El „Chapo“ Guzmán: Mexikos mächtigster Drogenbaron entkommt aus Gefängnis

 

Der sichtlich konsternierte Präsident von Mexiko, Enrique Peña Nieto, kündigte vor Journalisten in der mexikanischen Botschaft in Paris Konsequenzen aus der Flucht des Drogenbosses an (Foto: Preisdencia) 

Mexiko-Stadt, 12. Juli 2015 – Jetzt ist es ihm zum zweiten Mal gelungen, filmreif für einen Hollywood-Thriller: In einer spektakulären Aktion ist Joaquín „El Chapo“ Guzmán zum zweiten Mal nach 2001 aus der Haft entkommen. Der einst meistgesuchte Drogenboss der Welt ist wieder auf der Flucht: Er hatte viele Helfer – wohl auch innerhalb der Anstalt.

(Aktualisierte Version)

Präsident Enrique Peña Nieto nannte die Flucht von Joaquín „El Chapo“ Guzmán, der lange als meistgesuchter Drogenbaron der Welt galt, eine „Schande für den mexikanischen Staat“ und kündigte Konsequenzen an. Er habe tiefgehende Ermittlungen angeordnet, die die mögliche Verwicklung von Staatsdienern bei der Aktion aufdecken sollen, sagte Peña Nieto während eines Staatsbesuchs in Paris. Innenminister Osorio Chong machte sich umgehend auf die Rückreise nach Mexiko. 

Durch eine heimlich ausgegrabene Unterführung gelang dem Chef des berüchtigten Sinaloa-Kartells am Samstagabend die Flucht aus der Hochsicherheitsanstalt El Altiplano in der Stadt Almoloya de Juárez im Zentrum des Landes, wie die mexikanischen Behörden bestätigten. Die Sicherheitskräfte starteten eine Großfahndung nach dem erst im Februar 2014 festgenommenen Guzmán. Bereits 2001 hatte der Drogenboss die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Jalisco geschafft.

Die Wächter des Hochsicherheitsgefängnisses im Bundesstaat Mexiko hätten die Abwesenheit Guzmáns bei einem Routinecheck am Samstagabend bemerkt, erkl{rte der Chef der nationalen Sicherheitsbehörde, Monte Alejandro Rubido am Sonntag orgen auf einer Pressekonferenz. Der Drogenboss flüchtete demnach durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel.

Auf allen Autobahnen und Fernstraßen vom Estado de México in die umliegenden Bundesstaaten Morelos, Hidalgo und Puebla sowie nach Mexiko-Stadt werden Autofahrer angehalten und überprüft (Foto: almomento.mx)

Zum letzten Mal hatten die Wächter Guzmán bei der Medikamentenausgabe am Samstagabend gesehen. Bei einem routinemäßigen Videocheck nach seinem Eintritt in den Duschraum war er nicht mehr da. Im Duschraum entdeckten die Beamten PVC-Rohre und einen 50 x 50 Zentimeter großen und 1,5 Meter tiefen Einstieg, der zu einem mehr als 1,5 Kilometer langen Tunnel führte. Durch den 1,70 Meter hohen und zwischen 70 und 80 Zentimeter breiten beleuchteten Tunnel gelangte „El Chapo“ in ein sich in Bau befindendes Gebäude in einer von Maisfeldern umgebenen Wohnsiedlung, erklärte Rubido. Im Tunnel und im Haus am anderen Ende seien Baumaterialien, Sauerstofftanks, Benzinkanister und PVC-Rohre entdeckt worden, die zur Belüftung des Tunnels dienten. Das Material sei über ein an Schienen im Tunnel angepasstes Motorrad transportiert worden. Lebensmittel und andere Alltagsgegenstände im Haus deuteten darauf hin, dass das Haus von Leuten bewohnt und bewacht wurde.

Der Flughafen im benachbarten Toluca wurde vorsichtshalber geschlossen. Alle Zufahrtsstraßen und Autobahnen vom Estado de México in die benachbarten Bundesstaaten Morelos, Hidalgo und Puebla würden besonders überwacht, hieß es weiter. Die Großfahndung läuft auf allen Touren, auch international. Die USA haben Mexiko Unterstützung bei der Suche nach dem Drogenboss zugesagt.

 

El „Chapo“ Guzmán nach seiner Festnahme im Februar 2014 (Foto: almomento.mx)

Guzmán gilt als Kopf des Sinaloa-Kartells, eines der mächtigsten und gefährlichsten Drogenverbrechersyndikate weltweit. Er war schon einmal 2001 auf einem Wäschewagen aus einem Hochsicherheitsgefängnis entkommen. Nach jahrelangen Fahndungen war er erst im Februar 2014 im mexikanischen Badeort Mazatlán wieder festgenommen worden.

In den Vereinigten Staaten wird Guzmán wegen zahlreicher Fälle von Drogenhandel und organisiertem Verbrechen gesucht. Sein Spitzname bedeutet übersetzt „der Kleine“ und bezieht sich auf seine geringe Körpergröße von 1,68 Meter. Seine turbulente Lebensgeschichte hat Romane und Lieder inspiriert. Über Guzmáns Leben kursieren viele Gerüchte. Selbst sein Alter ist unklar, verschiedene Quellen sprechen von 58 oder 60.

Dass der legendäre Drogenboss Helfer auch im Gefängnis gehabt hat, ist offensichtlich. Das Hochsicherheitsgefängnis in Almoyola gilt als wahre Festung: Es gibt elektrische und elektronische Sperren, TV-Überwachung rundum, Zugangskontrollen, Alarmanlagen, Sensoren zum Aufspüren von Metall, Drogen und Sprengstoff, von Stimmen, Daten und Präsenz von Personen, Telefonüberwachung, Sprechfunk. Wie also konnte der Bau des Einstiegs zum Tunnel im Duschraum nicht entdeckt werden? 30 Mitarbeiter des Gefängnisses würden wegen des Ausbruchs von Guzmán derzeit vernommen, erklärte Generalstaatsanwältin Arely Gómez. Sie sagte nicht, ob auch der Direktor der Anstalt und andere höhere Funktionäre darunter sind.

„El Chapo hat alle an der Nase rumgeführt. Die Sicherheitsbehörden, die Wächter – eigentlich die komplette Regierung“, sagte ein Mexikaner der DMZ. „Er ist einfach eine Legende. Es wird sicher genug Leute geben, die ihn verstecken“, freut sich insgeheim eine Frau. Schon nach seiner Festnahme in Mazatlán vor anderthalb Jahren demonstrierten vor allem Frauen für seine Freilassung. (dmz/hl mit Material von dpa)




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