Kolumbiens Regierung ruft Farc-Rebellen zur Ächtung von Landminen auf

 

Farc-Unterhändler Iván Márquez (links) und Chefunterhändler der Regierung, Humberto de la Calle (rechts) nach der ersten Runde der Gespräche in Havanna (Foto: elnuevoherald.com)

Cartagena, 2. Februar 2015 – Seit heute sitzen Kolumbiens Regierung und Farc-Rebellen wieder an einem Tisch, um über ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts zu verhandeln. Zum Auftakt forderte der Chefunterhändler die Guerrilla auf, Landminen zu ächten. Menschenrechtler kritisieren seit langem den verheerenden Einsatz der Waffen.

Die kolumbianische Regierung hat die linksgerichtete Guerilla-Organisation Farc zur Ächtung von Landminen aufgerufen. „Wir müssen das Problem der Minen angehen. Das ist die Botschaft der kolumbianischen Gesellschaft“, sagte am Sonntag der Chefunterhändler bei den Friedensverhandlungen mit den Rebellen, Humberto de la Calle.

In den vergangenen 25 Jahren wurden nach Angaben des staatlichen Anti-Minen-Programms in Kolumbien über 11.000 Menschen Opfer von Landminen und Blindgängern. Die Sprengsätze wurden vor allem von den Farc gelegt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) macht seit langem auf diesen Missstand aufmerksam. „Indem die FARC Landminen einsetzt, lässt sie kolumbianische Zivilisten, die nichts mit dem Konflikt zu tun haben, verstümmelt, blind, taub oder tot zurück“, schrieb HRW-Regionalchef José Miguel Vivanco in einem 2007 veröffentlichten Bericht. Es gebe einfach „keine Entschuldigung für den Einsatz von Waffen, die willkürlich töten“.

Friedensgespräche in Havanna neu aufgenommen

Am Montag hatten die Regierung und Farc-Rebellen ihre Friedengespräche in Havanna neu aufgenommen. Die Verhandlungen über eine Beilegung des jahrzehntelangen Konflikts waren zum Jahresende ausgesetzt worden und sollen nun bis zum 12. Februar auf Kuba fortgesetzt werden. Die Rebellen hatten während der Verhandlungspause auch eine einseitige Waffenruhe verkündet.

Farc-Kommandeur Joaquín Gómez teilte mit, die Rebellen hofften nun auf eine baldige Einigung mit der Regierung in Bogotá. Als symbolischen Akt des Friedens pflanzten beide Verhandlungspartner einen Baum. Zugleich kritisierte Gómez eine Initiative des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, dass das Volk in einem Referendum über ein künftiges Abkommen abstimmen solle. Die Regierungsdelegation unter Leitung von Humberto de la Calle äußerte sich dazu nicht.

Mindestens 220.000 Menschen kamen im Bürgerkrieg ums Leben

Die Friedensgespräche in der kubanischen Hauptstadt waren im November 2012 aufgenommen worden, um den mehr als 50-jährigen Konflikt zwischen Kolumbiens Regierung und den linken Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, kurz Farc) beizulegen. Bislang haben sich beide Parteien auf drei der sechs Verhandlungskapitel verständigt. Entscheidende Themen wie die Entwaffnung der Rebellenmiliz sowie die Ratifizierung des künftigen Abkommens blieben jedoch noch offen.

Die Farc leistet seit 1964 Widerstand gegen Großgrundbesitzer und die kolumbianische Regierung. Sie ist in annähernd einem Drittel des Landes aktiv, hauptsächlich im Urwald im Süden und Osten. Derzeit kämpfen noch an die 9.000 Männer und Frauen für die Guerrillaorganisation. Laut Schätzungen liegen die Einnahmen der Farc bei 200 bis 300 Millionen US-Dollar – wovon mindestens die Hälfte aus Drogengeschäften stammt. Nach Angaben der Regierung wurden in dem längsten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas etwa 220.000 Menschen getötet, mindestens 5,3 Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht. (dmz/ds mit Material von dpa)