H.-J.  Hepkes „Mein Leben – Dein Leben“: Eine Hymne an das Leben

Hans-Joachim Hepkes Gedichtband „Mein Leben – Dein Leben“ (Foto: Herdis Lüke)

Von Ulrich Gibitz*

Caracas, 18. April 2021 – Nach längerem Zögern hat Hans-Joachim Hepke nun endlich mit dem Titel „Mein Leben – Dein Leben“ eine Anthologie seiner Gedichte veröffentlicht. Damit macht er auch all denen ein Geschenk, die bisher  seine Dichtkunst nicht auf Facebook bewundern konnten.

Und wirklich, es ist ein Geschenk, was wir erhalten. Mit großer Wortgewandtheit und tiefem musikalischen Gespür nimmt er seine Leser an der Hand und führt sie durch sein Leben, das für viele von uns auch unser Leben ist.

In seinen 60 Gedichten wählt der Dichter die uns allen vertraute Volksliedstrophe, die vor allem aus der Romantik bekannt ist. Sie besteht  aus vier Zeilen mit jeweils vier Hebungen und wechselnden Paar- oder Kreuzreimen. Neben den jambischen Versen, die den Gedichten einen eher reflektieren Charakter verleihen, steht dabei recht häufig der Trochäus, der das Fortschreiten und den Aufbruch sowie eine fast sentenzenhafte Entschlossenheit symbolisiert. Mitunter werden wir an Gedichte Mörikes oder Eichendorffs erinnert und vor dem inneren Ohr erklingen die Melodien der deutschen Kunstlieder eines Schubert, Wolf oder Zelter –  die dem Musiker, Dichter und „Neuromatiker“ Hepke sicher nicht unbekannt sind.

Die formale Gestaltung geht Hand in Hand mit dem Inhalt dieser Gedichte, die einerseits beschreibend und reflektierend sind, aber auch andererseits eine Suche und einen Weg beschreiben. Wonach? Bei den Romantikern ist es die Suche nach der „blauen Blume“ und der Weg, der nach Novalis „immer nach Hause“ führt.  Bei Hepke ist es der Lebensweg und die Suche nach Glück, Liebe und Geborgenheit.

Die 60 Gedichte  spiegeln ein Leben- unser Leben und den Gang durch das Jahr, vom goldenen Herbst zum „Novemberschauer mit Tod und Sterben“ , zum neuen Jahr mit dem Frühling, der „mit seinen bunten Blüten des Lebens Narben bedeckt“ und Sommer, dessen „Sommersonnenschein zum Träumen einlädt“, wenngleich die Sommertage oft „brütend heiß, getränkt von salzig herbem Schweiß“ sind und wieder zum Herbst, der auch wieder „Schattentage und graues Licht bringt, die dem Dichter eine „verhasste Plage“ sind und. wieder an die Vergänglichkeit mahnt.

In der Zusammenschau der Anthologie entsteht ein eindrucksvolles Bild des Jahreszyklus der Natur, der symbolisch für unser aller Lebenszyklus ist.

Wir erleben in Hepkes Gedichten ein Leben voller Freude, Lust und Zärtlichkeit – aber auch Leid, Verrat, und Tod. Doch über allem strahlt ein Licht – das Licht der Sonne, der Weihnachtskerzen und der Sterne. Der Begriff Licht ist für das Werk Hepkes zentral, denn er spiegelt Hoffnung wider, inmitten der Finsternis, die einen oft umgibt. Dies wird von den drei Farbfotos, die die Antholgie begleiten, unterstrichen: Die Sonne über dem Meer und das Licht, das durch die Wolken bricht sind das Leitmotiv in diesem zutiefst „religiösen“ Werk.

Dass dieses Licht selbst das Dunkel des Todes überwindet, drückt der Dichter in dem eindrucksvollen Gedicht „Mein Sternenkind“ aus, das dem Tod eines geliebten Menschen gewidmet ist.

Herzlichen Dank an Hans- Joachim Hepke für dieses tiefsinnige und emotionale Werk, das in unserer kalten Welt der künstlichen Intelligenz nicht nur die Freude an ehrlicher traditioneller Dichtung wieder weckt, sondern auch manchem Leser Momente der Wiedererkennung und des Trostes spenden kann. (dmz/hl)

*Ulrich Gibitz, Regierungsschulrat a. D., war zwei Jahre als Vertretung Generaldirektor am Colegio Alexader von Humboldt, Campus Lomas Verdes, in Mexiko-Stadt. Derzeit lehrt er in Caracas, Venezuela.