“Den Menschen nahe sein” – Papst Franziskus besucht Kuba und die USA

 

Papst Franziskus sucht die Nähe zum Volk – auch in Kuba und den USA (Foto: Facebook)

Von Miriam Schmidt und Isaac Risco

Rom/Havanna, 16. September 2015 – Zum ersten Mal besucht der Papst Kuba und die USA, es ist seine zehnte Auslandsreise als Pontifex und die erste nach Nordamerika. Nach vielen Stationen in Asien, Südamerika oder Osteuropa – vom Papst selbst als Länder an den “Rändern” bezeichnet – hat Franziskus dieses Mal auch eine Weltmacht als Ziel gewählt.

Keine Generalaudienzen, keine Reisen, kaum Termine: Während der Sommerpause hatte Papst Franziskus viel Zeit, um sich auf seine Reise nach Kuba und die USA vorzubereiten. “Es war sicher ein wichtiger Teil seines Sommers”, sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi. Dementsprechend wohl überlegt werden die Worte sein, die Franziskus während der Reise ab diesem Samstag auch an Kubas Staatschef Raúl Castro, den US-amerikanischen Kongress, US-Präsident Barack Obama und die Vereinten Nationen richten wird. Ansprachen, die in der ganzen Welt mit Spannung erwartet werden.

Zum ersten Mal besucht der Papst Kuba und die USA, es ist seine zehnte Auslandsreise als Pontifex und die erste nach Nordamerika. Nach vielen Stationen in Asien, Südamerika oder Osteuropa – vom Papst selbst als Länder an den “Rändern” bezeichnet – hat Franziskus dieses Mal auch eine Weltmacht als Ziel gewählt. Mit den USA bereist er, abgesehen von einem Kurzbesuch in Straßburg, erstmals einen G7-Staat.

Und auch der viertägige Zwischenstopp in Kuba ist nicht zufällig gewählt, vermittelte doch der Vatikan im vergangenen Jahr auch bei der diplomatischen Annäherung zwischen den beiden Ländern. “Es ist eine Botschaft, dass er beide Länder in einer Reise zusammenpackt, weil es sicherlich noch einmal die Annäherungsbemühungen der beiden Länder unterstreicht”, sagte der Chef der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, der Deutschen Presse-Agentur.

Treffen mit Raúl Castro

Es wird eine sehr politische Reise, so viel steht fest. Der Papst spricht als erstes katholisches Kirchenoberhaupt vor dem US-Kongress, er besucht zahlreiche symbolträchtige Orte wie den Ground Zero in New York oder den Revolutionsplatz in Havanna. Vor allem auf Kuba sind die Erwartungen hoch. Viele Oppositionelle sowie internationale Organisationen erwarten, dass sich der Papst auch zu den Menschenrechten und der Verfolgung von Oppositionellen äußert.

“Ich weiß nicht, ob den Kubanern alles gefallen wird, was Franziskus ihnen zu sagen hat”, erklärte Hagenkord. “Der Papst ist einer, der die Dinge gerne beim Namen nennt.” Der Sprecher der katholischen Kirche auf Kuba, Orlando Márquez, warnte vor zu großen Hoffnungen an den Besuch. “Oft sind die Erwartungen der Menschen überzogen”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. “Die Veränderungen, die ein Papst-Besuch bringt, sind aber langfristiger Natur”.

Als politischer Höhepunkt des Aufenthalts in Kuba gilt sicherlich das Zusammentreffen mit Staatschef Raúl Castro. Der 84-Jährige hatte sich bei seinem Besuch im Vatikan im Mai als großer Fan des Papstes zu erkennen gegeben – und angekündigt, bei der Kuba-Reise des Argentiniers mit großer Freude zu jeder seiner Messen zu gehen. Die katholische Kirche Kubas ist nach der Wahl Castros 2008 zum wichtigen Gesprächspartner der sozialistischen Regierung avanciert. Sie ist der einzige halbwegs anerkannte gesellschaftliche Akteur, der etwa Belange der verbotenen politischen Opposition ansprechen darf.

Rede vor US-Kongress und UNO

Von Kuba geht es für das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter nach Washington, wo er unter anderem Präsident Barack Obama treffen und vor dem Kongress reden wird. “Ich könnte mir gut vorstellen, dass er etwas zur Immigration und Wegwerfgesellschaft sagt, wahrscheinlich auch zum Thema Flüchtlinge”, sagte Hagenkord. Papst-Sprecher Federico Lombardi erklärte: “Franziskus hat die Einladung gerne angenommen, weil es eine Gelegenheit ist, zum gesamten amerikanischen Volk zu sprechen.”

Weitere Programmpunkte während des Aufenthalts in den USA werden eine Rede vor den Vereinten Nationen in New York und die Teilnahme am Abschluss des Weltfamilientags in Philadelphia sein – Treffen, die ebenfalls viel Platz für kontroverse Themen bieten.

Doch bei allen symbolträchtigen Reden und Ansprachen, in den Mittelpunkt seiner Reise will der Papst wieder die Menschen stellen. Er trifft Häftlinge, Jugendliche, Familien, Migranten und Obdachlose, fährt trotz aller Sicherheitsbedenken im offenen Papamobil durch die Straßen. “Meistens gelingt es mir besser, die Menschen zu verstehen, wenn ich ihnen direkt begegne”, sagte er bei einer Video-Audienz für einige US-Amerikaner vor seinem Abflug: “Deswegen ist meine Reise so wichtig, um euch und eurem Weg und eurer Geschichte nahe zu sein.” (dmz/dpa/hl)