Fidelito statt Fidel – Steinmeier und die Castros

 

 

Bundesaußenminister Steinmeier mit dem Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega Alamino (Auswärtiges Amt / Photothek/Imo.com)

Von Michael Fischer

Havanna, 17. Juli 2015 – Fidel Castro, der Revolutionär im Ruhestand, empfängt in Havanna immer noch ab und zu ausländische Staatsleute. Außenminister Steinmeier trifft den “Maximo Lider” während seines Kuba-Besuchs nicht, dafür aber zwei enge Verwandte von ihm.

 Lange Zeit war unklar, ob Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Havanna überhaupt ein Mitglied der Castro-Familie zu Gesicht bekommen würde. Am Ende waren es dann sogar zwei: Raúl, der 84-jährige Präsident der Republik Kuba. Und Fidel, genannt Fidelito, Atomphysiker und mit seinen 65 Jahren der älteste Sohn des legendären “Revolutionsführers” Fidel Castro.

Am Donnerstagabend bekommt Steinmeier zunächst einen Termin beim Staatschef, nachdem er sich bereits bei drei Treffen mit kubanischen Ministern “warmgelaufen” hatte. Das Treffen findet im Haus des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas statt, am Platz der Revolution, den ein riesiges Konterfei des kubanischen Volkshelden Che Guevara überragt. 

Castro hat seine Räumlichkeiten in eine Art Gewächshaus umgewandelt. Alles ist mit tropischen Pflanzen zugewuchert. Der Staatschef erklärt Steinmeier auch warum: Unter solchen Farnbäumen habe er vor 60 Jahren für die Revolution gekämpft.

Die beiden reden fast zwei Stunden. Vor allem redet Castro. Es geht um die Beziehungen Kubas zu den USA, um die Lösung des Atomstreits mit dem Iran, aber auch um das heikle Thema Menschenrechte. Steinmeier sichert Castro zu, dass Deutschland die Öffnung Kubas weiter unterstützen wolle.

Dann geht es weiter zu einem Empfang in die Residenz des deutschen Botschafters. Etwas unverhofft trifft Steinmeier dort auf den zweiten Castro. Fidelito ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Er war als Wissenschaftler oft in Deutschland und ist mit einem der deutschen Unternehmer in Havanna gut befreundet.  

Zehn Minuten plaudert der Außenminister mit Fidel Castro junior beim Stehempfang. Zu einer Begegnung mit dem Vater kommt es während seines zweitägigen Aufenthalts nicht. Das Auswärtige Amt hatte sich um ein solches Treffen auch gar nicht bemüht. Es gebe neben Fidel Castro doch so viele andere interessante Gesprächspartner in Kuba, hieß es aus dem Auswärtigen Amt zur Begründung.

Das Spektrum der Termine Steinmeiers reicht dann auch vom Erzbischof, über den Künstler bis zum Sportler. Er ist gekommen um zuzuhören, bringt aber auch ein konkretes Ergebnis  nach Hause mit: Erstmals gibt es nun zwei Grundlagenvereinbarungen über die Beziehung zwischen Deutschland und Kuba. Sie sollen die Basis für die weitere ganz konkrete Zusammenarbeit sein.  

Auf deutscher Seite gibt es da vor allem zwei Wünsche. Mit einem Kulturabkommen soll die seit mehr als zehn Jahren geplante Eröffnung eines Goethe-Instituts in Havanna endlich realisiert werden. Ein Gebäude dafür gibt es bereits: Die ehemalige bulgarische Botschaft gleich neben dem Gebäude der deutschen Vertretung.

Die deutsche Wirtschaft hofft auf eine ständige Repräsentanz in Havanna und den Abbau von Investitionshemmnissen. “Das größte Problem ist für mich die Bürokratie”, klagt der Unternehmer Jürgen Nicklaus, der seit 15 Jahren auf Kuba lebt und eine Anlage für Industriegase betreibt. 60 Prozent seiner Arbeitszeit würden dafür drauf gehen.

Hinzu kommen exorbitante Steuern für ausländische Unternehmen. Ein europäischer Kleinwagen, für den man in Deutschland 12 000 Euro bezahlt, kostet in Kuba 220 000 US-Dollar. Für viele kleine und mittelständische Unternehmen ist das nicht bezahlbar. Außerdem kann man sich die Arbeitskräfte nicht selbst aussuchen. Sie werden staatlich zugeteilt.

Nur 30 deutsche Unternehmen und Banken haben sich bisher auf Kuba angesiedelt. Auch bei den Handelsbeziehungen ist Luft nach oben. Bei den deutschen Exporten lag Kuba 2014 auf Platz 101, bei den Importen auf Platz 125.

Zwar sind seit der Machtübergabe von Fidel an Raul Castro 2008 Reformen eingeleitet worden. Die Wirtschaftsdelegation, die Steinmeier begleitet, besichtigte beispielsweise einen Containerhafen 40 Kilometer außerhalb Havannas, um den eine Sonderwirtschaftszone entstehen soll. Bisher haben sich dort aber erst einzelne Unternehmen angesiedelt. Wie sich das weiter entwickelt, müsse erst einmal abgewartet werden, sagt Nicklaus skeptisch.

Der Besuch Steinmeiers könnte weiterhelfen. Für Nicklaus‘ Geschmack kommt er aber etwas zu spät. Andere Länder wie Frankreich, die Niederlande und Spanien haben schon längst Spitzenpolitiker nach Havanna geschickt.

Steinmeier spricht gegen Ende seiner Reise trotzdem von einem “zufriedenstellenden Besuch”. Die Verhältnisse würden sich nicht von heute auf morgen verändern, sagt er. Trotzdem gelte der Satz von US-Präsident Barack Obama zu Kuba: “Wir müssen Neues wagen.” (dmz/dpa/hl)

 




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