Papst Franziskus‘ Botschaft an Kuba: Ideologien sind der falsche Weg

 

Papst Franziskus hält seine erste Messe am Sonntag in Havanna (Foto: papafranciscoincuba)

Von Georg Ismar, Miriam Schmidt und Isaac Risco

Havanna, 20. September 2015 – Mehr Freiheit für die Kirche, weniger Ideologie und eine weitere Annäherung an die USA: Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Kuba Ideologien als falschen Weg bezeichnet und mehr religiöse Freiheiten gefordert. Die Annäherung zwischen den einstigen Erzfeinden USA und Kuba nannte der 78-Jährige vorbildhaft für die ganze Welt.

Der Dienst am Menschen dürfe niemals ideologisch sein, betonte Papst Franziskus am Sonntag bei einer Messe vor Hunderttausenden Menschen auf dem Revolutionsplatz in Havanna. „Denn man dient nicht Ideen, sondern man dient den Menschen.“

Angesichts der vielen Krisen weltweit warnte er erneut vor einer “Atmosphäre des Dritten Weltkriegs”. Franziskus selbst hatte die Annäherung der einstigen Erzfeinde USA und Kuba vermittelt, seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im anderen Land. Am Dienstag reist der Argentinier in die USA weiter. Er ist der erste Papst, der beide Länder während einer Reise besucht.

Die verantwortlichen Politiker forderte er auf, weiter auf dem Weg der Versöhnung voranzuschreiten. “Als Beweis für den erhabenen Dienst, den zu leisten sie berufen sind für den Frieden und das Wohlergehen ihrer Völker.” Nach der Landung hatte er Staatschef Raúl Castro aufgefordert, aber auch den Öffnungsprozess im Verhältnis zur katholischen Kirche zu verstärken. Die Kirche wolle das kubanische Volk auf seinem Weg begleiten, “in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen”, betonte er.

Aktivistinnen vorübergehend festgenommen

Rund 20 Aktivistinnen der Frauengruppen “Damas in Blanco” wurden am Sonntag vor der Messe in Havanna kurzfristig festgenommen, wie die Anführerin Berta Soler der Deutschen Presse-Agentur sagte. Mehrere Dissidenten hatten von dem Papst im Vorfeld der Reise klare Worte gegen Menschenrechtsverletzungen gefordert und sich enttäuscht gezeigt, dass kein Treffen mit ihnen geplant sei.

Franziskus ist nach Johannes Paul II. (1998) und Benedikt XVI. (2012) als dritter Papst auf Kuba. Über Jahrzehnte war eine offene Ausübung des Glaubens nicht möglich, viele Priester verließen das Land. Heute gilt Religionsfreiheit – aber die Kirchen sind oft spärlich besucht.

Raúl Castro: Handelsembargo „grausam, unmoralisch und illegal“

Raúl Castro bezeichnete das seit fast 55 Jahren bestehende US-Handelsembargo als “grausam, unmoralisch und illegal”. Die auf Vermittlung des Vatikans erfolgte Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit den USA könne nur “ein erster Schritt sein”. Auch die Militärbasis in Guantánamo müsse zurückgegeben werden. Vor dem Besuch hatte Raúl Castro mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat über eine weitere Annäherung gesprochen.

Auch während seiner Reise beschäftigte Franziskus die Situation der Flüchtlinge in Europa. Vor seiner Abreise hatte er eine vierköpfige syrische Flüchtlingsfamilie besucht, die im Vatikan untergekommen ist. Ihr Schicksal habe ihn “sehr bewegt”, sagte er im Flugzeug. “Man hat in diesen Gesichtern den Schmerz gesehen.” (dmz/dpa/hl)