Mehr Teenagerschwangerschaften

Institut für Perinatolkogie: Grund ist die verfehlte  Gesundheitspolitik der PAN-Regierungen

Mexiko-Stadt, 28. März – 73 Prozent aller 12- bis 17-jährigen Mädchen und jungen Frauen in Chiapas waren schon einmal schwanger. Diese Zahl veröffentlichte jetzt das Institut für Perinatalogie (Instituto de Perinatología, Inper) in einer Umfrage über das sexuelle Verhalten Jugendlicher in Mexiko.

In der nationalen Umfrage hatten 80 Prozent der befragten Mädchen und jungen Frauen angegeben, Kenntnisse über Verhütungsmittel zu haben.  Jedoch war fast die Hälfte von ihnen, die sexuell aktiv sind, aber auch schon einmal schwanger. Besonders hoch ist die Rate in den Bundesstaaten Chiapas (73 Prozent), Nayarit (70,3 Prozent) und Michoacán (68, 5 Prozent). Der landesweite Durchschnitt liegt bei 51,9 Prozent.

Inper-Chefin Josefina Lira nannte diese Zahlen bei der Präsentation der Umfrage erschreckend. Die jungen Mütter machten durchschnittlich 20 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter aus, in manchen Regionen würde diese Zahl jedoch bis zu 30 Prozent ansteigen. Und Lira sieht keine Trendwende. Denn laut der Inper-Chefin sind die Zahlen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Die Ursache sieht Lira in den zwei Präsidentschaftsperioden der konservativen PAN von 2000 bis 2012. „Die PAN-Regierungen haben die Augen vor dem Problem verschlossen und ihre Gesundheitsaufklärung auf das Propagieren von Enthaltsamkeit beschränkt“, so Lira. Ihre Kritik an der PAN ging noch weiter: „Sie haben nicht wahrhaben wollen, dass Mädchen heute immer früher Sex haben und nun ist die Situation vollkommen entglitten.“

Eine Umfrage der Nationalen Gesundheits- und Ernährungsumfrage (Ensanut) hatte im vergangenen Jahr gezeigt, dass zwischen 2006 und 2012 die 15- bis 19-jährigen immer früher mit dem Sex anfangen. Während 2006 lediglich 20,9 Prozent der Mädchen bereits sexuelle Erfahrungen hatten, waren es sechs Jahre später bereits 31,2 Prozent.

Politik in der Pflicht

Lira sieht deswegen die Politik in der Pflicht. Es fehle an Informationen sowie an Einrichtungen, die die Jugendlichen unterstützten, sobald sie sexuell aktiv werden, resümierte Lira. Einen ersten Schritt hat das Inper im vergangenen Jahr gemacht. Da wurde das Programm „Clínicas Regionales de Atención Integral“  ins Leben gerufen. 70 Millionen Pesos seien 2012 investiert worden, sagte Inper-Direktor Javier Mancilla bei der Studienpräsentation.

In diesem Jahr soll noch einmal dieselbe Summe fließen. In den Gemeinden Yautepec  (Morelos), Ecatepec (Bundesstaat Mexiko), Guadalajara (Jalisco) sowie in Irapuato (Guanajuato) wurden Gesundheitszentren für Jugendliche eingerichtet, die für alle Fragen rund um die Sexualität offenstehen. Dies sei aber lediglich ein Anfang, so Mancilla. Das Anliegen des Instituts sei es, das Projekt auf das ganze Land auszuweiten.

Bei den jetzt bestehenden Gesundheitszentren liegt lediglich Jalisco unter der 50-Prozent-Marke. In Morelos und Bundesstaat Mexiko liegt der Prozentsatz der Teenagerschwangerschaften  bei jeweils 57,8 Prozent, in Guanajuato bei 56,4 Prozent. Doch in vielen Bundesstaaten läge die Quote über 60 Prozent. Mancilla unterstrich, wie wichtig eine persönliche und fachgerechte Aufklärung sei, denn „nicht alles, was im Internet steht, ist wahr oder vertrauenswürdig“. Darüber hinaus seien aber  auch die Schulen und Familien gefordert.

Dafür böte das  Inper auch Kooperationen an. Denn frühe Schwangerschaften haben weitreichende  Folgen, wie Inper-Chefin Lira hervorhob: Viele junge Mütter strebten weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung an. Besonders fatal können die gesundheitlichen Folgen sein, wenn sich die jungen Schwangeren zur einer Abtreibung entschieden: Denn lediglich im Hauptstadtdistrikt sind Abtreibungen in Mexiko legal, so dass viele Mädchen nach wie vor bei illegalen Abtreibungen sterben oder schwere gesundheitliche Schäden davontragen.  (dmz/mik/hl)

{fshare}