Guerillera und Geheimagentin: Sexy Bilder für Frieden in Kolumbien

 

Einst erbitterte Feinde, jetzt Versöhnung auf eine etwas andere Art  Isabel Londoño (lks.) und Ana Pacheco (Foto: watson / Twitter)

Von Denis Düttmann

Bogotá, 13. November 2015 – Einst waren sie erbitterte Feindinnen, jetzt werben sie mit sexy Fotos für die Versöhnung: Zur Feier des Friedensprozesses in Kolumbien zeigt die Männerzeitschrift „Soho“ in ihrer kommenden Ausgabe eine ehemalige Kämpferin der linken Guerillaorganisation Farc und eine frühere Agentin des Geheimdienstes DAS gemeinsam auf dem Titel.

Ana Pacheco und Isabel Londoño sind unter der Überschrift „Der Frieden laut Soho“ in inniger Umarmung und halbnackt auf dem Cover zu sehen. Die Pose soll an das berühmte Bild von John Lennon und Yoko Ono auf dem Titel der Zeitschrift „Rolling Stone“ aus dem Jahr 1981 erinnern. In den sozialen Netzwerken rief das Foto unterschiedliche Reaktionen hervor. Während einige „Soho“ für die ungewöhnliche Idee lobten, bezeichneten andere das Bild als schlechten Scherz.

„Sie stand auf der einen Seite und ich auf der anderen. Wenn wir aber den ersten Schritt gehen und uns umarmen – warum sollten wir uns dann nicht vergeben können?“, sagte die frühere Farc-Rebellin Pacheco in der Nacht auf Donnerstag dem Radiosender Blu. Mit dem Fotoshooting wolle sie eine Botschaft des Friedens und der Versöhnung senden.

„Das Verhältnis der beiden war bestens: Sie haben geredet, gelacht, es war sehr schön“, sagte die Fotoredakteurin Alejandra Quintero der Zeitschrift „Semana“. „Das war ein großer Erfolg für uns: Dass zwei Frauen wie diese sich umarmen und diese Erfahrung teilen können.“

Bis das Shooting zustande kam, war es ein langer Weg. Eine Fotografin von „Soho“ versuchte eineinhalb Jahre lang, Isabel Londoño für das Projekt zu gewinnen, bis die ehemalige DAS-Agentin schließlich einwilligte. Bei Pacheco war er vor allem ihr Mann, der anfangs gegen die Fotoaufnahmen war.

Die Bilder sind eine Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen in Kolumbien: Die Regierung und die Farc verhandeln seit drei Jahren über ein Ende des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts. Nach dem historischen Handschlag zwischen Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Kommendeur „Timochenko“ in Havanna soll nun bis spätestens März kommenden Jahres ein Friedensvertrag unterzeichnet werden.

In dem Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs waren in dem südamerikanischen Land mehr als 220 000 Menschen getötet und Millionen Kolumbianer vertrieben worden.

Pacheco schloss sich bereits mit 14 Jahren den Farc-Rebellen an. „Niemand musste mich überzeugen. Schon als ich klein war, habe ich die Guerilla-Kämpfer immer von meinen Haus aus gesehen. Das hat mir gefallen“, sagte sie in einem Interview des Senders W Radio. Vor allem die Waffen und Uniformen hätten sie fasziniert.

Mit ihrem alten Leben hat die frühere Guerillera abgeschlossen. „Ich bin glücklich und dankbar für das Leben. Ich arbeite, habe zwei tolle Töchter und einen Ehemann“, sagte sie in Radio W. „Das Leben hat mir viel beigebracht und mir Werte vermittelt.“ (dmz/dpa/hl)