Freunde und Familien der verschleppten Studenten greifen Kaserne an

 

Soldaten blockieren den Eingang zur Kaserne. (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 12. Januar 2015 – Nach fast vier Monaten ist das an Studenten verübte Verbrechen noch immer nicht aufgeklärt. Die Angehörigen und Kommilitonen der jungen Leute wollen das nicht hinnehmen und haben Soldaten in Iguala angegriffen. Sie werfen ihnen vor, in die Tat verwickelt zu sein.

Angehörige und Kommilitonen der verschleppten Studenten in Iguala haben eine dortige Kaserne angegriffen und sich Auseinandersetzungen mit dem Militär geliefert. Wie die Zeitung Milenio berichtet, hätten die Eltern der Vermissten zunächst vor der Kaserne eine Protestrede gehalten. Sie sprachen von Beweisen, die belegten, dass die Soldaten in die Entführung ihrer Kinder verwickelt seien.

In der Zwischenzeit brachen Studenten einen Zugang zur Kaserne auf. Die Soldaten hinderte sie jedoch zunächst mit einer Blockade daran, weiter einzudringen. Später verschafften sich einige der Eltern trotzdem Zugang. Das Militär setzte Böller ein, um die Menge auseinanderzutreiben, erreichte aber das genaue Gegenteil. Wütende Studenten lieferten sich daraufhin ein Gerangel mit Soldaten. Dabei sollen auch Steine und Flaschen geflogen sein. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Wie Lehrer berichteten, sollen eine Studentin des Lehrerseminars und ein Reporter von Militärs festgehalten und eingeschüchtert worden sein. Soldaten sollen ihnen gedroht haben: Wer diesen Ort betrete, werde ihn nicht mehr verlassen, wie Milenio weiter schreibt.

Immer noch keine neuen Erkenntnisse im Fall Iguala

Die 43 Studenten des linksgerichteten Lehrerseminars Ayotzinapa waren Ende September von Polizisten verschleppt und Zeugenaussagen zufolge der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben worden.

Bandenmitglieder räumten mittlerweile den Mord an den jungen Leuten ein. Bisher sind nur wenige Überreste gefunden worden. Eindeutig identifiziert wurde bislang nur ein Opfer. Wahrscheinlich sind die Leichen alle verbrannt worden. Das Massaker hatte ein Schlaglicht auf die engen Verflechtungen zwischen Politikern, Polizisten und Verbrechern in Mexiko geworfen.

Verfahren gegen Frau des Ex-Bürgermeisters von Iguala

Unterdessen leitete die Justiz einen Strafprozess gegen die mutmaßliche Drahtzieherin der Tat ein. Der Frau des Bürgermeisters von Iguala, María de los Ángeles Pineda Villa, wird vorgeworfen, mit der Verbrecherorganisation „Guerreros Unidos“ zusammengearbeitet zu haben, wie die Justizverwaltung mitteilte.

Die Frau stammt aus einem Drogenhändlerclan und soll vom Rathaus aus die Geschäfte der „Guerreros Unidos“ geführt haben. Gemeinsam mit ihrem Ehemann José Luis Abarca wurde sie Anfang November in Mexiko-Stadt gefasst. Derzeit sitzt sie in einem Hochsicherheitsgefängnis in Untersuchungshaft. (dmz/ds mit Material von dpa)