Gewalt in Guerrero reißt nicht ab: 16 Tote bei Schießereien

 

Zehn Menschen wurden in einer Hahnenkampfarena im Städtchen Cuajinicuilapa getötet (Foto: El Siglo de Torreón / Twitter)

Chilpancingo, 10.November 2015 – Der südmexikanische Bundesstaat Guerrero kommt aus den Negativschlagzeilen nicht raus: Bei zwei Schießereien sind 16 Menscchen getötet worden, darunter auch Kinder. Von den Tätern fehlt jede Spur. Hintergrund: Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Drogenbanden.

Bei einer Schießerei in der Ortschaft Chilapa starben sechs Menschen. Unter den Opfern seien mehrere Verwandte des ehemaligen Sicherheitschefs der Region, sagte der örtliche Staatsanwalt Miguel Ángel Godínez am Dienstag im Fernsehsender Milenio. Demnach kamen bei dem Anschlag zwei Kinder im Alter von sieben und einem Jahr ums Leben. Erst vor einer Woche war der Sohn von Ex-Polizeichef Silvestre Carreto González getötet worden.

„Wir gehen davon aus, dass die Tat im Zusammenhang mit der Arbeit des ehemaligen Sicherheitschefs steht“, sagte Godínez. „Unserer Vermutung nach steckt das organisierte Verbrechen dahinter.“ Die Polizei sucht nun nach Carreto, um seine Aussage aufzunehmen. Der Aufenthaltsort des früheren Polizeichefs ist unbekannt. Am Tatort wurden ein Geländewagen und ein völlig ausgebranntes Auto sichergestellt.

Chilapa ist ein Brennpunkt der Gewalt. Vor den Regionalwahlen im Juni wurden dort mehrere Menschen verschleppt und der Bürgermeisterkandidat der Regierungspartei PRI erschossen. Die Gemeinde liegt in einem wichtigen Mohnanbaugebiet für die Opiumproduktion und ist zwischen den Banden „Guerreros Unidos“, „Los Rojos“ und „Los Ardillos“ heftig umkämpft.

Erst in der Nacht auf Montag waren bei einem Überfall auf eine improvisierte Hahnenkampfarena in der kleinen Stadt Cuajinicuilapa Guerrero zehn Menschen getötet worden. Aufgrund der Patronenhülsen aus Sturmgewehren, die am Tatort entdeckt worden sein sollen, schrieb Bürgermeister Constantino García Cisneros den Angriff einer kriminellen Organisation zu. Demnach schossen die schwarz gekleideten Männer mit Kalaschnikows, Sturmgewehren vom Typ AR-15 und 9-Millimeter-Pistolen.

Möglicherweise hätten es die Angreifer auf einen örtlichen Kartellchef abgesehen, sagte der Lokalpolitiker Jesús Marcial Liborio dem Nachrichtenportal Bajo Palabra. Dass dabei viele Unbeteiligte ums Leben kamen, störe die Täter nicht. „Es interessiert sie nicht, ob die Gesellschaft zu Schaden kommt.“

Er habe um zusätzliche Polizisten und Soldaten für seine Gemeinde gebeten, sagte Rathauschef García der Zeitung „El Universal“. Außerdem rief er die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Er fürchte vor allem Zwischenfälle bei der Beisetzung der Opfer.

„Das war eine barbarische Tat. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Verbrecher die Bevölkerung terrorisieren. So wollen wir in Cuajinicuilapa nicht leben“, sagte García. „Dieser Kampf um die Einflussgebiete muss beendet werden, denn er zieht die Bürger in Mitleidenschaft.“

„Alles weist auf einen direkten Angriff hin. Sie waren hinter einer bestimmten Person her“, sagte Staatsanwalt Godínez. Zuvor hatten die Ermittler von zwölf Opfern gesprochen. Zwei auf einem Weg entdeckte Leichen stünden allerdings in keinem Zusammenhang mit der Attacke auf die Arena, erklärte Godínez im Radiosender Fórmula.

Das Städtchen liegt an der Costa Chica knapp 200 Kilometer südöstlich von Acapulco und ist landwirtschaftlich geprägt. Neben Fischerei gehören der Anbau von Mangos und Zitrusfrüchten sowie die Produktion von Palmöl zu den Haupteinnahmequellen. Die Bevölkerung ist überwiegend sehr arm, in fast jeder Familie gibt es mindestens ein Mitglied, das in die USA emigriert ist, um von dort aus die Familie zu ernähren.

In Cuajinicuilapa werden immer wieder grausam getötete Männer gefunden. Trotz naher Traumstrände und einer herrlichen Umgebung mit tropischer Vegetation ist das Gebiet touristisch nicht erschlossen. Der einst legendäre Badeort Acapulco ist heute eine der gefährlichsten Städte der Welt. (dmz/hl mit Material von dpa)