Forscher entziffert angeblich Maya-Hieroglyphen in Ruinenstadt Palenque

 

Die Maya-Ruinenstadt Palenque in Chiapas (Foto: Graeme Churchard / Flickr)

Mexiko-Stadt, 16. Juni 2015 – Die Maya-Schrift ist eines der letzten großen Rätsel für Sprachforscher. Etwa 20 Prozent der Hieroglyphen sind noch immer nicht entziffert. Nun hat ein Wissenschaftler angeblich ein entscheidendes Schriftzeichen geknackt, um den vollen Namen der Grabstätte in Palenque lesbar zu machen. Der deutsche Maya-Forscher Nikolai Grube hat Zweifel.

Über 60 Jahre nach der Entdeckung des Königsgrabs in der mexikanischen Ruinenstadt Palenque hat ein Forscher eigenen Angaben zufolge den Namen der Grabstätte entziffert. Durch Vergleichsstudien sei es ihm gelungen, die Hieroglyphe „Yej“ mit „spitz“ zu übersetzen, sagte Guillermo Bernal Romero von der Universität Unam. Die Inschrift an dem Tempel im Süden Mexikos bedeute demnach: „Haus der neun spitzen Lanzen ist der Name des Grabs von K’inich Janaahb‘ Pakal, heiliger Herrscher von Palenque“.

Der Bonner Altamerikanist Nikolai Grube zog die Interpretation seines mexikanischen Kollegen allerdings in Zweifel. „Meines Erachtens ist die Lesung falsch“, teilte er der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. „Wir haben gute Argumente dafür, dass die Entzifferung (…) nicht richtig ist. Sie basiert auf einer falschen sprachlichen Analyse.“ Grube gilt als einer der führenden Maya-Experten und leitet ein Projekt zum Aufbau einer Textdatenbank und eines Wörterbuchs der Klassischen Maya.

Laut Bernal ähnelt das nun entzifferte Schriftzeichen dem Backenzahn eines Jaguars, des heiligen Tiers der Maya. Die Dechiffrierung helfe auch bei der Übersetzung weiterer bislang unklarer Texte in den archäologischen Stätten in Toniná, Piedras Negras, Dos Pilas, Yaxchilán und Dzibanché, sagte Bernal.

Die Maya-Schrift besteht aus etwa 1500 Hieroglyphen, von denen rund 20 Prozent noch nicht entziffert wurden. „Die Welt der Schrift ist wunderbar. Der Mensch will Geheimnisse lüften und die Schriftkunde der Maya ist eine dieser romantischen Disziplinen, in der man dieser Sehnsucht folgen kann“, sagte Bernal.

Palenque im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und ist eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten Mexikos. Die Maya-Kultur erstreckte sich über das heutige Südmexiko, Guatemala und Belize und hatte ihre Hochzeit zwischen 500 und 700 nach Christus. (dmz/dpa/ds)