Gewalt kostet Mexiko fast ein Fünftel der Wirtschaftskraft

 Mexiko ist friedlicher geworden. Zu viel Euphorie ist dennoch nicht angebracht. (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 19. März 2015 – Die gute Nachricht zuerst: Mexiko ist laut Statistik so friedlich wie seit Jahren nicht mehr. Mord und Organisierte Kriminalität sind deutlich zurückgegangen. Die schlechte: Weltweit liegt Mexiko im Friedensindex immer noch abgeschlagen und auch wirtschaftlich schlagen die Verluste durch Kriminalität noch kräftig zu Buche.

Auch wenn die gefühlte Wirklichkeit anders aussehen mag: Mexiko ist friedlicher geworden. Wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Wirtschaft und Frieden hervorgeht, sind die Gewalttaten seit 2011 stark zurückgegangen. Das nationale Friedensniveau verbesserte sich somit um 16 Prozent. Dennoch sei es zu früh, daraus einen langfristigen Trend abzulesen, schreiben die Forscher, da der Rückgang im vergangenen Jahr stagnierte.

Die friedlichsten Bundesstaaten sind demnach Hidalgo gefolgt von Yucatán, Querétaro, Campeche, Tlaxcala und Chiapas. Insgesamt bleiben die östlichen Landesteile weiterhin am friedlichsten. Der Norden Mexikos zählt immer noch zu den gewalttätigsten Regionen, wenngleich die Kluft zwischen Nordmexiko und den anderen Landesteilen nun auf dem niedrigsten Stand seit 2004 ist.

In Lateinamerikas bleibt Mexiko weiter Schlusslicht

Innerhalb der letzten zwei Jahre ist demnach die Mordrate mit 30 Prozent am stärksten von allen Gewalttaten zurückgegangen. Das Ausmaß an Organisierter Kriminalität ging um 25 Prozent zurück. Die einzige Verschlechterung verzeichnen die Forscher bei der Waffenkriminalität, die um 11 Prozent anstieg. Die Forscher weisen darauf hin, dass es zwar Zweifel an der Genauigkeit der offiziellen Gewaltstatistik der Regierung gebe. Allerdings hätten mehrere Quellen etwa den Rückgang der Mordrate bestätigt, was „stark nahelegt, dass die Friedensentwicklung real ist“.

Zu viel Freude ist jedoch auch bei den aktuellen Zahlen nicht angebracht: Es handelt sich immer noch um einen Gewaltrückgang auf relativ hohem Niveau. Im internationalen Vergleich fiel Mexiko was den Frieden betrifft zwischen 2008 und 2013 um 45 Plätze zurück. Auch innerhalb Lateinamerikas und der Karibik bleibt Mexiko weiterhin Schlusslicht.

Der wirtschaftliche Schaden durch Gewalt bleibt enorm

Und auch wirtschaftlich bleibt der Schaden durch Gewalt, Kriminalität und organisiertes Verbrechen enorm. Im vergangenen Jahr gingen etwa 233 Milliarden US-Dollar (etwa 220 Milliarden Euro) dadurch verloren. Das waren 17,3 Prozent des Bruttosozialprodukts von Mexiko – immerhin Lateinamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft.

Die volkswirtschaftlichen Kosten der Kriminalität waren demnach zwar auf dem niedrigsten Niveau seit 2009. Allerdings entfielen auf jeden Mexikaner noch immer Kosten von 1946 Dollar (1838 Euro). Zum Vergleich: Das ist dreimal mehr, als die Regierung für Gesundheit ausgibt.

Die Analysten kalkulierten für ihre Untersuchung sowohl direkte als auch indirekte Kosten der Gewaltkriminalität, wirtschaftliche Schäden bei Unternehmen sowie Kosten für Justizsystem und Sicherheitskräfte mit ein. „Frieden wirft Dividenden ab, weil Ausgaben zur Kriminalitätsbekämpfung in produktivere Felder der Wirtschaft gelenkt werden können“, hieß es in der Studie.

Die Studie „Mexico Peace Index“, die auf dem weltweiten „Global Peace Index“ basiert, untersucht die Friedlichkeit in Mexiko seit 2003. Ziel ist es, das Verständnis für Entwicklungen und Faktoren für Frieden zu fördern und die ökonomischen Vorteile einer friedlichen Gesellschaft aufzuzeigen. (dmz/ds mit Material von dpa)