Flucht in der Karibik: Drogenbosse stellen sich den USA

 

Nach einer spektakulären Flucht durch die Karibik stellen sich die Brüder den USA (Foto: La Prensa)

Von Denis Düttmann

Washington/Tegucigalpa , 5. Februar 2015 -„Los Cachiros“ führten ein komplexes Firmengeflecht und schafften tonnenweise Kokain in die Vereinigten Staaten. Die Anführer der Gang fürchteten aber um ihr Leben. Ihre Geständnisse in den USA dürften so manchen in Honduras nervös machen.

Über ein Jahrzehnt herrschten die Brüder Rivera Maradiaga in Honduras wie Könige, doch dann wurde ihnen das Pflaster zu heiß. Nach Geheimverhandlungen mit der US-Antidrogenbehörde DEA und einer spektakulären Flucht durch die Karibik haben sich die Anführer des Drogenkartells „Los Cachiros“ nun den US-Behörden gestellt. In Florida soll den Capos der Prozess gemacht werden.

Nachdem das Finanzministerium in Washington die Bande auf die schwarze Liste gesetzt hatte und honduranische Sicherheitskräfte den Ring um die Köpfe der Organisation immer enger zogen, fürchteten Javier Eriberto Rivera Maradiaga und Devis Leonel Rivera Maradiaga in ihrem Heimatland offenbar um ihr Leben. „Honduras ist zu einer unfreundlichen Gegend für Drogenhändler und kriminelle Gruppen geworden“, jubelte der US-Botschafter in Honduras, James Nealon, auf Twitter.

Die Brüder hatten Medienberichten zufolge monatelang mit den US-Behörden über die Bedingungen verhandelt, nach denen sie sich stellten wollten. So reiste Devis Leonel Rivera Maradiaga durch verschiedene Karibik-Länder, nahmen immer wieder Kontakt mit den Vereinigten Staaten auf und stellte sich schließlich in den Bahamas, wie die Zeitung „El Heraldo“ berichtete. Von dort wurden er über die US-Militärbasis Guantánamo in Kuba nach Florida gebracht. Sein Bruder Javier Eriberto Rivera Maradiaga wiederum fuhr laut der Zeitung „La Prensa“ mit einem Schnellboot von Honduras bis in US-Gewässer, wo ihn DEA-Agenten erwarteten und nach Miami brachten.

Die honduranische Regierung war in die Verhandlungen offenbar nicht involviert. „Los Cachiros“ gelten in dem mittelamerikanischen Land als gut vernetzt. „Dass sie sich jetzt in US-Gewahrsam befinden, dürfte einige hochrangige Politiker und Geschäftsleute in Honduras nervös machen“, schreiben die Analysten der auf Kriminalität spezialisierten Nachrichtenseite Insight Crime.

„Los Cachiros“ ist ein krimineller Familienclan, der seit Anfang der 2000er Jahre den Drogenhandel in Honduras dominiert. Die einstigen Viehdiebe kaufen Kokain von kolumbianischen Gangs und geben es an die mexikanischen Kartelle weiter. Nach Einschätzung von Experten wird 80 Prozent des in den USA konsumierten Kokains über Honduras geschmuggelt. Pro Kilo macht die Bande laut Insight Crime einen Gewinn von 2000 bis 2500 US-Dollar. Mittlerweile sollen „Los Cachiros“ ein Nettovermögen von einer Milliarde Dollar angehäuft haben. Das Drogengeld investierten sie in ein komplexes Firmengeflecht.

Obwohl seine Regierung bei dem spektakulären Coup offenbar außen vor war, feierte der honduranische Präsident Juan Orlando Hernández die Festnahme der Brüder Rivera Maradiaga als wichtigen Schlag gegen das organisierte Verbrechen. „Wir haben ein feindseliges Umfeld geschaffen, in dem der Drogenhandel nicht länger florieren kann“, sagte der Staatschef. „Wir sorgen für Frieden und Ruhe für die Honduraner.“

Wie lange die Freude in Tegucigalpa und Washington anhält, muss sich noch zeigen. Im Austausch gegen den Schutz ihrer Familie und Strafminderung dürften die Kartellbosse den US-Ermittlern tiefe Einblicke in ihr kriminelles Netzwerk gewähren.

„Wenn die Rivera Maradiagas als Teil ihres Deals über die Verbindungen zwischen dem organisierten Verbrechen und einflussreichen honduranischen Strippenziehern berichten, könnte das die USA diplomatisch in eine unangenehme Lage bringen“, schreiben die Experten von Insight Crime. „Hinweise auf Fehlverhalten prominenter honduranischer Politiker würden die Vereinigten Staaten dazu zwingen, ihr gemeinsames Sicherheitskonzept mit Honduras zu überprüfen. Oder sie müssen mit mutmaßlichen Verbrechern zusammenarbeiten, um US-Interessen zu schützen.“ (dpa/dmz/hl)