Connect with us

Kultur & Gesellschaft

Lebenselixier Musik – „Weiße Rose“-Komponist Udo Zimmermann tot

Published

on

Udo Zimmermann war ein deutscher Komponist, Dirigent und Intendant. (Foto: wikipedia)

 Von Simona Block

Der Musik galt seine ganze Leidenschaft. Udo Zimmermann leitete Opern und Akademien, begründete Festivals und stritt für die Kunst – am liebsten aber hat er komponiert.

Advertisement

Dresden, 22. Oktober 2021 – Mit Musiktheater-Werken wie „Die weiße Rose“ und „Levins Mühle“ setzte er politisch Zeichen, als Intendant stritt er für eine auskömmliche Ausstattung der Kultur – in DDR-Zeiten wie im vereinigten Deutschland. Als Künstler lebte Udo Zimmermann, der in der Nacht zum Freitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren in Dresden starb, stets für das Experimentelle. Nur schwer konnte der Komponist 2008 von der Intendanz des Europäischen Zentrums der Künste lassen. Mit Wehmut schaute er zu, wie aus seiner Vision eines Labors für zeitgenössische Kunst mit Eigenproduktionen ein Gastspielort wurde.

Im Rentenalter hatte sich das Leben des gebürtigen Dresdners noch einmal gewandelt. Er gab alle Ämter ab, baute ein neues modernes Haus am Elbhang, heiratete zum dritten Mal – und hatte endlich wieder Zeit für die Musik. „Sie ist mein Lebenselixier“, bekannte er, viele Pläne für neue Werke im Kopf. Motorische Einschränkungen jedoch bremsten immer stärker seinen Tatendrang – schließlich musste er auch das Komponieren aufgeben.

Der Künstler, der stets mit Leidenschaft Musik schuf, konnte sie zuletzt nur noch hören. Der frühere Intendant der Oper Leipzig und Generalintendant der Deutschen Oper Berlin litt an einer seltenen neurodegenerativen Erkrankung, konnte am Ende kaum noch sprechen. Das Haus habe er schon seit Jahren nicht mehr verlassen, sagte seine Frau Saskia. „Aber Musik hörte er noch.“

Zimmermann sah sich stets als Theatermensch, der auch komponiert. „Theater und Musik liegen mir am Herzen und gehören zusammen, das Theater ist von der Musik amalgamiert und die Musik amalgamiert das Schauspiel“, sinnierte er einmal. Dabei schlug sein musikalisches Herz stets für das Experimentelle, als engagierter Kulturpolitiker sah er die Abhängigkeit der Kultur von der Ökonomie mit großer Sorge.

Advertisement

Von Förderung profitierte auch er einst, der Kruzianer, wie die Sänger des berühmten Dresdner Kreuzchores genannt werden. Sein Weg stand früh fest: Er studierte in seiner Heimatstadt Komposition und Gesang, war dann Meisterschüler und Assistent bei Walter Felsenstein in Berlin. Noch als Student landete er mit „Die Weiße Rose“ über die Geschwister Scholl einen Riesenerfolg – in Ost und West. Die Oper gehört zu den meistgespielten Werken zeitgenössischer Musik. Vier weitere Opern, Vokalsinfonik und Werke für Kammerensemble folgten – das letzte Violinkonzert wurde 2013 uraufgeführt.

In Dresden gründete Zimmermann 1974 das „Studio Neue Musik“, aus dem 1986 das Zentrum für zeitgenössische Musik hervorging. Es erlangte als Ausrichter von Konzerten und Festivals sowie Forschungsort internationalen Ruf in der Szene der Neuen Musik. 2004 wurde daraus unter ihm das Europäische Zentrum der Künste, das alle Sparten wie Theater, Tanz, Architektur, Bildende und Medienkunst vereinen sollte.

Daneben dirigierte er renommierte Orchester, arbeitete an wichtigen Opernhäusern und füllte als Leiter der „musica viva“-Reihe des Bayerischen Rundfunks beim gleichnamigen Festival in München Säle – und das ausschließlich mit modernen Tönen. Weltweit aktiv und doch immer seiner Heimat treu, war er Professor an der Musikhochschule ebenso wie Dramaturg der Staatsoper. Der Traum aber, Chef der 1985 wiedereröffneten Semperoper zu werden, blieb unerfüllt.

Opernintendant war er trotzdem: 1990 bis 2001 in Leipzig und danach bis 2003 in Berlin. Die zwölf Leipziger Jahre waren größte Herausforderung, die drei Jahre Berlin kosteten Unmengen an Energie. Dort ging er im Unfrieden vorzeitig. In den letzten zehn Jahren wurde es immer stiller um den introvertierten und auch umstrittenen Komponisten, der neben zwei Söhnen eine prominente Tochter aus erster Ehe hat: Schauspielerin Claudia Michelsen („Polizeiruf 110“). (dpa/dmz/hl)

Advertisement

Continue Reading
Advertisement

Newsletter

Newsletter

Pinche Gringo BBQ

Pinche Gringo BBQ

neu

Milo’s Bistrot

Panorama4 Wochen ago

Wieder Schießerei im Touristenparadies: Zwei Tote in Hotel bei Cancún

Panorama2 Wochen ago

In Zacatecas: Zehn Menschen exekutiert und an Brücke aufgehängt

Kultur & Gesellschaft2 Wochen ago

Jahrestag der mexikanischen Revolution: Parade mit Pferden und Eisenbahn

Panorama2 Wochen ago

Massaker in Guanajuato: 11 Tote bei Kindergeburtstag

Amerika2 Wochen ago

Tod zweier Deutscher in Paraguay: Vierter Verdächtiger gefasst 

Kultur & Gesellschaft4 Wochen ago

Umzug zum Totentag in Mexiko-Stadt: Das Leben feiern

Wirtschaft2 Wochen ago

Mangelware Fachkraft – der deutsche Arbeitsmarkt droht auszubluten 

Sport3 Wochen ago

Großer Preis von Mexiko: „Checo“ Pérez begeistert seine Landsleute mit 3. Platz

Panorama2 Wochen ago

Makaber: Mann hatte Köpfe seiner Schwiegereltern in Plastiktüte bei sich

Sport3 Wochen ago

Formel 1 in Mexiko: Verstappen dominiert das zweite Training – Schaulauf am Paseo de la Reforma

Kultur & Gesellschaft4 Wochen ago

Start der Deutschen Filmwoche in Mexiko-Stadt – wieder mit Publikum

Kultur & Gesellschaft4 Wochen ago

Neuer Starttermin für Weltall-Crew um Maurer 

Deutschland & Europa4 Wochen ago

Organisierte Kriminalität in Deutschland nimmt zu 

Veranstaltungen4 Wochen ago

Veranstaltungskalender November: 20. Deutsche Filmwoche und mehr vom Goethe-Institut Mexiko

Kultur & Gesellschaft4 Wochen ago

Deutsches PEN-Zentrum ernennt Julian Assange zum Ehrenmitglied

Kultur & Gesellschaft3 Wochen ago

Mexiko-Stadt stellt neuen Weltrekord für die meisten kostenlosen WLAN-Hotspots auf

Panorama3 Wochen ago

Spektakulär: Trailer reißt Fußgängerbrücke ein – keine Verletzten

Kultur & Gesellschaft3 Wochen ago

Als Zehnjährige für eine Flasche Mezcal verkauft – Martyrium endet nach 30 Jahren

Sport3 Wochen ago

Großer Preis von Mexiko: „Checo“ Pérez begeistert seine Landsleute mit 3. Platz

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

40 Jahre „Ein Colt für alle Fälle“: Mit Howie und Jody in Action

Reisen1 Monat ago

Freiburg weltweit unter Top Drei bei „Lonely Planet“-Tipps für 2022

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

Fossilien und Frauenliebe: Kate Winslet in „Ammonite“

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

Ein Kreischen geht um die Welt: Schweighöfer in „Army Of Thieves“

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

„Bergman Island“ mit Tim Roth: Ehedrama nach großem Vorbild

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

Marvels „Eternals“: Comic-Action von Oscar-Regisseurin Chloé Zhao

Veranstaltungen1 Monat ago

Veranstaltungskalender: Ausstellungen, Umzüge, Konzerte, Festivals im Oktober und November

Panorama1 Monat ago

Hurrikan „Rick” trifft in Mexiko auf Land – Berichte über Schäden 

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

„Just A Notion“: Weiterer Song zum Abba-Comeback veröffentlicht

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

„Ron läuft schief“ – Kluger Film über Freundschaft in digitaler Zeit

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

„Online für Anfänger“: Komödie rund um die Fallstricke des Digitalen

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

Wortmanns Komödie „Contra“: Späte Reue des älteren weißen Mannes

Kultur & Gesellschaft1 Monat ago

Adele: Fühle mich gut und bereit mit neuer Single

Herausgeberin und Chefredakteurin: Herdis Lüke Tel.: +52 777 482 3495 Mobil: +52 (1) 777 267 6383 Kontakt: herdis@deutsche-mexiko-zeitung.com Copyright © 2021 - DMZ - Deutsche Mexiko-Zeitung