Eine Reise in die Vergangenheit: Willy Römers Alltagsleben in Berlin 1919 – 1933

 

Vater, Mutter und zwei Kinder im Berlin zu Beginn der 1920er Jahre (Quelle:  edition braus Willy Römer / www.doren-koester.de)

Mexiko-Stadt, 7. März 2015 – Eine einzigartige Ausstellung wird an 12. März im Goethe-Institut in Mexiko-Stadt gezeigt: Willy Römers Fotos vom Alltagsleben in Berlin von 1919 bis 1933. Sie ist eine seltene Gelegenheit für eine Reise in die Vergangenheit in eine Stadt, die es heute so nicht mehr gibt.

Willy Römer (1887-1979) begann 1903 eine Lehre in der ersten deutschen Presseagentur, der Berliner Illustrations-Gesellschaft; verschiedene Arbeitsverhältnisse in Berlin und Paris mit einer gründlichen fotografischen Ausbildung schlossen sich an. Von 1915 bis 1918 war er Soldat. Im November 1918 kam Römer zurück nach Berlin und übernahm von einem Kollegen die Firma „Photothek“.

Der Hauptteil seiner Aufnahmen entstand zwischen 1905 und 1935, wobei das Hauptgewicht auf die Zeit von 1919 bis 1929 fällt. Willy Römer hat in Berlin die Revolution von 1918, die Weimarer Republik bis zum Beginn der Nazi-Diktatur in zahlreichen Bildern dokumentiert.

Sein besonderes Interesse galt dem Leben auf der Straße. Er fotografierte Hofmusiker, Straßenhändler, Frauen im Elend der Inflationszeit, spielende Kinder, Warteschlangen vor dem Arbeitsamt und Familien sonntags im Park. Gegenstand seiner Beobachtungen war Berlin als eine große Stadt in einer Zeit großer Umbrüche, nicht nur in der Politik. Hochhäuser aus Stahl und Glas entstanden neben mittelalterlich wirkenden Höfen und Gassen, archaisches Handwerk und industrielle Massenproduktion existierten genauso nebeneinander wie  Pferdewagen, elektrische Trambahn und Automobil. Gerade das Handwerk, aus dessen Umfeld Römer stammte, hatte es ihm angetan: so dokumentierte er viele Handwerksberufe für die Nachwelt, die damals schon vom Aussterben bedroht waren.

Dank Römers Fotografien können wir uns heute eine Vorstellung machen vom Berlin der Zwischenkriegszeit und wie vielseitig sich das Leben auf der Straße abspielte.

Die Ausstellung wird am 12. März, 19:00 Uhr eröffnet und ist bis 7. Mai zu sehen. Goethe-Institut Mexiko, Tonalá 43, Col. Roma, Mexiko-Stadt. (dmz/hl)