Gesetz soll Kinderarbeit einschränken

Von Sonja Peteranderl

Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche gehen in Mexiko einer Arbeit nach – ein alltägliches Phänomen, besonders in ländlich geprägten Gebieten. Eine Gesetzesreform soll die Kinderarbeit in Zukunft einschränken.

Mexiko-Stadt, 28. Juni – Sie arbeiten als Hausmädchen, laufen durch die U-Bahn um SüÄŸigkeiten zu verkaufen oder schuften in der Landwirtschaft: In Mexiko gehen derzeit mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren einer Arbeit nach. Eine Gesetzesreform soll die Kinderarbeit in Zukunft einschränken.

Dem Kongress wird ein Vorschlag für eine Reform des Verfassungsartikels 123 vorgelegt, um das Mindestalter für eine Arbeitserlaubnis von 14 auf 15 Jahre hochzusetzen. Zudem hat Präsident Enrique Peıa Nieto im Juni angekündigt, dass eine Kommission für die Prävention und Abschaffung von Kinderarbeit und den Schutz von Jugendlichen innerhalb gesetzlich zulässiger Arbeitsverhältnisse eingerichtet werden soll.

Mehr Kinderarbeit im Süden

Mit der Heraufsetzung der Altersgrenze wird Mexiko einem internationalen Abkommen entsprechen: Mexiko hat vor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der UN zugestimmt, die Konvention 138 umzusetzen, die weltweit das Mindestalter für Jugendliche, die arbeiten dürfen, auf 15 Jahre festlegt.

Weltweit müssen etwa 215 Millionen Minderjährige arbeiten. In Mexiko gehen derzeit mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren einer Arbeit nach. Etwa 30 Prozent von ihnen würde die Reform betreffen, da sie jünger als 14 Jahre sind. 31 Prozent der Minderjährigen gehen ihrer Tätigkeit mehr als 35 Stunden wöchentlich nach. In den Bundesstaaten Guerrero, Oaxaca und Chiapas ist das Phänomen der Kinderarbeit besonders stark verbreitet.

Von den mehr als drei Millionen Kindern, die in Mexiko arbeiten, werden 65 Prozent in der Landwirtschaft eingesetzt, 20 Prozent sind im Dienstleistungsbereich tätig, und die übrigen 15 Prozent fallen auf Kunsthandwerk oder industrielle Arbeit.

Hohes Risiko von Gewalt und sexuellem Missbrauch

Daten des mexikanischen Statistikinstitutes (Inegi) zufolge wurden 2011 124.308 Kinder als Hausangestellte in fremden Haushalten beschäftigt, zu 80 Prozent Mädchen. Thomas Wissing von der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge sind 90 Prozent der Minderjährigen, die mehr als 35 Stunden wöchentlich arbeiten müssen, Mädchen und junge Frauen. Sie sind demnach auch besonders von dem Problem betroffen, dass sie aufgrund ihrer Beschäftigung keine Zeit finden, zur Schule zu gehen, wie insgesamt fast zwei Millionen mexikanische Kinder und Jugendliche.

Kinder, die als Hausangestellte arbeiten, sind zudem zahlreichen Risiken ausgesetzt: Sie müssen lange Wege zur Arbeit auf sich nehmen, erfahren häufig  Gewalt und Beleidigungen oder sexuellen Missbrauch. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die im Haushalt ihrer Arbeitgeber leben.

Arbeit als Vorbereitung für die Zukunft

Victoria Cruz vom Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit (IPEC) der internationalen Arbeitsorganisation appelierte kürzlich an die mexikanische Regierung, Mechanismen zu etablieren, die den Betroffenen den Zugang zur Justiz erleichtern, um Missbräuche zu melden und damit strengere Sanktionen und Entschädigungen für Kinderarbeit zu verhängen.

Allerdings sind es nicht nur die gesetzlichen Grundlagen, die sich dringend wandeln müssen, um die Situation der mexikanischen Kinder zu verbessern: Isabel Crowley, Repräsentantin von UNICEF in Mexiko, kritisiert, dass Kinderarbeit in Mexiko sehr gut angesehen sei, als eine Art Berufsvorbereitung oder Training für die Zukunft. Da es kein gesellschaftliches Unrechtsbewusstsein gibt, hält sich auch die Bereitschaft Kinderarbeit abzulehnen oder anzuzeigen, in Grenzen. (dmz/sop/hl)

{fshare}




Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*