Klangkunst-Ausstellung „Entre límites“: Musiknoten in der dritten Dimension

 

Ausschnitt aus einer Installation von Stefan Roigk in Berlin (Foto: Stefan Roigk)

Morelia, 13. April 2015 – Wenn Künstler ihr eigenes Werk als Zumutung von Gewalt verstehen, darf sich das Publikum auf einiges gefasst machen. Warum sich ein Besuch der Klangkunstausstellung „entre límites / zwischen grenzen – Stefan Roigk und Mario de Vega“ in Morelia dennoch lohnt, lesen Sie hier.

Die Installation “Entfaltungen / Desenvolvimiento“ des Berliner Künstlers Stefan Roigk ist ein Versuch, das Konzept der grafischen Notation in die dritte Dimension zu übertragen, erklärt dazu das Goethe-Institut als Mitveranstalter der Ausstellung. Ein komplexes Arrangement aus Objekten dringt dabei mit dynamischen Strukturen in den Raum hinein und bildet den optischen Teil einer intermedialen Komposition. Mit Abformungen von Plastewasserbehältern, Trichtern, Pappmaché und Betonobjekten nutzt Roigk im mexikanischen Alltag häufig verwendete Materialien. Die im Raum installierten statisch erscheinenden Artefakte werden durch abstrakte und konkrete Geräusche im Klanglichen erweitert.

Mario de Vega hat ein akustisches Katastrophenschutz-Gerät im Ausstellungsraum installiert, das einmal pro Ausstellungstag durch einen nichtsteuerbaren Algorithmus ausgelöst wird. Durch die akustische Intensität des Signals sind Besucher und Wachkräfte verpflichtet, während der Ausstellung einen Gehörschutz zu tragen. De Vega stellt mit dieser Arbeit Fragen nach dem Wert von Simulation, Wahrheit, Angst und dem Verständnis von Klang als Zumutung von Gewalt.

Mit „entre límites“ starteten das Goethe-Institut Mexiko und singuhr – projekte Berlin im März ein langfristig angelegtes Residenz- und Ausstellungsprojekt für Klangkünstler aus Deutschland und Mexiko. Dafür sollen jährlich deutsche Klangkünstler nach Mexiko und mexikanische Künstler nach Deutschland reisen, um im Rahmen einer projektbezogenen Residenz neue Klanginstallationen zu entwickeln, die anschließend ausgestellt werden. „Entre límites“ ist Teil des Kulturjahres Deutschland – Mexiko 2016/2017 und eine Aktivität im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin – Mexiko-Stadt.

Stefan Roigk (* 1974) studierte Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Klangkunst in Hannover. Er arbeitet im Grenzbereich von abstrakter Klangcollage, Skulptur, Installation, Performance und grafischer Partitur. Sein künstlerischer Fokus liegt auf einer dynamischen und intermedialen Inszenierung von Alltagsfragmenten. Der synästhetische Ansatz seiner Werke liegt in der Ausweitung und Transformation der klanglichen Parameter und Bearbeitungstechniken auf andere künstlerische Ausdrucksformen. Stefan Roigk lebt und arbeitet in Berlin.

Installation von Mario de la Vega (Foto: Mario de la Vega)

Mario de Vega, geboren in Mexiko-Stadt, ist als Klangkünstler bekannt für seine ortsspezifischen Interventionen, Skulpturen und Klangimprovisationen. Nach Studien in Linguistik, Bühnenbild und Theatersound in Mexiko sowie am „Sound Studies“ Master-Studiengang der Universität der Künste Berlin arbeitet de Vega seit 1999 in den Bereichen Klang und konzeptuelle bildende Kunst. In seinen künstlerischen Arbeiten experimentiert er unter anderem mit psychoakustischen Mitteln an den Grenzen der akustischen Wahrnehmung. Im Zusammenhang mit Klang erkundet er in seiner künstlerischen Praxis den Wert der Zerbrechlichkeit und Unbestimmtheit, aber auch die Wahrnehmungskapazitäten beziehungsweise Grenzen der klanglichen Wahrnehmung der Menschen. Mario de Vega lebt und arbeitet in Berlin und Mexiko-Stadt. (dmz/hl/ds)

Veranstaltungsinformation

Was? Klangkunstaustellung „entre límites / zwischen grenzen – Stefan Roigk und Mario de Vega“

Wo? Museo de Arte Contemporáneo in der Altstadt von Morelia, Acueducto 18, Centro Histórico, 58000 Morelia, Mich.

Wann? Bis zum 31. Mai 2015; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag zwischen 10 Uhr und 20 Uhr, Samstag und Sonntag zwischen 10 Uhr und 18 Uhr. Eintritt frei.