„Das Spiel meines Lebens“: Mexiko feiert Ochoa

 

Von Ulrike John und Maximilian Haupt, dpa

Bei zwei Weltmeisterschaften zuvor saß Guillermo Ochoa nur auf der Bank. Auf Clubsuche ist Mexikos Keeper auch. Nach dem 0:0 gegen Brasilien loben ihn alle in den Himmel – auch Oliver Kahn.

Fortaleza, 18. Juni 2014 – Eine bessere Bewerbung als arbeitsloser Torwart kann man vor den Augen der Fußball-Welt nicht abliefern: Mexikos Keeper Guillermo Ochoa hat derzeit zwar keinen Club, ist aber nach dem 0:0 gegen Brasilien der Held in seiner Heimat und muss sich keine Zukunftssorgen mehr machen. „Das war das Spiel meines Lebens“, meinte der 28-jährige Lockenkopf, zuletzt beim französischen Absteiger AJ Ajaccio unter Vertrag. „Und das bei einer Weltmeisterschaft. Gegen Brasilien! In Brasilien! Ein 0:0! Das passiert nicht alle Tage.“

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto gratulierte unmittelbar nach der Partie in Fortaleza der Mannschaft und vor allem Ochoa über Twitter. „Was für ein großartiges Spiel. Sehr gut gespielt. Heute hat Mexiko seine Größe gezeigt. Bravo!“, schrieb der Staatschef.

Auch die Fans daheim feierten Ochoa, in den Katakomben des Estádio Castelão verglichen brasilianische Journalisten am Dienstagabend seine Rettungstat in der 26. Minute bei Neymars Kopfball sogar mit der „Jahrhundertparade“ von Gordon Banks, der „Bank von England“, bei der WM 1970 gegen Pelé. Der dreifache Weltmeister sagte später, es sei die beste Parade gewesen, die er je gesehen habe.

„Das ist die Parade, an die man sich am meisten bei Weltmeisterschaften erinnert. Eine für die Geschichte. Es ist eine Freude und eine Ehre, dass man die mit meiner vergleicht“, sagte Ochoa geschmeichelt und staunte nach seiner größten Szene über sich selbst: „Das war echt schwierig, ich hätte nicht gedacht, dass ich den halte.“

Auch die anerkennenden Worte von ZDF-Experte Oliver Kahn ließ sich der Schlussmann der „Tri“ gerne übermitteln. „Er hat sensationell gehalten. Das war die bisher beste Torwartleistung im Turnier. Er war fantastisch und hat die Dinger immer wieder rausgekratzt“, meinte der frühere deutsche Nationaltorhüter. Der Mexikaner, der bei der WM 2006 und 2010 jeweils Ersatzkeeper war, strahlte: „Es ist eine Ehre und macht mich stolz, dass mich ein Spieler von solch einer Klasse gelobt hat.“

Eine wahre Hymne sang Miguel Herrera auf den „Man of the Match“. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand bei einer WM schon mal eine vergleichbare Leistung gebracht hat wie Memo heute. Das hat dem Team Sicherheit gegeben“, meinte Mexikos Trainer begeistert.

Gegen Kroatien am Montag in Recife will Ochoa seiner Mannschaft zum sechsten Achtelfinal-Einzug bei einer WM in Serie verhelfen. Wo er künftig zwischen den Pfosten stehen wird? „Ich bin jetzt frei, habe keinen Club. Mein Agent kümmert sich darum“, erklärte er. „Wenn es etwas Neues gibt, sagt er es mir. Ich muss mich weiter auf das Turnier konzentrieren.“ (dpa/dmz/hl; Foto: almomento.mx)

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