Papst beendet USA-Reise – Familie “Fabrik der Hoffnung” – Treffen mit Missbrauchsopfern

 

Bei seinem Besuch gedachte Papst Franziskus am Gedenkbrunnen am Ground Ceror der Opfer des Terroranschlags am 9. September 2001 in New York (Foto: Vatikan / L’Osservatore Romano)

Philadelphia, 27. September 2015 – Mit einem Gottesdienst vor Hunderttausenden hat Papst Franziskus einen umjubelten Schlusspunkt unter eine hochpolitische Reise gesetzt. Zum Abschluss seiner Reise läuft der Papst noch einmal zu Hochform auf: Frei hält er ein glühendes Plädoyer für Familien. Auch mit Missbrauchsopfern redet er – und spricht einige ganz besonders an.

Der Papst war sechs Tage in den USA. Am Sonntag hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Philadelphia zuvor eine Haftanstalt besucht, sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs getroffen und seinen Bischöfen ins Gewissen geredet.

Der Papst kritisierte oberflächliche Beziehungen und würdigte die Familie als “Fabrik der Hoffnung”. Heute gebe es eine “Beziehungskultur wie im Shopping-Center”, sagte der Pontifex vor etwa 300 Bischöfen.

“Die Welt scheint sich in einen großen Supermarkt verwandelt zu haben, wo die Kultur eine Wettbewerbsdynamik angenommen hat”, kritisierte der Papst. “Die gegenwärtige Kultur scheint die Menschen dazu zu bewegen, sich an nichts und niemanden zu binden.” Heute entscheide nur noch der Konsum. “Beziehungen konsumieren, Freundschaften konsumieren, Religionen konsumieren.”

Am Morgen traf der Papst fünf Missbrauchsopfer. “Ich verspreche, dass alle Verantwortlichen für sexuellen Missbrauch von Kindern bestraft werden”, sagte er. Er empfinde “tiefe Scham”, dass Kindern Gewalt angetan worden sei und schwere Leiden verursacht worden seien. Ausdrücklich adressierte Franziskus dabei auch die Bischöfe selbst.

“Diese Verbrechen können nicht länger geheim gehalten werden”, sagte der Papst. Gott weine angesichts dieser Taten.

Die katholische Kirche in den USA und anderen Ländern war vor einigen Jahren vom Skandal um jahrelangen Missbrauch erschüttert worden.

Besuch bei Gefangenen

Der Papst traf in einer Haftanstalt einige Dutzend Gefangene. Er rief die Menschen auf, sich wieder dem Leben zuzuwenden und zu spüren, “dass wir eine Aufgabe haben; spüren dass diese Zeit der Gefangenschaft niemals Ausschließung bedeutete”. Jesus wolle den Menschen helfen, “unsere Wanderung neu auszurichten, unseren Lauf wieder aufzunehmen, unsere Hoffnung wiederzugewinnen und uns den Glauben und die Zuversicht zurückgeben”.

Am Vorabend hatte Franziskus ein flammendes Plädoyer für die Familie gehalten. “Pflegen und verteidigen wir die Familie, weil es dabei um unsere Zukunft geht”, forderte er in einer frei gehaltenen Rede.

Während seines Besuchs zuvor in New York gedachte Papst Franziskus der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Das katholische Kirchenoberhaupt traf sich in dem Museum für das Gedenken an die Anschläge am Ground Zero am Freitag mit Angehörigen von Opfern und betete gemeinsam mit Vertretern verschiedener Religionen. Vor seinem Besuch am Ground Zero hatte der Papst bereits eine Rede vor den Vereinten Nationen gehalten.

Der Weltfamilientag in Philadelphia war der eigentliche Anlass der neuntägigen Reise des Papstes in die USA und nach Kuba. Nach Kuba hatte Franziskus Station in Washington und New York gemacht. Am Sonntagabend (Ortszeit) sollte der Papst zurück nach Rom fliegen. Bevor der 78-jährige Argentinier zum ersten Mal in die USA kam, hatte er vier Tage Kuba bereist. (dmz/dpa/hl)