Chivas“. Er war bis letzten Oktober auch Trainer der mexikanischen Fußball-Nationalelf „Tri“. Nun wurde er vergangene Woche fristlos entlassen, weil er sich der Fußpflegerin des Clubs gegenüber „ungebührlich“ verhalten habe. La Volpe habe sich der Fußpflegerin des Clubs nur mit einem Handtuch bekleidet genähert, sagte der Besitzer des Fußballclubs Jorge Herrera. Gegen den Argentinier ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in Guadalajara wegen sexueller Nötigung. La Volpe hatte sein Amt erst im November letzten Jahres übernommen.

Was sich seit Donnerstag zwischen La Volpe und den Club-Oberen auf der Medienbühne abspielt, kann man durchaus als Schmierenkomödie bezeichnen. Schmutziger Tratsch im Club statt lustigen Tratsches im Treppenhaus… „Schniedel-Skandal um Mexiko-Trainer“, titulierte am Sonntag in Deutschland die „Bild“-Zeitung, wonach der 62-jährige Argentinier der Fußpflegerin seinen Penis gezeigt habe, was in Mexikos Presse so offen nicht gesagt wird.

Mit rotgeweinten Augen, so berichtet die mexikanische Sportpresse, habe der Coach am Donnerstag vor den Journalisten gesessen und sich über seinen Club beklagt. „Ich habe es vom ersten Tag an bereut, zu den Chivas gekommen zu sein“, sagte La Volpe . Den Vorwurf der sexuellen Nötigung wies er zurück. „Da werden Sachen erfunden“, sagte der Argentinier. Er sei zur Fußpflegerin des Clubs gegangen, weil er gehört habe, dass sie Massagen mit Arnika gebe, sagte la Volpe. Dafür habe sie keine Genehmigung gehabt.

La Volpe wies auch Behauptungen von “Chivas”-Sport-Präsident Manuel Herrero zurück, wonach er, La Volpe, seinen Fehler eingesehen und der Fußpflegerin eine Entschuldigung angeboten habe. „Ich habe sie nur einmal gesehen und wenn ich ihr auf der Straße begegnen würde, dann würde ich sie nicht erkennen”, sagte er und fügte sarkastisch hinzu: „Moment, Fußpflegerin? Das sind Nägel und Füße, aber doch nicht Massagen. Ich habe sie nur einmal gesehen, als ich sie aufgesucht habe und ich bestätigen konnte, dass sie Massagen mit Arnika gegeben hat, und ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht erlauben würde.“

Gleichzeitig nutzte La Volpe die Gelegenheit der Pressekonferenz zum Gegenangriff und zählte ein paar „Geheimnisse“ des Clubs auf. So beklagte der Argentinier, dass in seinem Vertrag nicht die abgemachte Summe gestanden habe. Aber weil es ihm „nicht ums Finanzielle, sondern um das Sportliche“ gegangen sei, habe er sich darauf eingelassen. „Nett an der Geschichte ist, dass ich den Mund gehalten habe, aber ich hätte gleich gehen sollen“, jammerte La Volpe. „Ich habe es vom ersten Tag an bereut, zu den Chivas gekommen zu sein.“

Dem Besitzer des Clubs Jorge Vergara (Omnilife) warf er vor, zusammen mit dessen Frau Angélica Fuentes Entscheidungen für das Team zu treffen. „Dabei gehört es zur Verantwortung des Trainers zu beobachten, was in der Welt der Chivas vor sich geht. Ich habe mit den Spielern noch auf dem Spielfeld über die Gerüchte gesprochen, und sie haben mir gesagt, ich müsse mich vorsehen, denn es gebe zwei Spieler, die eine Verbindung zu Vergaras Frau Angélica Fuentes hätten.“ Er habe seinen Spielern versichert, dass wenn sich das bewahrheite, diese beiden fraglichen Spieler „nicht eine Minute länger im Team bleiben“, zitiert die Nachrichtenagentur almomento.mx den Trainer.

Außerdem, so La Volpe weiter, habe der sportliche Direktor der „Chivas“  Juan Francisco Palencia Probleme mit dem „Chivas“-Sportpräsidenten Juan Manuel Herrero wegen dessen Kontakte zum Fußballer-Agenten Carlos Hurtado, während Palencia Spieler von Greg Taylor habe. “Und das hat mich gestört”, sagte La Volpe.

„Chivas“-Besitzer Jorge Vergara reagierte prompt und bezeichnete La Volpe in einem Radio-Interview als Lügner. Er habe seinen Vertrag als Coach akzeptiert. „Zahlen Sie mir irgendwas und eine Prämie, wenn wir Champion werden, und wir werden mit den Chivas Champions“, zitierte Vergara La Volpe.  Er habe unter vier Zeugen seinen Vertrag unterschrieben und „dürfte wohl gewusst haben, was er unterschrieben hat“, so Vergara. Man habe dem Coach auch nicht gerade „eine Kleinigkeit“ bezahlt, sagte Vergara und wiederholte die Anschuldigung, dass der Argentinier sich ungebührlich gegenüber einer Frau des Teams verhalten habe.

“Ich kann aus rechtlichen Gründen keine Details nennen, aber ich frage mich, warum er, wenn er doch nur nachprüfen wollte, was die Fußpflegerin machte, nur mit einem Handtuch bekleidet war. Warum ist er in solch einer Aufmachung zu ihr gekommen, wenn er doch nur nachprüfen wollte, ob sie Massagen mit Arnika gegeben hat? Wir arbeiten seit sechs Jahren mit ihr und nie hat es seitens der Spieler Klagen über sie gegeben“, sagte der Fabrikant für diätetische Getränke und Lebensmittel. „Ich glaube, die Sache ist klar und bestätigt außerdem unsere Nachforschungen, was der Herr getan hat.“

Vergara erklärte weiter, dass sich La Volpe vor Herrero sehr wohl geknickt gezeigt, sich entschuldigt und akzeptiert habe, dass es für ihn bei den „Chivas“ vorbei sei. La Volpe habe seine Abfindung akzeptiert und auch erhalten. Man habe sich dabei an alle rechtlichen Vorgaben gehalten und könne den Vertrag mit dem Argentinier auch der Öffentlichkeit präsentieren. Vergara: „Das beweist, dass er lügt.“

Nun suchen die „Chivas“ einen neuen Trainer, und weil das nicht so einfach ist und schnell geht, wurden die Spieler erst einmal auf Zwangsurlaub geschickt. (dmz/hl, mit Information von dpa)

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