Schlechte Noten für Bildung

Ergebnisse für Mexiko ,,dramatisch“  – 7,4 Millionen junge Mexikaner ohne jede Art von Beschäftigung – Appell an die Regierung zum Handeln

Mexiko-Stadt/ Paris, 25. Juni – Mexiko belegt bei den Schulabbrechern im Alter von 15 bis 18 Jahren den ersten Platz. Bei der Aussicht einen Universitätsabschluss zu bekommen ist Mexiko hingegen das Schlusslicht. Zu diesen Ergebnissen kommt die OECD-Studie ,,Bildung auf einen Blick 2013″, die jetzt in Paris vorgestellt wurde. Untersucht wurden die Ausbildungs- und Arbeitssituation Jugendlicher und junger Erwachsener in den 34 OECD-Mitgliedsstaaten sowie zehn weiteren Ländern, die nicht der Organisation angehören. Die Ergebnisse für Mexiko seien ,,dramatisch“, sagte die OECD-Kabinettsdirektorin Gabriela Ramos bei der Vorstellung der Studie in Paris.

Mexiko habe nicht nur die Spitzenposition bei den Schulabbrechern, sondern belege auch den dritten Rang bei den im Spanischen so genannten Ninis. Damit sind Jugendliche und junge Erwachsene gemeint, die weder arbeiten noch zur Schule gehen oder studieren (,,ni trabajar, ni estudiar“). Insgesamt seien fast 7,4 Millionen junge Mexikaner bis 29 Jahren ohne jede Art von Beschäftigung. Es fehlten die ,,strukturellen Voraussetzungen“ und eine Politik, die diese Probleme angehe, resümiert die OECD in ihrer Studie.

Es gebe immer weniger Studierende in Mexiko, dafür mehr junge Beschäftigte im Niedriglohnsektor beziehungsweise im informellen Arbeitsmarkt. ,,Mexiko ist eins der wenigen Länder, das zulässt, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt besser über eine geringe Qualifizierung läuft“, stellt die OECD-Direktorin Gabriela Ramos fest. Erschreckend sei, dass die Arbeitslosigkeit unter Hochqualifizierten höher als bei Geringqualifizierten sei. Das Nationale Statistik- und Geographie-Institut (Inegi) geht davon aus, dass fast 71 Prozent der Arbeitslosen in Mexiko eine höhere Schulbildung hat.

,,Kein anderes Land hat einen solch brutalen Fall erlebt wie Mexiko“, so Ramos weiter. Fast 40 Prozent brächen die Schule vorzeitig ab. Lediglich 16 Prozent der jungen Mexikaner zwischen 20 und 29 Jahren würden eine Hochschule besuchen. Andere lateinamerikanische Länder stünden besser da: In Chile seien es 27, in Argentinien 28 und in Brasilien immerhin noch 21 Prozent, die eine Universität besuchten. Spitzenreiter ist Finnland mit 42 Prozent.

Auch ein weiterer Trend im Land sei beunruhigend: So steige die Zahl der ,,Ninis“ seit Jahren an. Inzwischen gingen 24,7 Prozent der 15- bis 29jähigen Mexikaner keiner geregelten Arbeit oder Ausbildung nach. 37,8 Prozent der ,,Ninis“ seien Frauen. Ramos sieht in ihnen einen ,,gesellschaftlichen Risikofaktor“, da fast ein Viertel der jungen Leute in Mexiko ihr Leben ohne Perspektive oder Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verbringe. Lediglich in Israel und in der Türkei lägen die Zahlen noch höher.

Ebenfalls den dritten Rang belegt Mexiko bei der Dauer des Schulbesuchs: Durchschnittlich 5,1 Jahre geht ein mexikanisches Kind zur Schule. Nur in der Türkei und in Brasilien sei die Zeit noch kürzer. Auf Platz Eins kommt Mexiko allerdings bei der Klassenstärke: Innerhalb der OECD-Mitgliedstaaten hat keine Lehrkraft so viele Schüler in einer Klasse wie ein Lehrer in Mexiko.

Ramos appellierte an die mexikanische Regierung, diese Zahlen ernst zu nehmen und zu handeln. Einen wesentlichen Schritt sehe die OECD-Kabinettsdirektorin in einer Finanzreform, die die Steuereinnahmen des Staates verbessern sollte. Denn auch hier gehört Mexiko zu den Schlusslichtern. Während das Steueraufkommen in den anderen OECD-Mitgliedsstaaten bei durchschnittlich 34 Prozent liege, seien es in Mexiko lediglich 18 Prozent. Wenn die Steuereinnahmen durch die Erdölvorkommen wegbrechen würden, ,,läge der Satz nur noch bei 11 Prozent. Und das in einem Land, das dringend Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und weitere soziale Absicherungen braucht“, fasst Ramos die Situation in Mexiko zusammen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht jährlich rund 300 Berichte zu Strukturdaten aus ihren Arbeitsbereichen, die alle Formen staatlichen Handelns umfassen. Die Studie ,,Bildung auf einen Blick“ wird einmal im Jahr vorgestellt. Überaus bekannt aus dem Arbeitsbereich Bildung wurde die PISA-Studie, die nach bestimmten Kriterien die Leistungen 15-jähriger erfasst. Mexiko ist seit 1994 OECD-Mitglied. (dmz/mik/hl)

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