Mindestens 11 Menschen vor Regionalwahlen in Chilapa verschleppt

 

Vor den Wahlen hat die Gewalt in Guerrero noch einmal zugenommen. (Foto:‪ Al Momento)

Chilpancingo, 20. Mai 2015 – Der Mord am PRI-Bürgermeisterkandidaten in Chilapa ist offensichtlich nicht das einzige Verbrechen in der Ortschaft in Guerrero. Laut Staatanwaltschaft wurden in den vergangenen Wochen elf Menschen verschleppt, Bewohner sprechen sogar von 30 verschwundenen Menschen. Womöglich hat eine selbsternannte Bürgerwehr etwas damit zutun.

Gut zwei Wochen vor den Wahlen suchen die Behörden in Guerrero nach über einem Dutzend Vermissten. In der Ortschaft Chilapa seien elf Menschen offensichtlich verschleppt worden, teilte die örtliche Staatsanwaltschaft mit. Weitere vier Menschen seien von Angehörigen als vermisst gemeldet worden. Die Ermittler baten die Bevölkerung um Hinweise.

Bewohner der Gemeinde hatten am Montag sogar gesagt, es seien 30 Menschen verwunden, nachdem eine Bürgerwehr den Ort besetzt hatte. Die örtliche Menschenrechtskommission (Comisión de Derechos Humanos Guerrero) teilte mit, ihr lägen 13 dokumentierte Fälle von Vermissten vor. Es sei allerdings noch unklar, wie viele Menschen insgesamt verschwunden seien, sagte Sprecher Ramón Navarrete im Radiosender Fórmula.

Am 9. Mai hatten rund 300 Mitglieder der selbstberufenen Bürgerwehr „Policías de las comunidades aledañas a Chilapa“ den Ort unter ihre Kontrolle gebracht. Sie besetzten die Polizeiwache, entwaffneten die örtlichen Beamten und errichteten Straßensperren. Eigenen Angaben zufolge wollten sie die Anführer der kriminellen Organisation „Los Rojos“ festnehmen. Einige Bewohner vermuten jedoch, dass es sich bei der Bürgerwehr tatsächlich um Verbündete der Bande „Los Ardillos“ handelte, die mit „Los Rojos“ verfeindet ist. Im Bundesstaat Guerrero kämpfen derzeit mehrere Gangs um die Vorherrschaft.

Anfang Mai wurde der PRI-Bürgermeisterkandidat in Chilapa erschossen

Anfang des Monats war in Chilapa der Bürgermeisterkandidat der Regierungspartei PRI getötet worden. Ulises Fabián Quiroz, Kandidat von PRI und den Grünen, hatte am 1. Mai gerade eine Wahlkampfveranstaltung in Atzacoaloya verlassen und war auf dem Weg in die Colonia Corral de Piedra, als ihn Schüsse trafen. Er war sofort tot.

Am 7. Juni werden in Mexiko alle 500 Abgeordneten auf Bundesebene, neun Gouverneure und Hunderte Bürgermeister gewählt. (dmz/ds mit Material von dpa)