CONCACAF-Teams positive WM-Überraschung

 

Von Arne Richter, dpa

Ob Klinsmanns US-Boys, die robusten Mexikaner oder die frechen Underdogs aus Costa Rica: Die Teams aus Nord- und Mittelamerika sind bislang die positive Überraschung der WM in Brasilien. Südlich der Heimat könnte sogar WM-Historie geschrieben werden.

Fortaleza, 18. Juni 2014 – Jürgen Klinsmann hatte es im Gefühl. Bei dieser WM würde es anders sein. Die Mannschaften aus Nord- und Mittelamerika – oft früh gescheitert und vom Rest der Fußball-Welt nicht recht beachtet – muss man beim Turnier in Brasilien auf dem Zettel haben. Spätestens nach dem allseits bestaunten 0:0 von Mexiko gegen den Gastgeber ist die Botschaft auch am Zuckerhut angekommen.

Costa Rica hatte mit dem 3:1 gegen Uruguay schon für die erste dicke Überraschung gesorgt. „Egal was passiert, diese Mannschaften sind bereit“, sagte Klinsmann schon nach den ersten Turniertagen. Sein eigenes US-Team setzte dann den guten Trend mit dem 2:1 gegen Ghana fort. Der Einzug ins Achtelfinale in der schweren Gruppe mit Portugal und Deutschland als weiteren Gegnern scheint plötzlich realistisch.

Nur Honduras musste sich zum Auftakt Frankreich mit 0:3 geschlagen geben. Bei den drei anderen Teams aus der CONCACAF-Zone herrscht Optimismus, dass WM-Negativerlebnisse für die kleine FIFA-Konföderation der Vergangenheit angehören.

Seit Einführung der Gruppenphase 1950 kam nur Mexiko bei den Heimturnieren 1970 und 1986 ins Viertelfinale. 2002 gelang dieses Kunststück den USA in Japan und Südkorea durch eine Achtelfinalsieg gegen Mexiko (2:0), bevor dann gegen Deutschland (0:1) Endstation war.

Viel wurde vor dem WM-Anpfiff über den Heimvorteil der Südamerikaner diskutiert, doch so richtig überzeugen konnte in den ersten Gruppenspielen nur Kolumbien beim 3:0 gegen Griechenland. Die Favoriten Brasilien und Argentinien ruckeln noch ein wenig durch das Turnier. Und auch die anderen Konföderationen glänzen nicht: Den vier Asiaten gelang in ihren Auftaktspielen kein Sieg, von den fünf Afrikanern gewann nur die Elfenbeinküste.

Von vielen Experten übersehen wurde offenbar, dass sich die CONCACAF-Teams aus dem nördlichen Teil des Kontinents auch nicht an Zeitzone, Klima und landestypische Eigenheiten Brasiliens anpassen müssen wie zum Beispiel die Favoriten aus Europa. Ein Turnier in Nachbars Garten sozusagen.

Klinsmann sieht die Teams zudem besser vorbereitet, weil die Qualifikation schon ein Abenteuer ist: Logistisch schwierige Reisen, schlechte Plätze und oft miserable Stadien mit schwachem Flutlicht – wer diese Hürden genommen hat, kann in Brasilien nicht geschockt sein.

Die frechen Underdogs aus Costa Rica fühlen sich in Brasilien richtig wohl und haben nun auch keine Angst vor Vierfach-Champion Italien. „Im Fußball hat man gelernt, dass die Mannschaft, die versucht auf Unentschieden zu spielen, eher verliert als gewinnt“, sagte Mittelfeldspieler José Miguel Cubero. „Deshalb spielen wir gegen Italien auf Sieg.“

Der könnte schon den Einzug ins Achtelfinale bedeuten. Das war Costa Rica bislang erst einmal 1990 gelungen. Schaffen dann auch noch Mexiko und die USA den Sprung in die K.o.-Runde, erlebt die Fußball-Welt in Brasilien eine Premiere: Drei Teams aus der CONCACAF-Zone im WM-Achtelfinale gab es noch nie. (dpa/dmz/hl; Foto:www.almomento.mx)

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