Mexikos Defensivstrategen im Achtelfinale

 

Von Wolfgang Müller, dpa

Kroatien muss weiter auf den ersten Einzug ins WM-Achtelfinale seit 1998 warten. Gegen Mexiko präsentierten sich Mandzukic und Co. ideenlos und wenig risikofreudig. Drei Tore im Schlussspurt reichten der „Tri“: Nun warten in der K.o.-Runde die Niederlande.

Recife, 23. Juni 2014 – Mit drei Toren im Schlussspurt haben Mexikos Defensivstrategen Kroatiens WM-Aus besiegelt und das Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien erreicht. Durch Tore von Rafael Márquez (72.), Andrés Guardado (75.) und Javier „Chicharito“ Hernández gewannen die Mittelamerikaner am Montag ihr letztes Vorrundenspiel gegen das Team von Niko Kovac verdient mit 3:1 (0:0) und schlossen die Gruppe A als Zweiter hinter Gastgeber Brasilien ab. Gegner der „Tri“ in der K.o.-Runde ist am Sonntag in Fortaleza das Team der Niederlande. Verzichten muss Mexiko dann auf José Vázquez, der sich die zweite Gelbe Karte im Turnier einhandelte.

„Das ist einer der glücklichsten Tage in meinem Leben – aber es kommen noch mehr“, versprach Mexikos Coach Miguel Herrera im Sender TV Azteca. „Wir haben das erste Ziel geschafft und müssen jetzt Schritt für Schritt weitermachen. Wir müssen uns erholen und dann auf die Niederlande vorbereiten. Ich will mit meiner Mannschaft Geschichte schreiben“, sagte 1:0-Torschütze Marquez.

In einer erst gegen Ende unterhaltsamen Partie vor 41 212 Zuschauern in der Arena Pernambuco von Recife enttäuschten die Kroaten durch ihr wenig kreatives Spiel und verpassten zum dritten Mal nach 2002 und 2006 den Einzug ins Achtelfinale einer WM. Der Wolfsburger Ivan Perisic konnte in der 87. Minute nur noch auf 1:3 verkürzen. Kurz vor Schluss sah Ante Rebic wegen groben Foulspiels die Rote Karte (89.).

„Ärgerlich ist, dass wir zwei Tore nach Standards kassiert haben. Zum Schluss sah es schlimmer aus, als es wirklich war. Wir waren heute nicht so schlecht. Wir wären gerne noch länger hiergeblieben, aber das Leben geht trotzdem weiter“, sagte Kroaten-Coach Kovac.

Die Mexikaner standen in der Defensive gewohnt sicher und schlugen in der Schlussphase eiskalt zu. Zunächst verwertete Márquez einen Eckball per Kopf, drei Minuten später war Leverkusens Bundesliga-Profi Guardado mit einem strammen Schuss unter die Latte erfolgreich, ehe Hernández den Sack endgültig zumachte.

Von den von Kovac vollmundig angekündigten Rezept gegen die mexikanische Defensive war auf dem Rasen über weite Strecken nichts zu sehen. Den Angriffsaktionen der Balkan-Elf fehlten Ideen und Tempo, um eine Lücke in die gewohnt sicher stehende mexikanische Hintermannschaft zu reißen. Dem bisher in Brasilien so überzeugend auftretenden Wolfsburger Duo Ivica Olic und Perisic gelang es viel zu selten, über die Außenpositionen Druck zu entwickeln.

Auch der gegen Kamerun zweimal erfolgreiche Mandzukic kam nicht zum Zuge. Noch seine beste Szene in der ersten Spielhälfte hatte der Noch-Münchner in der 14. Minute, als Paul Aguilar nach einem Olic-Zuspiel per Kopf vor dem 28-Jährigen klären konnte. Praktisch im Gegenzug deutete die „Tri“ erstmals an, dass sie nicht angetreten war, um nur das zum Einzug in die K.o-Runde nötige Remis über die Zeit zu bringen. Ein 18-Meter-Knaller von Héctor Herrera prallte von der Latte ins Feld zurück (16.).

Wer mit Beginn des zweiten Durchgangs bedingungslos um ihre Achtelfinal-Chance fightende Kroaten erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Kovac-Elf spielte weiter ohne Risikobereitschaft, auch Einzelaktionen blieb der Erfolg versagt. In der 59. Minute wurde Olic von Héctor Moreno mit energischem Einsatz gestoppt. Auf der Gegenseite forderten die Mexikaner vergeblich Elfmeter von Schiedsrichter Ravshan Irmatov aus Usbekistan, als Darijo Srna der Ball beim Schuss von Guardado im Strafraum an die Hand gesprungen war. Danach übernahm Herreras Elf immer mehr das Kommando und erzielte die Treffer zum hochverdienten Sieg. (dpa/dmz/hl; Artikelbild: www.almomento.mx)

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