Guerrero: Bürgerwehr rückt mit über 100 bewaffneten Männern in Chilpancingo ein

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Bürgerwehren in Chilpancingo Kontrollstellen errichten wie hier Anfang 2015 (Foto: almomento.mx)

Chilpancingo, 16. Ojtober 2015 – Immer wieder rückt Chilpancingo wegen Gewalt in die Schlagzeilen. Jetzt sind mehr als 100 bewaffnete Männer in die Hauptstadt von Guerrero eingerückt und haben einen Kontrollposten errichtet. „Wir haben den Glauben an unsere Sicherheitskräfte verloren“, sagte der Sprecher der Bürgerwehr, Nicolás Chávez Adame, am Donnerstag.

Die Polizei in Chilpancingo wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Im Kampf gegen die Drogenkartelle haben sich in den vergangenen Jahren im zentralen Südwesten von Mexiko immer wieder bewaffnete Selbstverteidigungsgruppen gebildet, von denen einige aber selbst Kontakte zum organisierten Verbrechen unterhalten sollen.

Im Nachbarstaat Michoacán hatten sich Bürgerwehren in den vergangenen Jahren immer wieder Kämpfe mit dem Verbrechersyndikat Caballeros Templarios (Tempelritter) geliefert. Die Regierung schickte 2013 Tausende Soldaten und Polizisten in die Region, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Inzwischen sind die Bürgerwehren weitgehend aufgelöst und in eine eigens geschaffene Polizeieinheit integriert worden. Dennoch gibt es vereinzelt blutige Scharmützel zwischen verfeindeten ehemaligen Bürgermilizen.

In Tierra Caliente, wie das Gebiet im Hochland von Guerrero im Grenzgebiet zu Michoacán heißt, werden Marihuana und Schlafmohn zur Opiumproduktion angebaut. In der Nähe von Chilpancingo liegt zudem die Landuniversität Ayotzinapa. 43 Studenten des Lehrerseminars der Uni wurden vor einem Jahr von Polizisten verschleppt und vermutlich von Mitgliedern der Drogenbande Guerreros Unidos getötet. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und rief internationale Menschenrechtsgruppen auf den Plan, die die Menschenrechtslage in Mexiko scharf kritisieren.

Besonders dramatisch scheint die Situation derzeit in der Bergregion Filo Mayor, wo am Mittwoch eine Gruppe schwer bewaffneter Männer ein Dorf attackiert hat, berichtete die Nachrichtenagentur Quadratín am Freitag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Zwar habe es weder Tote noch Verletzte gegeben, aber Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern hätten danach aus Angst vor den Bewaffneten dieses und andere Dörfer verlassen. Die Bewaffneten flüchteten vor dem anrückenden Militär in die unzugänglichen Berge, wo sie sich versteckt halten.

Guerrero gehört zu den ärmsten Bundesstaaten Mexikos, obwohl hier touristische Magnete wie die Silbverstadt Taxco und die Pazifikbadeorte Acapulco und Iztapa-Zihuatanejo liegen. Auch die fruchtbare Küstenregion mit ihren ausgedehnten Mango- und Kokosplantagen bietet nicht genug Arbeit für die Bevölkerung, die vor der Armut flieht und illegal in die USA emigriert. (dmz/hl mit Material von dpa)




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