Mexikos ,,magische Dörfer“ brauchen Impulse

Parlamentskommission für Tourismus fordert Aktionen für die Pueblos MÄ¡gicos. Eine Studie weist zahlreiche Mängel auf – Vielerorts Stillstand und Vernachlässigung

Von Natalie Grimm

Mexiko-Stadt, 15. Oktober 2013 – Eigentlich zeichnen sich die so genannten Pueblos Ma¡gicos (Magische Orte) durch Schönheit, kulturelle Vielfalt und Tradition aus. Seit geraumer Zeit macht sich allerdings ein gewisser Stillstand breit. Es seien dringen Aktionen notwendig, die Orte wieder attraktiver zu machen, mahnt nun die Tourismuskommission des mexikanischen Parlaments in einer Petition.

Das Programm ,,Pueblos Magicos“ wurde 2001 unter der Regierung von Felipe Calderon (PAN) ins Leben gerufen und unterstützt kulturell und touristisch attraktive Orte in den mexikanischen Provinzen mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt. Sie sollen damit unter anderen die Infrastruktur in ihren Orten verbessern, historische Fassaden originalgetreu wieder herstellen, Stromleitungen unter die Erde verlegen und die Stra߸enbeleuchtung verbessern. Gefördert werden au߸erdem Initiativen zum Aufbau von kleinen Hotels, Pensionen und Restaurants sowie Geschäften. Dahinter steht das Ziel, die Orte für den Fremdenverkehr attraktiver zu machen oder überhaupt attraktiv zu werden und damit der lokalen Bevölkerung einen besseren Lebensstandard zu ermöglichen. Inzwischen zählt Mexiko landesweit 83 dieser Magischen Orte.

Vielerorts Vernachlässigung

Viele ,,Pueblos Ma¡gicos“  entwickelten sich in letzter Zeit allerdings eher zum Negativen. Sie sind als kulturelle Destinationen vernachlässigt worden, konstatiert eine  Untersuchung zur lokalen Entwicklung von Städten mit Kulturerbestätten, Stranddestinationen und Magischen Orten (Desarrollo local y desempeıo de ciudades patrimonio, playas y pueblos mÄ¡gicos). Es gebe keine innovativen Projekte, um die Bedürfnisse der Besucher zu befriedigen, au߸erdem sei das Konsumangebot dürftig.

Die von dem Consulting-Unternehmen ARegional ausgearbeitete Studie macht deutlich, dass vielerorts eine strategische Vision fehlt und damit die touristische Wiederbelebung gebremst wird. Angebot und Service entsprächen keinesfalls dem internationalen Standard, mahnt die Studie. Dies gelte unter anderem für Orte wie CuetzalÄ¡n, Santa Clara del Cobre und Tlalpujahua, Mier, CosalÄ¡, Malinalco, ālamos, Capulalpan, Real de Asientos und Bernal.

Darum fordert nun die Tourismuskommission des Abgeordnetenhauses (Comisiijn de Turismo de la CÄ¡mara de Diputados), dem Programm Pueblos MÄ¡gicos de Máxico wieder mehr Leben einzuhauchen. Der Präsident der Tourismuskommission Rodolfo Dorador

Párez GavilÄ¡n (PAN), begründete die Forderung nach neuen Impulsen für das Programm damit, dass es von den betroffenen Bundes-, Landes- und Kommunalregierungen, aber auch der Zivilgesellschaft bisher nicht ausreichend koordiniert und auf seine Nachhaltigkeit kontrolliert werde. Das mexikanische Abgeordnetenhaus analysiere derzeit die Möglichkeit, ein nationales Organ zu schaffen, das die Belebung dieser Ortschaften ankurbeln, koordinieren und überwachen soll.

Den Kulturerbestätten finanziell gleichstellen

Die ,,Magischen Dörfer“ sollten genau so direkte finanzielle Mittel erhalten wie die Weltkulturerbestädte, die über ein Gesamtbudget von 150 Millionen Pesos verfügen. Diese werden im Index für die touristische Entwicklung (čndice de Desempeıo TurÄ­stico, IDT) durchweg positiv bewertet. Der IDT beobachtet die Entwicklung der zehn Kulturerbestädte, vier Badeorte, die Landeshauptstadt Durango und 35 ,,Magische Orte“, von denen 22 als stagnierend eingeordnet werden.

Dank des Programms ,,Pueblos MÄ¡gicos“ seien bisher mehr als drei Milliarden Pesos an Einnahmen generiert worden; die Besucher hielten sich im Durchschnitt zwei Tage (an Wochenenden) in einem dieser Orte auf und gäben rund 700 Pesos pro Person aus. Dies entspricht etwa zwei Prozent der Gesamteinnahmen aus dem mexikanischen Tourismus im Jahr 2011, teilte dazu der Nationale Unternehmerrat für Tourismus (Consejo Nacional Empresarial TurÄ­stico, CNET) mit.

Der Tourismus habe für Mexiko Priorität, betonten die Abgeordneten; er schaffe mehr als 7,5 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze. Das seien immerhin neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Industrie ohne Schornsteine stehe als Devisenbringer an dritter Stelle gleich nach den Überweisungen mexikanischer Migranten und den Erdölexportationen.

Kostenlose App für ,,Máxico Desconocido“

Seit kurzem bietet die Touristenzeitschrift ,,Máxico Desconocido“ (Unbekanntes Mexiko) eine kostenlose App für Tablets und Smartphones. Die Anwendung bietet Wissenswertes zu Geschichte, Fotos, Lokale und Feste für 67 der Magischen Orte, alles alphabetisch nach Bundesstaaten sortiert. Au߸erdem gibt es Infos zur Umgebung, Kartenmaterial und ein Wetter-Tool. ,,Máxico Desconocido“ legt aber auch gedruckte Reiseführer gezielt von den Magischen Orten auf.  (dmz/ng/hl)

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