Erste Festnahme nach Mord an Pressefotografen Rubén Espinosa

 

Ein Foto zeigt den ermordeten Fotografen Rubén Espinosa während der Trauerfeier (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 6. August 2015 – Die Polizei meldet im Mordfall Rubén Espinosa einen ersten Erfolg: Ein Verdächtiger wurde gefasst und hat eingeräumt, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Nach zwei weiteren Komplizen wird gefahndet. Das Motiv ist laut Staatsanwaltschaft weiterhin unklar. Derweil wächst der internationale Protest.

Nach dem Mord an dem regierungskritischen Pressefotografen Rubén Espinosa in Mexiko hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Wie der Staatsanwalt Rodolfo Ríos Garza im Radiosender Fórmula sagte, räumt er seine Beteiligung an dem Mord ein. Der Verdächtige sei vorbestraft.

Nach zwei Komplizen werde weiter gefahndet, sagte der Staatsanwalt von Mexiko-Stadt weiter. Das Motiv für die Gewalttat sei weiter unklar. Die Ermittler seien auf den Mann anhand seiner Fingerabdrücke gestoßen, die am Tatort gefunden wurden,

Die Leiche von Rubén Espinosa war am Wochenende gemeinsam mit vier ermordeten Frauen in einer Wohnung in der Colonia Narvarte, einem Mittelklasse-Viertel in Mexiko-Stadt entdeckt worden. Die Frauen waren 40, 32, 29 und 18 Jahre alt. Eines der Opfer stammte nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Kolumbien, die anderen waren Mexikanerinnen. Alle Opfer wiesen Folterspuren und eine Schusswunde am Kopf auf.

Der Mord an dem Fotografen hatte Empörung ausgelöst und die gefährliche Lage für Journalisten in Mexiko weltweit in den Fokus gerückt. Die Vereinten Nationen verurteilten den Mord scharf. „Sollte sich herausstellen, dass der Mord im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit stand, wäre das ein schwerer Anschlag auf die Pressefreiheit“, hieß es am Montag in einer Stellungnahme des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte. Die Behörden müssten den Fall aufklären und Journalisten künftig besser schützen.

Auch die Nationale Menschenrechtskommission in Mexiko forderte eine umfassende Aufklärung des Verbrechens. „Straflosigkeit muss um jeden Preis verhindert werden“, schrieb die staatliche Organisation am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter.

„Wir sehen mit Besorgnis, dass Mexiko-Stadt kein sicherer Ort mehr für Journalisten ist“

Der 31 Jahre alte Journalist berichtete für die regierungskritische Zeitschrift „Proceso“, die lokale Nachrichtenagentur AVC und die Fotoagentur Cuartoscuro vor allem über soziale Proteste. „Zum tausendsten Mal fordern wir ein Ende der Aggressionen gegen Journalisten“, schrieb AVC. „Nicht einer mehr!“

Espinosa war in Xalapa, der Hauptstadt des Bundesstaat Veracruz im Osten des Landes, mehrfach von Unbekannten angegriffen und bedroht worden. Daraufhin floh er in die Hauptstadt. „Wir sehen mit Besorgnis, dass Mexiko-Stadt kein sicherer Zufluchtsort für vertriebene Journalisten mehr ist“, hieß es in einer Mitteilung der Journalisten-Organisation Artículo 19. „Der Mord an Rubén Espinosa ist ein weiterer Meilenstein der Gewalt gegen die Presse“.

Veracruz ist ein besonders hartes Pflaster für Journalisten. Verbrechersyndikate, aber auch staatliche Sicherheitskräfte schüchtern dort immer wieder Reporter ein. Vier Journalisten wurden laut CPJ seit 2011 wegen ihrer Arbeit in Veracruz getötet, drei weitere verschwanden. Sechs Reporter kamen unter ungeklärten Umständen ums Leben. Eines der Opfer war Regina Martínez, Korrespondentin von „Proceso“, die in Xalapa im April 2012 getötet wurde.

Untersuchung zu Anschlag auf Redaktion in Veracruz

Unterdessen leitete die Nationale Menschenrechtskommission eine Untersuchung ein, nachdem Unbekannte die Redaktion der Zeitung „Presente“ in der Stadt Poza Rica in Veracruz beschossen hatten. „Wir verurteilen die Gewalt gegen Medien“, hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Organisation. „Um die Aggressionen gegen Journalisten zu stoppen, müssen die Behörden die bislang ungeklärten Fälle aufklären.“

Der Gouverneur von Veracruz, Javier Duarte, hatte mehrfach seine Verachtung von Medien öffentlich gemacht. Seit Beginn seiner Amtszeit im Dezember 2010 wurden in seinem Bundesstaat im Osten des Landes zwölf Journalisten getötet. „Die Gewalt geht weiter, sie ist eine Konstante in Mexiko“, sagte der Vorsitzende von Artículo 19, Darío Ramírez, am Montag.

Auf der Weltrangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Mexiko auf Platz 148 von 180 Staaten. „Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder für die Ausübung des Journalismus“, hieß es in einer Mitteilung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. (dmz/ds/hl mit Material von dpa)