Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Leichenfund in verlassenem Krematorium

 

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Betreiber des ehemaligen “Krematorium des Pazifik” (almomento.mx)

Acapulco, 9. Februar 2015 – Seit letztem Sommer soll das „Krematorium des Pazifiks“ in Acapulco bereits außer Betrieb gewesen sein. Trotzdem wurden offenbar weitere Leichname entgegengenommen. Seit Monaten verwesten sie dort unter Kalk. Die Betreiber kassierten – und die Angehörigen bekamen eine Urne mit Sand oder irgendeiner Asche.

Die Staatsanwaltschaft von Guerrero hat wegen des Leichenfunds in einem stillgelegten Krematorium in Acapulco gegen die ehemaligen Betreiber Ermittlungen aufgenommen. Gegen die Eigentümer werde wegen Störung der Totenruhe und wegen Verstößen gegen das Bestattungsrecht sowie gegen Gesundheitsvorschriften ermittelt, sagte der Generalstaatsanwalt von Guerrero, Miguel Ángel Godínez Muñoz. Es könne außerdem ein Betrug an den Angehörigen der Toten begangen worden sein, falls diese für nicht stattgefundene Einäscherungen bezahlt hätten.

Der Gouverneur von Guerrero, Rogelio Ortega Martínez, erklärte, die Angehörigen seien betrogen worden und hätten anstatt der Überreste der Verstorbenen Sand oder Asche unbekannten Ursprungs erhalten. Nach Medienberichte zahlten die Angehörigen je 12.000 Pesos (etwa 700 Euro) für die Einäscherung eines Toten.

Nachbarn hatten sich über beißenden Gestank beschwert

Nachbarn hatten sich über beißenden Gestank in dem östlichen Vorort Llano Largo bei Acapulco beschwert. Soldaten und Polizisten entdeckten daraufhin die Toten, wie die Zeitung „El Sur de Acapulco“ berichtete. Unter ihnen waren demnach auch Kinder und vier Frauen. Die Sicherheitskräfte fanden zudem Leichenteile wie Arme und Beine. Alle Leichen seien mit Kalk bedeckt gewesen. Während manche bereits stark verwest gewesen seien, befanden sich andere in einem mumifizierten Zustand. Teilweise hatten die Körper noch Kleidung am Leib. Die meisten der Leichen seien jedoch nackt und in Leinentücher eingewickelt gewesen, wie „El Sur de Acapulco“ weiter schreibt.

Das „Krematorium des Pazifiks“ soll seit Juni 2014 außer Betrieb gewesen sein. Nach Angaben des Anbieters Teléfonos de México wurde der Telefonanschluss sogar bereits im Jahr 2009 abgemeldet.  Doch auch mehrere Monate nach der Schließung hätten Nachbarn weiterhin die Ankunft von Leichenwagen beobachtet, berichtete die Zeitung „Milenio“.

Die Staatsanwaltschaft verlangt von den Bestattungsunternehmen der Region jetzt Unterlagen zu allen Leichen, die seit 2013 in das Krematorium geschickt wurden. Eine Verbindung der Todesfälle zum organisierten Verbrechen sei bislang nicht festgestellt worden, sagte der Staatsanwalt. Allerdings ist Guerrero auch einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos. Mehrere kriminelle Organisationen ringen dort um die Vorherrschaft. Der Badeort Acapulco gilt mit 104 Morden je 100.000 Einwohnern als die drittgefährlichste Stadt der Welt. Die Region rückte zuletzt vor allem wegen des Massakers an den 43 verschleppten Studenten in Iguala international in den Fokus. (dmz/ds mit Material von dpa)