Gläubige pilgern zur Jungfrau von Guadalupe

20.000 Ordnungskräfte und hunderte Sanitäter waren im Einsatz

Mexiko-Stadt, 12. Dezember –  6,8 Millionen Katholiken sind an diesem Mittwoch und Donnerstag zur Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko-Stadt gepilgert, 800.000 mehr als erwartet. Sie strömten aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt, sogar aus den USA, um am 482. Jahrestag der Erscheinung der dunkelhäutigen Jungfrau auf dem Hügel des Tepeyac dem Marienbild zu huldigen, Fürbitte zu leisten oder Dank zu sagen. Wie es die Tradition verlangt, rutschten unzählige Gläubige zum Dank für eine Wohltat hunderte Meter auf Knien bis zum Marienbild.

„Unser Mexiko wird vom Bösen heimgesucht: Organisiertes Verbrechen, Ungerechtigkeit und Korruption, die zum Himmel schreit, Tausende Familien, die zu Hunger und Armut verdammt sind und infame Entführungen“, sagte Generalvikar Enrique Glennie Graue bei der Mitternachtsmesse, die nach drauÄŸen übertragen wurde. Dass in diesem Jahr so viele Menschen mehr kamen, dürfte auch an der durch die Gewalt geprägte Situation in mehreren Bundesstaaten liegen. 

Der 11. und 12. Dezember waren eine besondere Herausforderung für die Ordnungskräfte, die angesichts der Menschenmassen und den anhaltenden Demonstrationen versuchten, dem Chaos Herr zu werden. Die Stadtverwaltung hatte 20.000 Ordnungskräfte bereitgestellt, um die Pilger sicher durch die Stadt marschieren zu lassen und den Verkehr zu ordnen. 2.000 Streifenwagen waren zusätzlich im Einsatz. Wie die Chefin des Bezirks Gustavo A. Madero, in dem die Basilika liegt, erklärte, wurden 4.781 Pilger medizinisch behandelt – u. a. wegen Flüssigkeitsmangel. Tausende Liter Wasser wurden verteilt, um Schwäche- und Ohnmachtsanfällen vorzubeugen.  906 Tonnen Müll hinterlieÄŸen die Pilger, die nun von der städtischen Müllabfuhr in Extraschichten entsorgt werden müssen.

Der 12. Dezember ist zwar kein offizieller Feiertag, gilt aber als der wichtigste im Jahreskalender der Mexikaner. Selbst die Banken haben an diesem Tag geschlossen. Gefeiert wird die Jungfrau von Guadalupe im ganzen Land. In allen Kirchen und überall, wo eine Marienstaue oder ein Marienbild an einer StraÄŸe steht oder hängt, kommen die Mexikaner zusammen, um ihre Nationalheilige zu feiern. Um Mitternacht werden ihr Ständchen gebracht und das traditionelle Geburtstagslied „Las Maıanitas“ gesungen. Die Patinnen („Madrinas“) des jeweiligen Bildnisses sorgen für Essen und Trinken für die Gäste aus der Nachbarschaft, meistens Atole und Tamales sowie Hühnersuppe. Überall werden fast pausenlos Raketen in den Himmel geschossen, die mit einem Höllenknall explodieren.

Die Wallfahrt zur Basilika der Jungfrau von Guadalupe gilt als gröÄŸte weltweit. Die Basilika am FuÄŸe des Hügels Tepeyac im Norden von Mexiko-Stadt ist das wichtigste Heiligtum Mexikos. Hier soll die Gottesmutter Maria am 9. Dezember 1531 dem Indiojungen Juan Diego erschienen sein; er musste drei Mal hintereinander zum damaligen Bischofssitz, bis er endlich beim Bischof vorgelassen und dem Jungen geglaubt wurde. Juan Diego wurde 1990 von Papst Johannes Paul II. selig- und dann 2002 heiliggesprochen.

An der Stelle der Erscheinung wurde zuerst eine Kapelle, dann eine Kirche errichtet. Diese wurde schlieÄŸlich für den Jahr für Jahr wachsenden Ansturm an Pilgern zu klein, auÄŸerdem sackte das schwere, in der Kolonialzeit errichtete Gebäude nach und nach in den weichen Untergrund und musste deshalb für die Wallfahrt gesperrt werden. Die neue Basilica de Guadalupe wurde von dem mexikanischen Stararchitekten Pedro RamÄ­rez VÄ¡zquez entworfen, 1974 geweiht und 1975 geöffnet. Mit 10.000 Sitzplätzen und Raum für insgesamt 40.000 Besucher gilt sie als eines der gröÄŸten Kirchengebäude weltweit. (dmz/hl)




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