Kolumbien: Todesstoß für EPL? Militär tötet Drogenbos „Megateo“

 

Präsident Juan Manuel Santos: “Megateo gefallen. Großer Schlag, Glückwunsch (Foto: Präsidialamt Kolumbien)

Bogotá, 2. Oktober 2015 – Nahender Frieden mit der Farc – und nun womöglich der militärische Todesstoß für die kleine Guerillagruppe EPL in Kolumbien. Der seit langem gesuchte Boss der kolumbianischen Guerillagruppe Ejército Popular de Liberación (EPL) ist am Freitag bei einer Operation von Polizei und Militär getötet worden. Der Guerillakampf mit zigtausenden Toten könnte bald beendet sein.

“Megateo gefallen. Großer Schlag, Glückwunsch”, teilte Präsident Juan Manuel Santos bei Twitter mit, nachdem der tief in den Drogenhandel verwickelte Víctor Navarro alias “Megateo” im Nordosten an der Grenze zu Venezuela bei einer von Bombardements begleiteten Operation von Polizei und Militär getötet worden ist.

Zahnproben hätten die Identität bestätigt. Das sei der größte Schlag gegen den Drogenhandel seit Jahren und für die Streitkräfte der größte Erfolg seit dem Tod des damaligen Chefs der Farc-Rebellen, Alfonso Cano, im November 2011, bilanzierte die Zeitung “El Tiempo”. Die bereits Ende der 60er Jahre gegründete EPL hatte zuletzt nur noch wenige Kämpfer und konzentrierte sich auf kriminelle Geschäfte.

Bei den Farc übernahm nach Canos Tod der heutige Anführer Rodrigo Londoño, alias “Timochenko” das Kommando. Mit den Farc, der größten und ältesten Rebellengruppe Kolumbiens, plant Santos einen Friedensvertrag bis März 2016. Gelingt dies auch mit der zweiten, noch nennenswert aktiven Gruppe, den ELN, könnte der über 50 Jahre andauernde Konflikt in Kolumbien dauerhaft befriedet werden.

Im Rahmen einer Sonderjustiz soll es für geständige Farc-Kämpfer auch für schwere Verbrechen eine Höchststrafe von maximal acht Jahren Haft geben. Der Guerilla in Kolumbien werden vielerorts Verstrickungen in den Drogenhandel vorgeworfen, der einstige ideologische Kampf etwa für marxistisch-leninistische Ziele spielt kaum noch eine Rolle.

Kolumbiens Farc-Rebellen geben Militärtraining auf

Nach dem Durchbruch bei den Friedensverhandlungen mit der kolumbianischen Regierung wollen die linken Farc-Rebellen in Zukunft auf ihre militärische Ausbildung verzichten. Er habe dem Farc-Apparat den entsprechenden Befehl gegeben, schrieb der Farc-Anführer Rodrigo Londoño alias “Timochenko” am Donnerstag in dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Demnach sollen sich die Rebellenstrukturen nun der politischen und kulturellen Arbeit widmen. Die Nachricht richtete Londoño direkt an Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos. Ab Freitag kehren beide Seiten an den Verhandlungstisch in Havanna zurück.

Erst vor acht Tagen war es in der kubanischen Hauptstadt zu einem historischen Handschlag zwischen “Timochenko” und Santos gekommen. Sie verkündeten dort eine wichtige Einigung zur Schaffung eines eigenen Justizwesens für die Aufarbeitung des über 50-jährigen Konflikts in dem südamerikanischen Land.

Damit ist der Weg für eine endgültige Friedensvereinbarung weitgehend frei. Bis Mitte März soll nun ein Friedensvertrag ausgearbeitet werden. Beide Parteien verhandeln seit Ende 2012 in Havanna über die Beilegung des längsten Bürgerkriegs in Lateinamerika. Die einer linken Ideologie folgenden Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) sind die älteste Guerillaorganisation der Region.

Von Freitag an soll nun bis zum 8. Oktober über erste Einzelheiten des Friedensvertrags verhandelt werden. So soll es im Rahmen einer Sonderjustiz für geständige Militärs und Guerilleros maximal acht Jahre Gefängnis oder Arrest geben für schwere Verbrechen, die in dem Konflikt verübt worden sind. Bisherige Rebellen sollen die Möglichkeit zur legalen politischen Betätigung erhalten.

Papst Franziskus betonte nach seiner jüngsten Reise nach Kuba und in die USA: “Es fehlen kleine Sachen, aber der Wille ist da, von beiden Seiten. Wir brauchen jetzt das definitive Abkommen.” Er habe auch zweimal mit Staatschef Santos darüber gesprochen, sagte Franziskus: “Der Heilige Stuhl hat geholfen, wie er konnte.” (dmz/dpa/hl)