Mexiko: Nikolaus von Hoepkens Ja zum Leben

Hans-Joachim Hepke im Kreis seiner Schüler am Harkness Institute in San Luis Potosí (Foto: Hans-Joachim Hepke)

Von Herdis Lüke

San Luis Potosí, 18. April 2021 – Unter dem Namen Nikolaus von Hoepken ist Joachim Hepke in den Facebook-Gruppen der Deutschsprachigen Gruppen in Mexiko eine feste Größe. Regelmäßig erfreut er seine Mitmenschen mit gefühlvollen Gedichten, mit denen er vielen aus der Seele spricht. Hinter dem Pseudonym Nikolaus von Hoepken verbirgt sich der renommierte Pädagoge, Komponist und Lyriker Hans-Joachim Hepke, der in San Luis Potosí im zenralen Mexiko lebt und lehrt.

Wer ihm gegenübersitzt oder ihn einen Raum betreten sieht, nimmt einen Mann wahr, der wie ein Fels in der Brandung in sich ruht. Wenn der aus dem schönen Amberg in der Oberpfalz stammente 68-jährige in seinem bayrischen Akzent spricht, gibt er auch eine gehörige Portion Humor preis.

Im Gespräch mit der DMZ erzählt er aus seinem spannenden Leben, das ihn als Pädagogen zunächst in seiner Heimat Bayern breite Anerkennung gebracht hat, hat er doch die Integration (heute Inklusion) von behinderten Kindern bereits in den 1980er Jahren in Bayern praktiziert, lange, bevor sie Ende der 1990er Jahre von der damaligen bayrischen Kultusministerin Monika Hohlmeier auf seine Initiative hin eingeführt wurde.

Hepke hat im Laufe seines Lebens bisher 500 Lieder und 35 Singspiele komponiert, einige davon gibt es auch auf CD, und Gedichte von so namhaften Lyrikern und Kinderbuchautoren wie Josef Guggenmos (1922-2003), Hans Baumann (1914-1988) und  James Krüss (1926-1997) vertont. In seinem Sachbuch „Eine Schule für Morgen“ (tredition 2017, ISBN-10: 3743961288, ISBN-13: 978-3743961289) erklärt Hepke sein alternatives Lehrkonzept. Dieses orientiert sich an den Bedürfnissen der Kinder, an ihren individuellen Fähigkeiten und setzt auf deren vollständige Integration ungeachtet ihrer Nationalität, Hautfarbe oder körperlichen und geistigen Behinderungen.

Der erfahrene Pädagoge spart nicht an Kritik am deutschen Bildungssystem. Nach seiner Meinung „beklagen sich die Lehrer und Lehrerinnen viel zu viel über Arbeitsbelastung“ und orientieren sich mehr an ihrem Gehalt, statt sich Zeit zu nehmen für Kinder. Die Lehrpläne seien kinderfremd und berücksichtigten nicht die Bedürfnisse und Lebensbedingungen der Kinder. Dabei vergäßen viele, dass die Kinder von heute „unsere Zukunft sind“, auf die sie gemeinsam mit Eltern und Schule vorbereitet werden müssten. Die Lebensbedingungen veränderten sich laufend, daran müssten sich Lehrer und Lehrpläne anpassen.

Von der musischen Erziehung einer Schule der Salesianer Don Boscos geprägt, wollte Hepke eigentlich Dirigent werden, aber der in seiner Jugend begeisterte Fußballspieler brach sich die Hand und Aus war’s mit der Musikhochschule. So entschied er sich, Pädagogik- und Psychologie zu studieren und hat darin seine Lebensaufgabe gefunden. Inzwischen blickt er auf mehr als 40 Jahre Erfahrung als Lehrer aller Altersgruppen – von der Grundschule bis zum Abitur – an Schulen in Deutschland und im Ausland zurück.

Kaktus, Sombrero und Tequila

Dass er ins Ausland gekommen ist, hat er vor allem seiner Erkenntnis zu verdanken, dass man nicht lange überlegen soll, wenn sich einem eine Chance auf Veränderung bietet. Noch während seiner Tätigkeit als Lehrer, Konrektor und Rektor in Augsburg an der Blériot- und anderen Schulen, ereilte ihn der Ruf als Lehrbeauftragter und Ausbildungslehrer für Sozialkunde und Zweitprüfer für Deutsch und Sport an der Universität Augsburg. Aber die Arbeit am Schreibtisch war nie sein Ding. Unter Anderen in der „Lehrer-Börse“ stieß er auf eine Anzeige, in der eine Schule in der Türkei Deutschlehrer suchte. Er bewarb sich und wurde sofort eingeladen, erzählt Hepke, der nicht lange zögerte: „Ich war von Istanbul fasziniert.“ Zwei Jahre blieb er als Koordinator für Fremdsprachen und integrativen Musikunterricht an der privaten Schule in Istanbul und wechselte dann an eine andere Privatschule in Izmir, wo er den Sprachenzweig aufbaute.

Bis ihn 2013 der Hilferuf der damaligen Primaria-Leiterin des Campus La Herradura der Deutschen Schule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt erreichte. Der Kollegin und guten Bekannten von Hans-Joachim Hepke fehlten kurzfristig fünf deutsche Lehrer, die ihr abgesagt hatten. Da er, wie in der Türkei üblich, nur einen Jahresvertrag hatte und die Schule ihn zwar behalten wollte, ihm aber keinen längerfristigen Vertrag anbieten konnte, zögerte der, für viele Jahre allein erziehende Vater von zwei erwachsenen Söhnen nicht lange.

„Das war eine echte Nacht- und Nebelaktion. Von Mexiko hatte ich nicht viel mehr als das Klischee vom Kaktus, Sombrero und Tequila im Kopf“, erzählt Hepke lachend, „und Spanisch sprach ich kein Wort“. Das war für ihn kein Hinderungsgrund. Am 13. Oktober 2013, einem Samstag, kam er in Mexiko an, am folgenden Montag stand er bereits vor einer Klasse der Sekundarstufe („Secundaria in Mexiko). Von La Herradura kam er schließlich an die Deutsche Schule in Puebla und von dort über TEC de Monterrey an das „amerikanische“ Harkness Institut in San Luis Potosí, wo er angehenden Abiturienten Deutsch und Psychologie lehrt. „Hier fühle ich mich wohl“, sagt Hepke, vor allem, weil die Philosophie der Schule mit seinen Vorstellungen über Pädagogik übereinstimmt. Private Schulen in der Türkei unterscheiden sich seiner Meinung nach nicht von den mexikanischen: „Hier werden oft Schüler durchgezogen, die nichts lernen (oder schlichtweg an der falschen Schule sind), nur weil ihre Eltern viel Geld für sie bezahlen. Das ist unfair gegenüber den Schülern, die büffeln.“

2020 veröffentlichte Hepke in Mexiko seinen ersten Gedichtband „MEIN LEBEN – DEIN LEBEN“ im Selbstverlag, motiviert von seinen zahlreichen Fans. Es wäre schön, wenn die Gedichte, die der Autor in der Tradition der deutschen Romantik geschrieben und auch auf Spanisch übersetzt hat, auch von einem Verlag in Deutschland veröffentlicht würden. Sie sind ein Ja zum Leben, das wir gerade in dieser Zeit brauchen. Warum er den Namen Nikolaus von Hoepken als Pseudonym bei Facebook gewählt hat, erzählt er uns in einem Video-Interview mit der DMZ. (dmz/hl)