Fettleibigkeit: Mexiko hat ein dickes Problem

 

Lecker, aber keine leichte Kost: Quesadillas zum Frühstück (Foto: Daniel Schlicht)

Mexiko-Stadt, 27. Dezember 2014 – Der Mexikaner liebt es heiß und fettig – zumindest was das Essen angeht. Schon zum Frühstück stehen Fleisch, Käse und Cola auf dem Speiseplan. Kein Wunder, dass Mexiko ganz oben die Liste der Fettleibigkeit anführt. Hier leben mittlerweile mehr übergewichtige Menschen als in den USA. Das hat Folgen für das Gesundheitssystem.

Mexiko ist weltweit Spitzenreiter, leider in einer unpopulären Hitliste. In keinem anderen Land der Welt leben mehr fettleibige Menschen als hierzulande. Mehr als ein Drittel der Mexikaner ist übergewichtig, Tendenz steigend. Das belegen die aktuellen Zahlen der staatlichen mexikanischen Gesundheitsbehörde: Von Januar bis November 2014 wurden 323.100 neue Fälle von Fettleibigkeit registriert. Nur zum Vergleich: Mit so vielen Menschen ließe sich das Estadio Azteca dreimal füllen.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde leiden vor allem Menschen zwischen 25 und 44 Jahren unter der Fettleibigkeit. Auch Kinder kämpfen schon mit einer zu großen Körperfülle. Die Behörde begutachtete 2014 insgesamt 3.311 Fälle von übergewichtigen Kindern unter einem Jahr. Bei den älteren Patienten fällt die Zahl etwas geringer aus: Von den über 65-Jährigen Patienten wurden ingesamt 322 neue Krankheitsfälle diagnostiziert.

Knapp zwei Drittel  der registrierten Fälle verteilen sich dabei auf zehn Bundesstaaten der mexikanischen Republik. An der Spitze steht Estado de Mexico mit 41.493 übergewichtigen Menschen, gefolgt vom Bundesstaat Distrito Federal mit 23.292 und Nuevo Leon mit 18.827 Fällen. Auf dem vierten Platz liegt Sonora mit 18.015 und auf dem fünften Chihuahua mit 17.855 Patienten, danach Tamaulipas mit 16.015 und Baja California mit 14.860 Fettleibigen. Coahuila mit 14.635, Veracruz mit 14.027 und Jalisco mit 13.222 übergewichtigen Mexikanern befinden sich auf den letzten drei Plätzen.

„Fettleibigkeit ist die Epidemie des 21. Jahrhunderts“

Woher kommt nun diese „Zunahme“ von Dicken in Mexiko? An erster Stelle ist natürlich die Vorliebe der Mexikaner für deftige Mahlzeiten und süße Getränke zu nennen. Die mexikanische Küche hält eine Vielzahl von Kalorienbomben wie Tacos, Tortas und Tamales bereit, zu denen gerne auch noch Refrescos, sprich industriell hergestellte Softdrinks, getrunken werden. Hinzu kommt das importierte Fastfood vom großen Bruder USA: Fastfoodketten wie McDonalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken erfreuen sich bei Jung und Alt in Mexiko großer Beliebtheit. Obendrein fehlt es den meisten Menschen an Bewegung und sportlicher Betätigung. Wie selbst Präsident Enrique Peña Nieto einräumte, sind die Mexikaner eine Gesellschaft, “die nur wenige Gewohnheiten pflegt, um sich gesund zu halten und Krankheiten vorzubeugen, die vermeidbar wären”.

„Die Fettleibigkeit ist die Epidemie des 21. Jahrhunderts“, heisst es im medizinischen Leitfaden zur Diagnose und Behandlung von Fettleibigkeit des Allgemeinen Krankenhauses von Mexiko. Das mexikanische Gesundheitssystem nehme die Krankheit ernster denn je, denn etwa 80.000 Menschen sterben in Mexiko pro Jahr an Herz-Kreislauferkrankungen verursacht durch die Fettleibigkeit. Die Ausgaben zur Bekämpfung gefährlichen Krankheit belaufen sich nach Schätzungen des Gesundheitsamts im Jahr 2017 auf satte 101 Milliarden Pesos, doppelt so hoch wie noch im Jahr 2008.

Die Ärzte des Krankenhauses von Mexiko sind zuversichtlich, dass die Fettleibigkeit in der Gesellschaft bekämpft werden kann. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn Mediziner, Psychologen, Ernährungs- und Gesundheitsberater gemeinsam zusammenarbeiten, wie sie in einem Bericht schreiben. Ein erster Schritt ist das „Strategische Programm zur Kontrolle und Vermeidung von Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes“, das die mexikanische Regierung 2013 ins Leben gerufen hat. Es sieht eine bessere gesundheitliche Aufklärung, regelmäßige ärztliche Begutachtungen und fiskalpolitische Maßnahmen vor, etwa die sogenannte Junk-Food-Steuer. Letztlich haben es die Mexikaner jedoch selbst in der Hand. Nur wer seinen Lebensstil auch ändern will, wird sich langfristig gesünder ernähren. (dmz/as/ds; Foto: Daniel Schlicht)