Mexikanischer Milizen-Chef Mora will in die Politik

 

Wieder in Freiheit: Hipólito Mora (Bildmitte), Chef der ehemaligen Bürgerwehren in Michoacán (Foto: almomento.mx)

Morelia, 10. März 2015 – Raus aus dem Gefängnis, rein in die Politik: Nur Stunden nach seiner Haftentlassung hat der charismatische Anführer der ehemaligen Bürgerwehren in Michoacán, Hipólito Mora, seine Kandidatur bei den Parlamentswahlen angekündigt. Ihm gefalle die Politik zwar nicht, aber viele Leute hätten ihn zu dem Schritt ermutigt.

Der Anführer einer der ehemaligen mexikanischen Bürgerwehren, Hipólito Mora, will in die Politik. Nur Stunden nach seiner Haftentlassung sagte er am Dienstag, bei der Wahl im Juni werde er sich möglicherweise um einen Parlamentssitz bewerben. „Mir gefällt die Politik nicht, aber viele Leute haben mich ermutigt, mich politisch zu engagieren“, sagte er im Radiosender Centro. Im Sommer werden in mehreren Bundesstaaten, darunter auch Michoacán, neue Bundesabgeordnete gewählt.

Der Limonen-Bauer aus der Ortschaft La Ruana war zusammen mit Gefolgsleuten wegen einer Schießerei mit elf Toten im Dezember inhaftiert worden, bei der auch sein Sohn getötet wurde. Mora hatte sich am 27. Dezember freiwillig der Polizei gestellt. Auch sein Rivale Luis Antonio Torres alias „El Americano“ stellte sich wenig später. Der zuständige Richter stellte jedoch fest, dass bei der Schießerei zwischen den zwei Gruppen sich vier Bewaffnete gegenseitig erschossen hätten. Die anderen, darunter auch Mora, hätten nur aus Notwehr geschossen.

Mora hatte bereits bei seiner Festnahme von Selbstverteidigung gesprochen. Er und seine Leute seien von der rivalisierenden Gruppe von Luis Antonio Torres angegriffen worden, zitierte ihn die Nachrichtenagentur almomento.mx. „Ich fühle mich wie ein Idiot“, sagte er. „Ich verstehe das alles nicht. Darf man sich nicht mehr verteidigen, wenn man angegriffen wird?“, sagte er den Medien, nachdem ihm die formelle Anklage im Gefängnis Mil Cumbres in Michoacán verlesen wurde.

Neben José Manuel Mireles und Estanislao Beltrán ist Mora das öffentliche Gesicht der Bewegung. Im vergangenen März war er schon einmal festgenommen worden. Damals war ihm Beihilfe zum Mord an einem anderen Chef der Selbstverteidigungskräfte vorgeworfen worden. Noch im selben Monat wurde er wieder freigelassen, weil es keine stichhaltigen Beweise gab.

Die Bürgerwehren hatten sich vergangenes Jahr im Kampf gegen das Drogenkartell „Caballeros Templarios“ (Tempelritter) gegründet. Die schweren Gefechte brachten die Region an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Selbstverteidigungsgruppen gingen schließlich in einer neuen Polizeitruppe auf. Allerdings werfen sich die verfeindeten Fraktionen innerhalb der Milizen gegenseitig vor, selbst ins organisierte Verbrechen verstrickt zu sein. (dmz/ds mit Material von dpa)