Drogen & Korruption

Mexiko-Stadt, 9. Oktober 2014 – Ein mutmaßliches Massaker an zahlreichen Studenten in Mexiko hat das Land erneut in den internationalen Fokus gerückt. Seit Jahren leidet Mexiko unter Gewalt, Korruption und Straflosigkeit.

Woher rührt die Gewalt in Mexiko?

Nach dem Fall der großen kolumbianischen Drogenkartelle von Medellín und Cali sind die mexikanischen Verbrechersyndikate zu kriminellen Global Playern aufgestiegen. Sie kämpfen mit Waffengewalt um die Kontrolle der lukrativen Schmuggelrouten. Werden Kartellchefs festgenommen oder getötet, brechen zudem regelmäßig interne Verteilungskämpfe aus. Auch die Sicherheitskräfte sind immer in schwere Gewalttaten verwickelt – wie zuletzt beim mutmaßlichen Mord an Studenten in Iguala oder dem Militär-Massaker von Tlatlaya. Seit der damalige Präsident Felipe Calderón 2006 den Kartellen den Krieg erklärte, sind Schätzungen zufolge fast 100 000 Menschen getötet worden.

Was sind die größten Probleme?

Die enormen Gewinnspannen im Drogenhandel machen das Geschäft äußerst lukrativ. Zudem haben die Kartelle mittlerweile neue Geschäftsfelder wie Bergbau, Produktpiraterie, Menschenhandel und Schutzgelderpressung erschlossen. Das schmutzige Geld infiziert auch die legalen Branchen der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas. Die weit verbreitete Korruption sorgt dafür, dass zahlreiche Menschen indirekt von den kriminellen Geschäften profitieren. Zudem haben die Täter kaum Konsequenzen zu befürchten. So wurden zuletzt weniger als zwei Prozent der Morde strafrechtlich geahndet.

Ist das Land noch sicher für Touristen?

Die Sicherheitslage ist in den verschiedenen Regionen Mexikos sehr unterschiedlich. Während der Drogenkrieg derzeit vor allem in den Bundesstaaten Tamaulipas, Coahuila und Chihuahua im Norden sowie in Sinaloa, Michoacán und Guerrero im Westen tobt, ist es im Zentrum und Südosten des Landes relativ sicher. Die Bundesstaaten auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Yucatán mit dem Badeort Cancún lassen sich beispielsweise problemlos bereisen. Auch die Touristenhochburg Los Cabos in Baja California Sur gilt als sicher. Der einst beim internationalen Jetset beliebte Urlaubsort Acapulco ist mit 112,8 Morden je 100 000 Einwohner hingegen die drittgefährlichste Stadt der Welt außerhalb von Kriegsgebieten.

Gibt es einen Ausweg aus der Gewaltspirale?

Neben einer konsequenten Strafverfolgung müsste die Regierung entschieden gegen die Korruption vorgehen, die Beamte, Polizisten und Politikern zu Nutznießern der kriminellen Geschäfte macht. Sicherheitsexperten raten zudem dazu, die Finanzströme der Kartelle trockenzulegen. Dazu sollten die Ermittler auch die internationalen Großbanken stärker in den Fokus nehmen, die den Kartellen beim Waschen des Drogengeldes helfen, heißt es in einem Artikel der Fachzeitschrift „Foreign Policy“. (dpa/dmz/hl; Foto: www.almomento.mx)

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