Mexiko nimmt Suche nach den verschleppten Studenten aus Ayotzinapa wieder auf

 

Angehörige der verschleppten Studenten aus Azotzinapa vor der Expertengruppe (Foto: GIEI)

Washington/Mexiko-Stadt, 20. Oktober 2015 – Die mexikanische Regierung nimmt die Suche nach den vor über einem Jahr verschleppten und vermutlich ermordeten Studenten aus Ayotzinapa wieder auf. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft für organisiertes Verbrechen an die Staatsanwaltschaft für Menschenrechte übertragen.

Darauf einigten sich die mexikanische Regierung und die Interdisziplinäre Gruppe Unabhängiger Experten (GIEI) am Dienstag in Washington. Der Wechsel solle zu einer neuen Sichtweise auf den Fall beitragen, sagte Ángela Buitrago von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) nach der Unterzeichnung des Abkommens (klicken Sie hier zum Wortlaut der Vereinbarung).

Polizisten hatten die Studenten Ende September vergangenen Jahres in der Stadt Iguala angegriffen, verschleppt und einer Drogenbande übergeben. Den Ermittlungen zufolge wurden die jungen Männer getötet und ihre Leichen auf einer Müllhalde verbrannt. Eine Expertengruppe der CIDH meldete zuletzt erhebliche Zweifel an der offiziellen Version an. Diese stützt sich auf Aussagen von festgenommenen Bandenmitgliedern.

Die Angehörigen der Opfer forderten, dass die Experten ihre Ermittlungen in Mexiko fortsetzen. Das Team will nun unter anderem die am Tatort stationierten Soldaten zu dem Vorfall befragen. Das mexikanische Innenministerium hingegen wird eine direkte Vernehmung der Militärs durch unabhängige interdisziplinäre Expertengruppe nicht zulassen, sondern nur durch die Staatsanwaltschaft. Darüber war es bei der im Internet übertragenen Sitzung zu einer heftigen Diskussion zwischen den mexikanischen Vertretern und den Experten gekommen.

Am Dienstagabend ist der mexikanische Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong mit der erst vor wenigen Wochen gegründeten Parlamentarischen Untersuchungskommission zum Fall Ayotzinapa zusammengetroffen. Die Gespräche finden hinter geschlossenen Türen im Innenministerium in Mexico City statt. Bisher haben die Kommissionsmitglieder die Generalstaatsanwältin Arely Gómez und den ehemaligen Gouverneur von Guerrero Ángel Aguirre gesprochen. Aguirre musste einen Monat nach dem Vorfall zurücktreten. Welche Erkenntnisse die Kommission durch seine Vernehmung in der vergangenen Woche gewonnen hat, ist nicht bekannt. (dmz/hl mit Material von dpa)