Deutsch-brasilianisches Projekt: Höchster Klimamessturm in Brasilien eröffnet

 

Der 325 Meter hohe ATTO-Turm imbrasilianischen Urwald ist höher noch als der Eiffelturm in Paris (Foto: Jürgen Kesselmeier/MPI für Chemie)

 Berlin/Manaus, 22. August 2015 – Der höchste KlimamMessturm der Weltist an diesem Samstag im Amazonasgebiet eröffnet und der Wissenschaft übergeben worden. Er liegt im brasilianischen Regenwald, 150 Kilometer nordöstlich von Manaus. Mit seinen 325 Metern ist der Turm 24 Meter höher noch als der Eiffelturm.

Die an dem Turm angebrachten Messgeräte sollen unter anderem Daten über Treibhausgase und den Transport von Luftmassen sammeln. Die Forscher wollen etwa herausfinden, welche Veränderungen große Waldgebiete in Luftmassen auslösen, die den Regenwald überqueren. Daraus sollen Rückschlüsse über die Bedeutung des Regenwaldes auf die Chemie und Physik der Atmosphäre gezogen werden.

Der 325 Meter hohe Klima-Messturm ist ein deutsch-brasilianisches Gemeinschaftsprojekt, an dem das Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie, das brasilianische Bundesinstitut für Amazonasforschung INPA (Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia) und die Universität des Staates Amazonas UEA (Universidade do Estado do Amazonas) beteiligt sind.

Konkretes Ziel der Wissenschaftler ist es zunächst, die Quellen und Senken von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid besser zu verstehen. „Bisher wissen wir nur unzureichend, welche Rolle der Urwald bei der Bildung von Aerosolpartikeln und somit der Wolkenbildung spielt. Es wartet somit eine ganze Palette von Geheimnissen darauf, mithilfe unseres neuen Messturms aufgedeckt zu werden“, fasset Jürgen Kesselmeier, Projektkoordinator der Max-Planck-Gesellschaft, die Hoffnungen, die auf ATTO liegen, zusammen.

Mit ATTO sei ein weltweit einzigartiges Referenzlabor für die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen tropischen Regenwäldern und der Atmosphäre geschaffen worden, erklärte sein brasilianischer Kollege Antonio Manzi. „Mithilfe der Daten werden wir einen großen Fortschritt bei der Darstellung der tropischen Regenwälder in meteorologischen sowie Erdsystemmodellen erreichen. Es wird zukünftig möglich sein, viel detaillietere Wettervorhersagen und Klimaprognosen zu erstellen.“

„Wir haben uns für den Standort im brasilianischen Regenwald entschieden, da er weitestgehend abseits menschlicher Einflüsse gelegen ist und uns somit relativ unverfälschte Daten gewährleistet“, erklärte Meinrat Andreae, Direktor der Abteilung Biogeochemie vom MPI für Chemie in Mainz. (dmz/hl mit Material von dpa)