Völkermord-Prozess gegen Guatemalas Ex-Diktator Ríos Montt begonnen

 

Guatemalas Ex-Diktator Ríos Montt während des ersten Prozesses gegen ihn im Jahr 2013 (Foto: Elena Hermosa / Trocaire)

Guatemala-Stadt, 5. Januar 2015 – Guatemalas früherer Machthaber Ríos Montt sitzt erneut wegen Völkermordes auf der Anklagebank. Seine Anwälte hatten bis zuletzt vergeblich versucht, die Teilnahme des 88-Jährigen am Gerichtsverfahren zu verhindern. Auch der ehemalige Geheimdienstchef ist erneut angeklagt.

Der frühere guatemaltekische Machthaber Efraín Ríos Montt muss sich erneut wegen Völkermordes verantworten. Der 88-Jährige wurde am Montag auf einer Krankenliege in das Gerichtszentrum von Guatemala-Stadt gebracht. Seine Anwälte hatten zuvor argumentiert, ihr Mandant könne aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem neu aufgerollten Verfahren teilnehmen. Die Vorsitzende Richterin ordnete jedoch die Vorführung des Angeklagten an.

Ríos Montt war im Mai 2013 wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu achtzig Jahren Haft verurteilt worden. Er soll während seiner Herrschaft für Mord, Folter und die Zwangsumsiedlung Tausender Indios verantwortlich gewesen sein. Menschenrechtsaktivisten und Juristen werteten das Urteil damals als historisch: Nie zuvor war ein de facto Staatschef von einem einheimischen Gericht wegen Völkermordes verurteilt worden. Aufgrund von Verfahrensfehlern wurde der Schuldspruch wenige Tage später allerdings wieder aufgehoben.

Ríos Montt steht derzeit unter Hausarrest. Guatemalas Präsident Otto Pérez Molina hatte sich jüngst noch für eine Amnestie in dem Fall ausgesprochen. In dem neuen Prozess muss sich auch der ehemalige Geheimdienstchef José Mauricio Rodríguez Sánchez erneut verantworten. Er war in dem ersten Verfahren überraschend freigesprochen worden, weil ihm keine direkte Beteiligung an den Verbrechen nachgewiesen werden konnte.

Etwa die Hälfte der Bürgerkriegsopfer unter Ríos Montts Herrschaft

Vergangenen Dienstag hatte Guatemala dem Ende des Bürgerkriegs vor 18 Jahren gedacht. Dieser wurde zwischen vier linken Guerillaorganisationen (Zusammenschluss als Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca) und der guatemaltekischen Regierung von 1960 bis 1996 ausgetragen. Dabei kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben. Laut der von der UNO eingerichteten Comisión para el Esclarecimiento Histórico (CEH) waren 83 Prozent der Opfer Indigene, davon die meisten Maya. Über 90 Prozent der Gräueltaten wurden demnach von der Armee begangen.

Ríos Montt putschte sich im März 1982 an die Macht. Unter seiner Herrschaft bis August 1983 wurden viele Tausend Menschen, darunter zahlreiche Ixil, ermordet. Etwa die Hälfte der von Militärs und Paramilitärs verübten Massaker während des Bürgerkriegs fiel in seine Herrschaftszeit, wie aus dem CEH-Bericht hervorgeht. (dmz/ds mit Material von dpa; Foto: Elena Hermosa / Trocaire))