Mexiko: Fahndungskrimi um Drogenboss “El Chapo“ – verletzt und trotzdem entwischt

 

Angehörige der wegen der Flucht von „El Chapo“ inhaftierten Bundespolizisten demonstrieren für deren Freilassung in Mexiko-Stadt. Sie argumentieren, ihre Verhgaftung sei ungerecht (Foto: almomento.mx)

Von Georg Ismar und Denis Düttmann

Mexiko-Stadt, 18. Oktober 2015 – Nach seinem Gefängnisausbruch ist Mexikos Militär dem Chef des Sinaloa-Kartells dicht auf den Fersen. Jetzt wurde Joaquín “El Chapo“ Guzmán bei einem versuchten Zugriff wohl verletzt. Er hält sich offenbar in seiner Heimatregion im Norden von Mexiko versteckt.

Der flüchtige mexikanische Drogenboss Joaquín “El Chapo” Guzmán ist bei einem Zugriffsversuch verletzt worden – aber erneut entwischt. Der Chef des Sinaloa-Kartells habe sich Verletzungen an einem Bein und im Gesicht zugezogen, teilte das mexikanische Sicherheitskabinett mit. Die Verletzungen seien aber nicht durch eine direkte Konfrontation entstanden, hieß es, ohne weitere Details zu nennen.

Laut Medienberichten wurde “El Chapo” verwundet, als Marineinfanteristen in Helikoptern ein Versteck in einer Ranch nahe Cosalá im Grenzgebiet zwischen den Bundesstaaten Sinaloa und Durango im Nordwesten des Landes angriffen.

Nach einem Bericht des US-Senders NBC schlugen Guzmáns Leibwächter die Soldaten zunächst zurück. Als die Marineinfanteristen das Gebiet später zu Fuß inspizierten, entdeckten sie Kommunikationsgerät und Medikamente. “El Chapo” und seine Leibwächter waren offenbar auf Quads geflohen. Mit Drohnen wird nun versucht, “El Chapo” ausfindig zu machen. Die Zeitung “El Universal” spekulierte, dass es für ihn schwierig sein dürfte, einen vertrauenswürdigen Arzt zu finden.

Die Geschichte der Flucht ist spektakulär – er scheint ein Netz an Helfern bis in höchste Sicherheitskreise hinein zu haben. Guzmán war am 11. Juli durch einen professionell gegrabenen, 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano im Zentrum Mexikos geflüchtet. Schon 2001 türmte “El Chapo” aus einer Haftanstalt.

Der 58-Jährige gilt als der mächtigste Drogenhändler der Welt und soll ein Milliardenvermögen besitzen. Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss. Nach der Festnahme des Chefs gründete Guzmán das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA stuft das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens ein.

Bereits am 30. Juli sollen Marineinfanteristen in der Stadt Los Mochis dem Drogenboss ganz dicht auf den Fersen gewesen sein. Aber auch damals entwischte er seinen Verfolgern. Aufgrund von abgehörten Telefongesprächen durch mexikanische und US-Geheimdienste vermutet die Marine den Chef des Sinaloa-Kartells schon länger in seiner Heimatregion. Nach einem Bericht von “El Universal” sollen bei der Suche in Anwesen von Angehörigen 33 Luxusautos, Pick-ups, Motorräder und Dokumente gefunden worden seien. Angehörige sollen bis zu sechs Mobiltelefone für die Kommunikation untereinander einsetzen. Mit Helikoptern, Fallschirmjägern und Straßensperren soll nun versucht werden, den Drogenboss in dem betreffenden Gebiet einzukreisen. (dmz/dpa/hl)