Impfen gegen Covid-19 in Mexiko: So geht’s

Impfzentrum im Campo Marte in Mexiko-Stadt (Foto: Mex. Präsidialamt)

Von Herdis Lüke

Mexiko-Stadt, 15. April 2021 – Mexiko hat bisher viel Lob für seine Impfkampagne gegen Covid-19 erhalten, die in vielen Ländern gar als Vorbild dient. Seit Beginn der Impfkampagne der mexikanischen Regierung im vergangenen Dezember wurden 10,3 Millionen Menschen im ganzen Land gratis gegen das Virus geimpft, darunter auch Ausländer mit legalem Aufenthaltsstatus. Es gibt aber auch Kritik.

Begonnen wurde im Dezember zunächst mit fast einer Million Beschäftigten im öffentlichen Gesundheitswesen, im Februar folgte dann die breit angelegte Impfkampagne für Personen ab 60 Jahren. Eine logistische Herausforderung, die die beteiligten Behörden trotz zeitlicher Verzögerungen wegen Lieferengpässen mit Bravour bewältigt haben. Mehr als 9,3 Millionen über 60-jährige haben bis Mitte April ihre erste Impfdosis und 1,8 Millionen bereits ihre zweite Dosis erhalten. Mit 913 0000 Geimpften ist auch die Mehrheit des Personals an öffentlichen Krankenhäusern und Gesundheitszentren immunisiert worden. 156 000 warten derzeit noch auf die zweite Dosis. Apliziert wurden bisher vornehmlich Astra-Zeneca und Biontech/Pfizer.

Private Kliniken und Ärzte werfen Regierung Diskriminierung vor

Mit Kritik und Protesten haben die Beschäftigten von privaten Krankenhäusern und Ärzten mit eigenen Praxen und Angestellten reagiert. Diese müssen warten, „bis ihre Altersgruppe dran ist“, erklärte der mexikanische linksnationale Präsident Andrés Manuel López Obrador. Betroffene werfen ihm Diskriminierung vor und erinnerten ihn daran, dass er in einem privaten Krankenhaus im Mexiko-Stadt operiert und behandelt wurde, als er im Dezember 2013 einen Herzinfarkt erlitten hatte. Es seien Privatärzte gewesen, die ich das Leben gerettet hätten.

Derzeit läuft noch die Impfkampagne der Beschäftigten an öffentlichen Schulen. Knapp 23 000 Lehrende wurden bereits geimpft, 5 300 warten noch. Damit verschiebt sich der Start der Impfungen für den Rest der Bevölkerung auf Mai. Begonnen wird mit der Gruppe der 50 bis 59-jährigen, gefolgt von der 40 bis 49-Jährigen im Juni und am Schluss kommen dann die Jüngeren dran. Bis März 2022 soll die Impfkampagne abgeschlossen sein. Die Impfungen sind kostenlos.

Verantwotlich für den Import der Impfstoffe ist übrigens der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard, der die Ladungen am Internationalen Flughafen von Mexiko-Stadt meistens persönlich entgegennimmt. Die Verteilung in die verschiedenen Bundesstaaten, Kreise und Gemeinden übernehmen die Streitkräfte. Eingerichtet werden die Impfzentren von den lokalen Gesundheitsbehörden, wobei die Impfungen von Krankenschwestern der Sozialversicherungen IMSS und ISSTE verabreicht werden. Freiwillige der Regierungspartei sorgen für den organisatorischen Ablauf.

Werden auch Ausländer geimpft?

Um geimpft werden zu können, muss sich jeder  Ausländer mit gültiger Aufenthaltsgenehmigung – Achtung: Touristen mit Touristenkarte sind davon ausgenommen! – genau wie wie die Mexikaner auf dem von der Regierung eingerichteten Impfportal mit seinem Namen und seinem alphanumerischen  Code des staatlichen Bevölkerungsregistrierungsportals eintragen. Dieser Code nennt sich „CURP“ und steht für „Código Único de Registro de la Población”. Ausländer werden durch die Migrationsbehörde Instituto Nacional de Migración (INM) registriert und erhalten mit ihrer temporären oder permanenten Aufenthaltskarte auch den Code. Den kann man auch über das entsprechende Regierungsportal herunterladen und ausdrucken.

In den sozialen Medien kritisierten einige Ausländer, dass sie trotz legaler Aufenthaltspapiere nicht geimpft würden. Vor allem in den Badeorten an der Karibikküste gab es anfangs Proteste. Hier gab es sogar Hinweisschilder, dass Ausländer nicht geimpft würden. Die Regierung stellte dann zwar schnell klar, dass keine Ausländer diskriminiert werden dürften. Gleichzeitig wies sie aber daraufhin, dass sich auch die in Mexiko legal lebenden Ausländer ins Impfregister eintragen müssen. Wer unter den mexikanischen Senioren kein CURP hat, ist davon ausdrücklich ausgeommen. Viele alte Menschen in Mexiko, die in ländlichen Regionen leben, haben keine Geburtsurkunde und damit auch kein CURP. Bei ihnen reicht es, wenn Nachbarn oder Familienangehörige die Identität der Person bestätigen.

Welche Papiere muss man mitbringen?

Wer legal in Mexiko lebt und sich ins Impfregister eingetragen hat, braucht nur Geduld, bis er von den Behörden Bescheid bekommt. Zur Impfung mitbringen muss man seine Impregistrierbestätigung (auf der auch der CURP verzeichnet ist), Aufenthaltskarte und ein sogenannter „Comprobante de Domicilio“, ein Adressnachweis. In Mexiko gibt es kein Meldeverzeichnis. Um seinen Wohnort nachzuweisen, reicht eine Telefonrechnung, am besten aber eine Stromrechnung mit der derzeitigen Adresse, selbst wenn der Name darauf nicht mit dem des Bewohners übereinstimmt, die möglichst zeitnah, aber nicht älter als drei Monate sein sollte.

Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Hugo López-Gatell – Corona-Beauftragter der Regierung – wies bereits im Februar daraufhin, dass Ausländer sich im Bevölkerungsregister registrieren sollten. Das allerdings geht nicht ohne INM. Betroffen sein dürften davon viele Landsleute, die als Tourist einreisen und ohne Genehmigung in Mexiko arbeiten. Wenn sie ein sechsmonatiges Touristenvisum haben, reisen sie kurz aus und kommen mit neuem wieder. Das kann durchaus gutgehen. Es sind aber auch Fälle von Leuten bekannt, die in Abschiebehaft gekommen sind und ausgeflogen wurden. Das Risiko sollte also jedem bewusst sein.

Zu tricksen hat wenig Sinn. Zwei Mexikaner, einer davon der Sohn einer TV-Schauspielerin, verkleidete sich mit einem Freund als Senior. Sie präsentierten sich mit falschen Papieren und wurden auch  geimpft, flogen aber auf. Neben der öffentlichen Schande, in der Presse und sozialen Medien gebrandmarkt worden zu sein, müssen sie auch mit einer Strafe rechnen. Außerdem nützt ihnen die Impfbestätigung gar nichts. Übrigens wird die Impfung nicht in einem Impfpass eingetragen, sondern man bekommt nur den offiziellen Zettel mit den persönlichen Daten, dem Datum der ersten und zweiten Impfung und dem verabreichten Impfstoff mit dessen Fläschchen-Code. Diesen Zettel sollte man sich in seinen Impfpass legen und gut darauf aufpassen.

Schlange stehen? Nicht unbedingt

Wer von den Registrierten noch keinen Impftermin bekommen hat und nicht warten möchte, kann sich in jedem Impfzentrum an seinem Wohnort oder seiner Gemeinde in der Provinz auch vorher impfen lassen. Dafür muss er nur Geduld mitbringen, abhängig ein bisschen von der jeweiligen Gemeinde. Mexikaner scheinen es zu lieben, Schlange zu stehen. Vielerorts campieren sie sogar an den Impfzentren, um früh dranzukommen. Das ist allerdings Unsinn. Sicher ist es gut, früh da zu sein und am besten in Begleitung. Einer holt sich die „Ficha“ , das ist die Nummer, die unter den Wartenden verteilt wird und die Reihenfolge regelt. Beispiel: Hat sich schon eine lange Schlange gebildet, reiht sich der oder die eine ein, während der oder die andere Impfkandidat:in zum Eingang pirscht und die Nummer(n) holt. Dann hat man in etwa eine Vorstellung davon, wie lange man warten muss und kann derweil vielleicht einen Kaffee trinken oder gar frühstücken gehen.

Hervorragend funktioniert die Verabreichung der zweiten Dosis, für die man nach alphabetischer Reihenfolge in dem Impfzentrum einen Termin bekommt, wo man die erste Impfung bekommen hat. Die Autorin dieses Artikels ist dafür zwei Tage vorher angerufen worden. Ihre Nachbarinnen, die sich it ihr impfen ließen, glaubten nicht an die gute Nachricht und wollten unbedingt ab 08:00 Uhr Schlange stehen („por si las moscas“ – für den Fall der Fälle). Termin war zwischen 10:00 und 12:00 Uhr. Mitgehangen-mitgefangen: Zeit genug für ein sehr ausgiebiges Frühstück. Es reicht also – zumindest in kleineren Städten und Gemeinden –, eine halbe Stunde, höchstens eine Stunde vorher da zu sein. Die Impfzentren sind so gut organisiert, dass der gesamte Impfprozess sehr schnell geht. Nach der Impfung muss man noch 20 bis 30 Minuten bleiben. Wenn alles okay ist und wer sich gut fühlt, kann gehen.

Die lokalen Impfzentren erfahren Sie über die lokale Presse oder das Portal der Stadt- bzw. Ortsverwaltung (gobierno municipal) Ihres  jeweiligen Wohnorts. Bei Google gibt man zum Beispiel ein „gobierno municipal Playa del Carmen“, oder das des jeweiligen Bundesstaats ein. Beispiel: „Gobierno de Quintana Roo“. Google schickt Sie dann auf die entsprechende Webseite. Jede Ortsverwaltung hat auch eine eigene Facebook-Seite, über die manchmal sogar schneller informiert wird als auf der Webseite.

Hier noch einmal die Links zum Impf- und CURP-Portal der Regierung sowie zu den Corona-Hotlines in den einzelnen Bundesstaaten:

https://coronavirus.gob.mx/vacunacion-covid/

https://www.gob.mx/curp/

https://coronavirus.gob.mx/contacto/

(dmz/hl)