Guatemala: Völkermord-Prozess wird neu aufgerollt

 

Der greise Ex-Machthaber von Guatemala mus sich erneut wegen Völkermords vor Gericht verantworten (Foto: lanoticiaenguatemala.com)

Guatemala-Stadt, 23. Juli 2015 – Guatemalas Ex-Diktator Efraín Ríos Montt war zuletzt für prozessunfähig erklärt worden. Jetzt wird das Verfahren doch neu aufgerollt. Der 89-Jährige soll sich von zu Hause aus zu den Vorwürfen äußern. Auch der frühere Geheimdienstchef steht erneut vor Gericht.

Der frühere guatemaltekische Machthaber Efraín Ríos Montt muss sich erneut wegen Völkermordes vor Gericht verantworten. Zuletzt stand der Prozess auf der Kippe, weil das staatliche Forensik-Institut den 89-Jährigen für dement und prozessunfähig erklärt hatte. Der Ex-Diktator werde nun in seinem Haus per Videokonferenz befragt, teilte die Gerichtspräsidentin am Donnerstag mit. Bei seiner Vernehmung seien seine Anwälte und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft zugegen.

Ríos Montt war 2013 wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll während seiner Herrschaft für Mord, Folter und die Zwangsumsiedlung Tausender Indios verantwortlich gewesen sein. Aufgrund von Verfahrensfehlern wurde der Schuldspruch wenige Tage später jedoch wieder aufgehoben. Nun wird der Prozess neu aufgerollt.

Mit Ríos Montt ist auch sein damaliger Geheimdienstchef José Rodríguez angeklagt. Der Ex-General war im ersten Verfahren freigesprochen worden. Rodríguez erschien am Donnerstag in einem Rollstuhl im Gerichtsgebäude.

Ríos Montt regierte in Guatemala nur von März 1982 bis August 1983, aber seine Herrschaft gilt als die blutigste Zeit in der Geschichte des Landes. Die Bewertung seiner Amtszeit spaltet Guatemala noch immer. Am Donnerstag bauten Indios vor dem Gerichtsgebäude Maya-Altäre mit Kerzen und Blumen auf, um der Opfer zu gedenken. Vor dem Haus von Ríos Montt hingegen versammelten sich Anhänger mit Transparenten, auf denen zu lesen war: “Danke General für den Frieden in Guatemala.” (dmz/dpa/hl)