Guatemala gedenkt dem Ende des Bürgerkriegs

 

Die Gedenkfeier zum 18-jährigen Ende des Bürgerkriegs im Nationalpalast (Foto: www.guatemala.gob.gt)

Guatemala-Stadt, 30. Dezember 2014 – Vor 18 Jahren endete der jahrzehntelange Bürgerkrieg in Guatemala, bei dem mindestens 200.000 Menschen ums Leben kamen. Im Nationalpalast hat Präsident Pérez Molina dem Friedensschluss gedacht. Zugleich mahnte er, dass das Ziel eines sicheren und gerechten Landes noch nicht erreicht sei.

Kurz vor Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ex-Diktator Efraín Ríos Montt hat Guatemala den Friedensschluss vor 18 Jahren gefeiert. Das mittelamerikanische Land habe immer noch mit vielen Problemen wie sozialer Ungleichheit zu kämpfen, sagte Präsident Otto Pérez Molina, der als Militäroffizier selbst im Bürgerkrieg gekämpft hatte. „Wir werden weiter für Sicherheit sowie Gerechtigkeit arbeiten und die Entwicklung Guatemalas vorantreiben.“

Die Gedenkfeier fand im Nationalpalast in Guatemala-Stadt statt, wo am 29. Dezember 1996 ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Guerillagruppen geschlossen wurde.

Der Bürgerkrieg in Guatemala wurde zwischen vier linken Guerillaorganisationen (Zusammenschluss als Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca) und der guatemaltekischen Regierung von 1960 bis 1996 ausgetragen. Dabei kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben. Laut der von der UNO eingerichteten Comisión para el Esclarecimiento Histórico (CEH) waren 83 Prozent der Opfer Indigene, davon die meisten Maya. Über 90 Prozent der Gräueltaten wurden demnach von der Armee begangen.

Etwa die Hälfte der Bürgerkriegsopfer unter Ríos Montts Herrschaft

Ríos Montt putschte sich 1982 an die Macht. Unter seiner Herrschaft wurden viele Tausend Menschen, darunter zahlreiche Ixil, ermordet. Etwa die Hälfte der von Militärs und Paramilitärs verübten Massaker während des Bürgerkriegs fiel in seine Herrschaftszeit, wie aus dem CEH-Bericht hervorgeht.

Im Mai 2013 wurde er wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gilt damit als der erste Politiker, der wegen eines Völkermords im eigenen Land von einem einheimischen Gericht verurteilt wurde. Das Urteil wurde jedoch noch im selben Monat vom Verfassungsgericht Guatemalas wegen juristischer Verfahrensfehler aufgehoben und eine neue mündliche Verhandlung angeordnet.

Am 5. Januar 2015 soll der Prozess gegen den mittlerweile 88-Jährigen neu aufgerollt werden. Präsident Pérez Molina sprach sich jüngst für eine Amnestie in dem Fall aus. (dmz/ds mit Material von dpa; Foto: www.guatemala.gob.gt)