Kolumbiens höchster WM-Sieg – ohne Falcao

 

Von Jens Marx, dpa

Shakira jubelt, 60-Millionen-Mann Falcao freut sich. Und ganz Kolumbien ist happy. Mit dem höchsten Sieg in der WM-Geschichte hatte wohl keiner gerechnet. Den geschlagenen Griechen droht wieder mal das frühe Aus, außerdem gab’s eine Standpauke vom Trainer.

Belo Horizonte, 15. Juni 2014 – Da schwärmte sogar Superstar Shakira. „Spektakulär“, jubelte die Popsängerin via Twitter über Kolumbiens 3:0-Auftaktsieg gegen Griechenland. Ausgerechnet gegen die Zu-Null-Abwehrrecken und ohne ihren Top-Torjäger Radamel Falcao gelang den Südamerikanern gleich im ersten Spiel nach 16 Jahren Abstinenz ihr höchster Sieg in der WM-Geschichte. „Dieser Erfolg ist großartig für ganz Kolumbien, weil bei den Fans sehr viele Emotionen im Spiel sind“, betonte der für seine sonst zurückhaltende Art bekannte Trainer José Pekerman.

„48 Millionen mal Danke!“, schrieb „El Pais“ in seiner Online-Ausgabe in Namen der fußballverrückten Bevölkerung. Schon vor dem Anpfiff hatten gefühlte 57 000 kolumbianische Fans unter den offiziell 57 174 Besuchern das Estádio Mineirão in Gelb getaucht. In der Heimat jubelte einen Tag vor der Stichwahl um das Präsidentenamt Staatschef Juan Manuel Santos im Trikot der Nationalmannschaft.

Kolumbiens verletzter Star Falcao verfolgte die unterhaltsamen 90 Minuten im schicken Zwirn und mit cooler Sonnenbrille auf der Tribüne. „Es ist schade, dass wir Falcao nicht haben. Er fehlt uns natürlich“, räumte Pekerman ungeachtet des Starterfolges ein. Seelischer Beistand des verhinderten WM-Helden ist den Kolumbianern aber auch weiterhin gewiss: „Immer bei den Kollegen“, schrieb der 60-Millionen-Mann bei Twitter. 

Nachdem der Stürmer von seinem Kreuzbandriss im Januar nicht mehr rechtzeitig genesen war, sprangen andere in die Bresche. Den Anfang machte Außenverteidiger Pablo Armero in der sechsten Minute. Das Tor feierte das Team mit einer fast schon Shakira-reifen Tanzeinlange. Teofilo Gutierrez (58.) und der starke James Rodriguez (90.+3) legten nach.

„Nun müssen wir in die nächsten beiden Spiele mit der gleichen Verantwortung und dem gleichen Siegeswillen gehen“, betonte Rodriguez, Teamkollege von Falcao beim AS Monaco. Am Donnerstag wartet die Elfenbeinküste, die mit einem 2:1 gegen Japan ebenfalls erfolgreich startete. Weil sich sein Team auch einige Schwächephasen leistete, forderte Pekerman: „Wir müssen schnell lernen.“

Der hat gut reden, dürfte sich sein griechischer Kollege bei der Analyse gedacht haben. „Wir müssen nun darüber nachdenken, was wir getan haben und was nicht“, sagte Fernando Santos. Vor allem der späte Treffer zum 0:3 regte den portugiesischen Trainer der Griechen mächtig auf. „Einige der Spieler hatten vergessen, bei welchen Turnier sie sind“, grummelte er. „Es waren nicht alle, manche waren auch konzentriert. Andere haben gedacht, es ist vorbei.“

Und so kassierte der Ex-Europameister nach acht Spielen in der WM- Qualifikation ohne Gegentor diesmal gleich drei Treffer. Die beste eigene Chance vergab der einstige Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas aus knapp fünf Metern, als er den Ball statt ins leere Tor an die Latte köpfte (63.). Nach dem Vorrunden-Aus 1994 und 2010 droht den Hellenen bei ihrer dritten Teilnahme im Gegensatz zu den Kolumbianern ein unrühmlicher WM-Hattrick. (dpa/dmz/hl; Artikelbild: www.almomento.mx)

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