Die Maduros: Eine schrecklich nette Familie

Das telegene Präsidentenpaar von Venezuela (Foto: f-20 / Twitter)

Caracas, 25. April 2015 – Während auf den Straßen in Venezuela derzeit eher schlechte Zeiten herrschen, brechen telemedial gute Zeiten an: First Lady Cilia Flores bekommt eine eigene Show im Staatsfernsehen! Sie will endlich einmal zeigen, wie es sich als „Frau und Mutter in der Revolution“ lebt. Die Zuschauer sind bereits jetzt aus dem Häuschen.

Von Daniel Schlicht

Stellen wir uns vor, die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin käme nicht nur einmal im Jahr, sondern würde jede Woche über die Mattscheibe flimmern. Und weil es so schön ist, stellen wir uns weiter vor, auch Herr Sauer, seines Zeichens Kanzlerinnengatte, würde abendlich die deutschen Wohnzimmer über den Äther beglücken und den Menschen von seinem Leben als „prima Kerl“ an der Seite von Angela „Angie“ Merkel berichten. Was wäre das für ein Fernsehfest!

Wenn Ihnen der Gedanke genau so gut gefällt wie uns, dürfte Sie ein Blick nach Venezuela neidisch stimmen. Dort geht nämlich nicht nur der beliebte Staatschef und (schimpf)wortgewandte Umsturzrhetoriker Nicolás Maduro jede Woche auf Sendung, sondern bald auch seine liebe Gattin. Cilia Flores will den Menschen vor den Bildschirmen endlich einmal erzählen, wie es ist, als „Frau“ und (!) „Mutter“ – als wäre eines von beidem nicht schon schwer genug – den revolutionären Alltag zu bewältigen.

„Ich habe Cilia gefragt und sie hat Ja gesagt“, tat der Staatschef in seiner eigenen Sendung die frohe Botschaft kund. Bislang habe die „primera combatiente“ lediglich in fünf- bis zehnminütigen Gastauftritten in seinen Sendungen Platz gefunden. Da seine Frau jedoch „so viele Dinge zu erzählen hat“, kam er auf die Idee, ihre eine eigene Sendung anzubieten. In der Show mit dem griffigen Titel „Con Cilia en familia” hat sie nun im Staatskanal VTV eine ganze Stunde Zeit, „das Leben in der Revolution aus Sicht einer Frau und Mutter zu erzählen, aus der Sicht einer sensiblen Frau“, wie ihr Gatte hinzufügte.

Was genau die Zuschauer erwartet, bleibt bis zur Premiere noch ein gut gehütetes Staatsfernsehgeheimnis. Auf Facebook und Twitter machte sich jedoch direkt große Vorfreude breit und es wurde wild spekuliert, was die „primera combatiente“ dem Volk wohl alles aus ihrem revolutionären Nähkästchen plaudern wird.

Vor allem viele weibliche Zuschauer fiebern der neuen Sendung entgegen, um sich von der ersten Frau im Staate etwas für ihre eigene Haushaltsführung abzugucken. Sheyla M. würde brennend interessieren, wie man seinen eigenen Doppelgänger kennen lernt. Hat doch der venezolanische Staatschef jüngst auf dem Amerika-Gipfel in Panama vorgemacht, wie ungeheuer praktisch es ist, gleich an mehreren Orten gleichzeitig sein zu können. Während der eine noch damit beschäftigt ist, lästige Journalistenfragen zu beantworten, kann der andere im Sheraton-Hotel schon einmal am Büffet dem Obama die Schnittchen stibitzen.

Apropos Schnittchen. Twitterin Koltra wünscht sich „Rezeptideen für leckere Gerichte“ aus der staatschefischen Küche. Unsere Empfehlung der Woche: Mango à la Maduro. Man nehme eine mittelreife Frucht, schreibe ein paar nette Worte auf die Schale und werfe sie dem nächstgelegenen Maduro an den Kopf (Ausführliche Beschreibung mit Video finden Sie hier). Ein idealer Snack für den kleinen Frust zwischendurch. Wie Userin Maria anmerkt, eignet sich alternativ auch eine Kokosnuss.

Doch auch das männliche Publikum ist aus dem Häuschen. Gabriel C. würde der „primera combatiente“ zu gerne beim täglichen Kampf gegen Dreck und Staub in der Wohnung zusehen. Fürchtet er doch, dass sie schon seit 15 Jahren keinen Putzlappen mehr selbst in der Hand gehabt haben und es womöglich verlernt haben könnte. Ähnlich große staatsbürgerliche Fürsorge treibt Zuschauer Nelson M. um. Er findet es exzellent, dass die First Lady mal über das Leben als Frau in Venezuela berichte. Abgesehen von Kleinigkeiten wie steigenden Frauenmordraten, kaum Essen für die eigenen Kinder oder unbezahlbaren Medikamenten für die kranken Eltern gebe es der „wunderbaren Revolution“ doch viel zu verdanken.

Manuel A. hat sogleich noch weitere Programmideen parat, damit auch die restliche Politikerriege nicht ohne Sendeplätzchen bleibt: „Dekorieren mit Jorge und Jesse“ (in den Hauptrollen Vize-Präsident Jorge Arreaza und Innenminister Jesse Chacón), „Plauderstunde mit Gran Caracas“ (moderiert von Bürgermeister Ernesto Villegas), „So lasse ich den Fluss austrocknen“ (unter der Leitung von Francisco Rangel Gómez, der in seinem Bundesstaat Bolívar beispielhaft mit dem Bau von immensen Staudämmen vormacht, wie es geht).

Doch nicht jeder kann die Euphorie über den neuen Stern am venezolanischen Fernsehfirmament teilen. Manch ein Miesepedro konnte es nicht lassen und mäkelte tatsächlich über Geldverschwendung, wo es doch gerade eh wirtschaftlich in Venezuela eher suboptimal laufe. Von derartiger bolivarischer Erbsenzählerei können wir der First Lady und ihrem Mann nur raten, sich nicht beirren zu lassen. Auch wenn der eine oder andere Zuschauer für seine Packung Chips vorm Fernseher einen halben Tag im Supermarkt Schlange stehen mag, wissen wir aus Erfahrung: Stau ist nur hinten blöd – vorne geht’s. (dmz/ds/hl)