Kritischer Pressefotograf und vier Frauen in Mexiko-Stadt ermordet

 

Der ermordete Pressefotograf Rubén Espinosa arbeitete unter anderem für das Magazin „Proceso“ und die Fotoagentur Cuartooscuro (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 2. August 2015 – Für Journalisten ist Mexiko ein gefährliches Pflaster. Immer wieder werden Reporter verschleppt und getötet. Selbst die Hauptstadt bietet keine Sicherheit. Hier wurde ein Pressefotograf des regierungskritischen Magazins „Proceso“ ermordet. Er arbeitete im Bundesstaat Veracruz und war wegen Morddrohungen in die Hauptstadt geflüchtet.

Die Leichen von Rubén Espinosa und vier Frauen seien in einer Wohnung in der Colonina Narvarte, einem Mittelklasse-Viertel in Mexiko-Stadt entdeckt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Alle Opfer hätten Folterspuren und eine Schusswunde am Kopf aufgewiesen.

Der 31 Jahre alte Journalist berichtete für die regierungskritische Zeitschrift „Proceso“, die lokale Nachrichtenagentur AVC und die Fotoagentur Cuartoscuro vor allem über soziale Proteste. „Zum tausendsten Mal fordern wir ein Ende der Aggressionen gegen Journalisten“, schrieb AVC. „Nicht einer mehr!“

Die Frauen waren 40, 32, 29 und 18 Jahre alt. Eines der Opfer stammte nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus Kolumbien, die anderen waren Mexikanerinnen. Eines der Opfer arbeitete laut der Tageszeitung „Excélsior“ für eine Regierungsstelle. Die Gewalttat ereignete sich demnach bereits am Freitag. Laut einem Bericht von „Proceso“ wohnte Espinosa in der Wohnung mit zwei der Frauen zusammen.

Bei dem 40-jährigen Opfer handelte es sich um eine Hausangestellte. Espinosa und eine Frau lagen erschossen in einem der Schlafzimmer, zwei der Opfer in einem weiteren Schlafzimmer und die Hausangestellte im Badezimmer. Entdeckt wurden die Leichen am späteren Freitagabend, als eine Mitbewohnerin nachhause kam. Sie teilte sich die Wohnung mit Espinosa und zwei der getöteten Frauen.

Espinosa war in Xalapa, der Hauptstadt des Bundesstaat Veracruz im Osten des Landes, mehrfach von Unbekannten angegriffen und bedroht worden. Daraufhin floh er in die Hauptstadt. „Wir sehen mit Besorgnis, dass Mexiko-Stadt kein sicherer Zufluchtsort für vertriebene Journalisten mehr ist“, hieß es in einer Mitteilung der Journalisten-Organisation Artículo 19.

In Mexiko werden immer wieder Journalisten getötet. Seit 2007 wurden nach Angaben des Committee to Protect Journalists (CPJ) über 50 Medienschaffende ermordet oder verschleppt. Die Taten werden nur selten aufgeklärt. Auf der Weltrangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Mexiko auf Platz 148 von 180 Staaten.

Die Nationale Menschenrechtskommission forderte eine umfassende Aufklärung des Verbrechens. „Straflosigkeit muss um jeden Preis verhindert werden“, schrieb die staatliche Organisation am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Bundesstaat Veracruz an der Golfküste ist ein besonders hartes Pflaster für Journalisten. Verbrechersyndikate, aber auch staatliche Sicherheitskräfte schüchtern dort immer wieder Reporter ein. Vier Journalisten wurden laut CPJ seit 2011 wegen ihrer Arbeit in Veracruz getötet, drei weitere verschwanden. Sechs Reporter kamen unter ungeklärten Umständen ums Leben. Eines der Opfer war Regina Martínez, Korrespondentin von „Proceso“, die in Xalapa im April 2012 getötet wurde.

„Der Mord an Rubén Espinosa ist ein weiterer Meilenstein der Gewalt gegen die Presse“, hieß es in der Mitteilung von Artículo 19. Die Gruppe rief die Behörden auf, die Täter zu Verantwortung zu ziehen und Journalisten besser zu schützen. (dmz/hl mit Material von dpa)