Drei Meier-Tore in verrücktem Spiel: Frankfurt jubelt, Wölfe hadern

 

Marco Fabián, der 3,5 Millione teure Einkauf aus Mexiko, legte ein Super-Debut bei Eintracht Frankfurt hin (Foto: futboltotal)

Von Sebastian Stiekel

Frankfurt/Main , 24. Januar 2016 – 3:2 gewann Eintracht Frankfurt zum Rückrunden-Auftakt gegen den VfL Wolfsburg und jeder fragte sich: Wie konnten die klar besseren Wölfe dieses Spiel noch verlieren? Die Antwort heißt: Alexander Meier. Und der Mexikaner Marco Fabián.

Nach seinem dritten Tor war selbst der stoische Alexander Meier nicht mehr zu halten. Der Torjäger von Eintracht Frankfurt rannte jubelnd zur Eckfahne – und jeder, wirklich jeder andere Frankfurter Spieler hinter ihm her. Sein dritter Treffer fiel am Sonntag in der Nachspielzeit, er bescherte der Eintracht einen kaum für möglich gehaltenen 3:2 (0:1)-Sieg gegen den lange Zeit klar besseren VfL Wolfsburg. “In der zweiten Halbzeit sollte ich nur noch vorne bleiben. Das habe ich gemacht”, sagte Meier hinterher. Da war der Stoiker in ihm längst wieder zurück.

Der 3,5-Millionen-Einkauf Marco Fabian aus Mexiko wurde zwar erst zur Pause eingewechselt, leitete aber unter anderem das Siegtor von Meier durch eine schöne Vorarbeit ein.

Das Spiel an sich war vor nur 35 000 Zuschauern schon verrückt genug, aber seine Auswirkungen auf die weitere Rückrunde der Fußball-Bundesliga sind womöglich gravierend. Die Eintracht vergrößerte ihren Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf sechs Punkte. Der VfL dagegen bekam gleich zu Beginn des neuen Jahres den nächsten schweren Rückschlag im Rennen um die Champions-League-Plätze verpasst. “Dieses Spiel dürfen wir nie verlieren”, sagte Trainer Dieter Hecking angesichts der vielen klaren Chancen seines Teams.

Der Unterschied war am Sonntag: Wolfsburg schoss insgesamt 18 Mal aufs Tor, traf aber nur durch Verteidiger Dante zum 0:1 (25.) und Weltmeister André Schürrle zum 2:2 (79.). Alexander Meier dagegen schoss im ganzen Spiel nur dreimal aufs Tor – traf dabei aber auch jedes Mal (66./73./90.+3). “Drei Schüsse und drei Tore? Bei der Quote hätte er für uns heute sieben Tore gemacht”, meinte Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs.

Statt nach den Patzern der Konkurrenten Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen zumindest zeitweise wieder auf Platz vier vorzurücken, ist der deutsche Pokalsieger in der Bundesliga jetzt schon seit fünf Spielen sieglos. “Das geht nicht für eine Spitzenmannschaft”, sagte Allofs. “Wir haben lange Zeit ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht. Aber zu einem guten Spiel und einer sehr guten Mannschaft gehört, dass man so etwas über 90 Minuten zeigt.”

Spaziergang wie im Training

In der ersten Halbzeit spazierten die Wolfsburger zeitweise wie im Training durch das Frankfurter Mittelfeld. Eine Reihe klarer und nahezu ungestört herausgespielter Chancen waren die Folge: Mal verspielten die Wolfsburger eine 5:3-Überzahlsituation (41.), mal vergab Daniel Caligiuri aus weniger als fünf Metern (42.).

“Vielleicht waren wir uns zu sicher”, meinte Schürrle hinterher. Frankfurt spielte in der ersten Halbzeit wie ein Absteiger und zeigte erst nach der Pause deutlich mehr Willen, Präsenz und Angriffslust. Aber auch hier wiederholte sich die Geschichte dieses Spiels gleich mehrfach: Beim Stand von 1:0 hatte Schürrle erneut die große Chance, alles klarzumachen (64.). Nur zwei Minuten später traf Meier zum 1:1. Beim Stand von 2:2 hatte Vieirinha wieder den Wolfsburger Sieg auf dem Fuß (90.). Doch das entscheidende Tor schoss Meier.

“Wenn ich da drüben sitzen würde, wäre ich jetzt auch sauer”, sagte Frankfurts Trainer Armin Veh mit Blick auf Wolfsburgs Hecking. ”Doch so freue ich mich. Zur Halbzeit hätte doch keiner geglaubt, dass wir hier nochmal zurückkommen.”

Abgesehen von Meier hatten auch zwei seiner drei Wintereinkäufe einen Anteil an diesem wichtigen Erfolg. Szabolcs Huszti half der Eintracht mit seinen technischen Qualitäten weiter. Der 3,5-Millionen-Einkauf Marco Fabián aus Mexiko wurde zwar erst zur Pause eingewechselt, leitete aber unter anderem das Siegtor von Meier durch eine schöne Vorarbeit ein. “Er ist ein richtig guter Kicker”, meinte Veh.

Die einzigen Frankfurter Misstöne an diesem Abend waren Vehs ungewöhnlich harsche Worte Richtung Haris Seferovic. “Es ist ja bezeichnend, dass wir 1:0 hintenliegen und ich zur Halbzeit einen Stürmer rausnehme”, sagte er. ”Aber wenn einer immer sein Ego herauskehrt, dann habe ich irgendwann die Schnauze voll. Wir sind hier kein Egotrip, sondern eine Mannschaft.” (dmz/dpa/hl)




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