Geldgrüße aus Mexiko: Ist James Bond bestechlich?

Daniel Craig in seinem neuen Bond-Abenteuer “Spectre” (Foto: 007.com)

Mexiko-Stadt, 18. März 2015 – Am Donnerstag beginnen die Dreharbeiten für den neuen 007-Streifen „Spectre“ in der Hauptstadt. Zuvor machten Medienberichte die Runde: Die mexikanische Regierung soll Millionen Dollar dafür gezahlt haben, dass das Land besser im Film wegkommt. Was ist dran an den Gerüchten?

Von Daniel Schlicht

James Bond hat Geldsorgen. Schnelle Sportwagen, rauschende Partys und stets eine schöne Frau an der Seite – Irgendwie ahnten wir immer, dass das Lieblingskind des britischen Geheimdienstes etwas über seine Verhältnisse lebt. Doch nun ist es offiziell: Bei seinem neuesten Abenteuer „Spectre“ geht ihm das Geld aus. Oder besser seinen Produzenten. Alleine bei den Dreharbeiten wurden bereits 50 Millionen Dollar mehr verpulvert als beim Vorgängerfilm „Skyfall“. Insgesamt sind die Kosten auf 350 Millionen Dollar gestiegen. Damit wäre „Spectre“ am Ende einer der teuersten Filme aller Zeiten.

Ein verlockendes Angebot aus Mexiko scheint da gerade recht gekommen zu sein. Wie in mehreren Medienberichten zu lesen ist, soll die Regierung die Filmemacher mit einer großzügigen Finanzspritze bedacht haben: Rund 20 Millionen Dollar wollten die Behörden dem Filmprojekt zuschießen. Im Gegenzug sollten die Bond-Produzenten das Drehbuch für die Szenen in Mexiko ein wenig abwandeln – nach mexikanischen Wünschen, versteht sich.

So zumindest schreiben es die Redakteure von „Tax Analysts“. Ihnen liegen interne E-Mails von Sony Pictures Entertainment und Metro-Goldwyn-Mayer Studios (MGM) vor, die bei einem Hackerangriff im vergangenen Jahr geleakt wurden. Demnach seien die Produzenten so verzweifelt gewesen, dass sie „etwas kreative Kontrolle an ausländische Bürokraten“ abgetreten hätten. Im Gegenzug seien die Millionensummen in Form von Steuererleichterungen gewährt worden.

Bürgermeister von Mexiko-Stadt darf am Leben bleiben

In einer E-Mail verweist MGM-Chef Jonathan Glickman auf einen „mexikanischen Deal“, der eine Reihe von recht auffälligen inhaltlichen Änderungen am Drehbuch vorsieht. Ein eigentlich auf den Bürgermeister von Mexiko-Stadt geplantes Attentat – gestrichen. Stattdessen muss nun eine „internationale Persönlichkeit“ ihr Leben geben. Bonds Gegenspieler namens „Sciarra“, eigentlich als Mexikaner besetzt, muss die Nationalität wechseln. Und die – nicht gerade als Sympathieträger bekannte – mexikanische Polizei soll durch eine etwas ominöse „Polizeispezialeinheit“ für die Eröffnungsszenen in der mexikanischen Hauptstadt ersetzt werden.

Die Neufassung sieht außerdem einige Extra-Szenen vor, die man unter der Kategorie Fremdenverkehrswerbung verbuchen könnte. Neben Luftaufnahmen vom „modernen Mexiko-Stadt“ (eine prominente Platzierung verspricht weitere 6 Millionen) soll eine Szene eingefügt werden, in der Bond eine Verfolgungsjagd durch die berühmten Feiern am „Día de los Muertos“ (Tag der Toten) startet. Ach, und natürlich: Ein mexikanisches Bondgirl darf nicht fehlen. Für die Rolle der „Estrella“, eine junge Frau die Bond bei der Suche nach „Sciarra“ im Hotel kennenlernt, solle eine „bekannte mexikanische Schauspielerin“ gecastet werden, heißt es in den Notizen.

Wie „Tax Analysts“ weiter schreibt, lobt Glickman seinen ausführenden Produzenten: „Sie haben einen großartigen Job geleistet, uns das Geld aus Mexiko zu sichern“. Tatsächlich könnte man bei Sony über den Deal nicht meckern. Alles in allem sollen die Filmsequenzen in Mexiko-Stadt schließlich nur gut vier Minuten des gesamten Films ausmachen.

007-Produzent dementiert Einflussnahme der mexikanischen Regierung

Normalerweise würden Filmproduzenten dennoch solche Auflagen weit von sich weisen. Und das ist auch in diesem Fall – mit Verspätung – geschehen. Bond-Produzent Michael G. Wilson bemühte sich bei seiner Ankunft in der mexikanischen Hauptstadt am Mittwoch redlich, die Vorwürfe zu zerstreuen. Er habe weder Geld von der Regierung erhalten noch sei das Drehbuch geändert worden, sagte er auf einer Pressekonferenz. Vielmehr würden Privatunternehmen die Dreharbeiten in Mexiko-Stadt unterstützen. Wer die privaten Investoren sind und welche Summen tatsächlich geflossen sind, dazu wollte er sich nicht äußern.

„Überall wo wir hinkommen, gibt es finanzielle Unterstützung“, sagte Wilson. „Manchmal sind das Steuererleichterungen, manchmal andere finanzielle Anreize. Man bekommt Kooperationen angeboten und kostenlose Dinge, für die man normalerweise bezahlen würde“, sagte Wilson weiter. In diesem speziellen Fall hätten sich private Unternehmen, darunter eine Hotelkette, zu einem Joint Venture zusammengetan, „um den Tourismus im Land zu unterstützen“.

Auch inhaltlich sei nichts geändert worden. Er habe viel gesehen und gelesen, aber die Wahrheit sei, „dass nichts von alledem passiert ist, daher musste das Drehbuch auch nicht geändert werden“, sagte Wilson. Alles an dem Script sei „genauso, wie wir es bereits vorher geschrieben hatten“. Der Bösewicht sei „immer Italiener gewesen“ und diese Szenen seien auch bereits in Rom abgedreht worden.

Immerhin ein Punkt ist unstrittig: Es wird ein mexikanisches Bondgirl geben. Stephanie Sigman tritt als Nachzüglerin die Rolle der besagten Estrella an, wie sie gemeinsam mit Wilson bei dem Pressetermin persönlich bestätigte. Léa Seydoux und Monica Bellucci, die Frauen an der Seite von Daniel Craig, bekommen also Konkurrenz. Den „Día de los Muertos“ wird es direkt als Eröffnungssequenz zu sehen geben, natürlich in einer Bond-Version, wo „alles ein bisschen größer ist“. Bis zu 1.500 Komparsen werden sich für die Dreharbeiten in den nächsten Tagen auf dem Zócalo tummeln und eine farbenfrohe Kulisse für die Verfolgungsjagd bieten. Gedreht wird hier auch im grandiosen Grand Hotel berühmt für seine Glaskuppel im Jugendstil. Was es sonst noch von Mexiko auf die Leinwand schafft, bleibt wohl bis Ende des Jahres abzuwarten. Dann läuft „Spectre“ in den Kinos an. (dmz/ds/hl)

Blick auf die prächtige Jugendstil-Glaskuppel im Grand Hotel (Foto: Herdis Lüke)

Bis zu 1.500 Komparsen werden auf dem Zócalo in Mexiko-Stadt für die „Día de los Muertos“-Szene benötigt. (Foto: Herdis Lüke)