Mexiko: Behörden befreien Dutzende Kinderarbeiter aus Bauernhof

 

Viele junge Menschen in Mexiko müssen sich für mickrige Löhne als Landarbeiter verdingen (Foto: www.almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 21. August 2015 – Sie arbeiteten unter unwürdigen bedingungen auf einem Bauernhof im Norden von Mexiko, sieben Tage in der Woche. Jetzt wurden 54 Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 17 Jahren von den Behörden befreit. Drei Menschen seien festgenommen worden. Kinderarbeit ist in Mexiko offiziell verboten.

In dem landwirtschaftlichen Betrieb bei der Stadt Ramos Arizpe hätten die Minderjährigen von Montag bis Sonntag oft mehr als neun Stunden am Tag für mickrige Löhne gearbeitet. Einige seien seit vier Monaten dort. Geschlafen hätten sie auf Liegematten auf dem Boden, teilte die Regionalregierung am Donnerstag mit. Drei Menschen seien festgenommen worden. Die Kinder werden demnach in einem Heim medizinisch untersucht.

Mexiko erlaubt die Arbeit von Unter-17-Jährigen in bestimmten Bereichen. In der Landwirtschaft dürfen allerdings nur Volljährige tätig werden. Wegen der Armut müssen Kinder in Mexiko aber häufig zum Lebensinhalt beitragen. Sie verdingen sich wie in diesem Fall, als Landarbeiter oder ziehen durch die Vergnügungsviertel der Städte, teilweise bis spät in die Nacht, um Waren zu verkaufen – von Süßigkeiten über Blumen bis zu chinesischem Schnick-Schnack.

Nach Medienberichten wurden allein in dieser Woche mehr als 300 Landarbeiter (Jornaleros) befreit, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten mussten, darunter nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch 200 alte Menschen. Einer von ihnen musste wegen Flüssigkeitmangels in medizinische Behandlung.

Große landwirtschaftliche Betriebe kommen immer wieder in die Schlagzeilen, weil sie Landarbeiter wie einst zu Zeiten des Porfiriats zu Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts wie Leibeigene behandeln. Sie bekommen das Mindestgehalt von knapp 70 Pesos am Tag (umgerechnet 10 Euro), müssen in betriebseigenen Geschäften einkaufen und verschulden sich dafür bei ihrem Arbeitgeber; schlafen können sie auf dem Boden oder in erbärmlichen Massenbehausungen. Das ist die Schattenseite des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA. Einige Firmen mussten bereits Millionengelder an Strafen bezahlen. Erst vor wenigen Monaten lehnte sich eine Gruppe von Landarbeitern gegen die Ausbeutung auf. (dmz/hl mit Material von dpa)