Nach „Chapo“-Flucht: Mexiko liefert mächtige Drogenbosse an die USA aus

 

Édgar Valdez Villarreal alias “La Barbie” bei seiner Überführung in die USA (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 1. Oktober 2015 – Sicher ist sicher: Nach der spektakulären Flucht von Kartellchef Joaquín “El Chapo” Guzmán dem Hochsicherheitsgefängnis in Almoyola de Juárez hat Mexiko eine Reihe ehemals mächtiger Drogenhändler an die USA ausgeliefert. Dazu gehören der Anführer des Killerkommandos vom Beltrán-Leyva-Kartell und Jorge Costilla Sánchez alias “El Coss” vom Golf-Kartell.

Den insgesamt 13 Männern soll nun in den Vereinigten Staaten der Prozess gemacht werden, sagte der Chefermittler der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, Tomás Zerón, am Mittwoch. Gegen alle Verdächtigen liegen demnach Haftbefehle aus verschiedenen US-Bezirken vor. Alle saßen in dem mexikanischen Gefängnis ein, aus dem zuletzt der Drogenboss “El Chapo” getürmt war. Die Schmach soll sich nicht wiederholen.

“La Barbie” werden in den Vereinigten Staaten unter anderem Mord, Drogenhandel und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Valdéz Villarreal wurde in Texas geboren und war der erste US-Bürger, der bis in die höchsten Führungsebenen des mexikanischen Drogenhandels aufstieg. Nun sind die USA auch hinter seinem Vermögen her.

Beii seiner Festnahme 2010 war er noch fülliger und lächelte der Presse maliziös zu (Foto: almomento.mx)

Er führte die Killerkommandos von Kartellboss Arturo Beltrán Leyva. Als sein Chef im Dezember 2009 bei einem Militäreinsatz in Cuernavaca ums Leben kam, nahm er den Kampf gegen dessen Bruder Héctor Beltrán Leyva, der vor einem Jahr festgenommen wurde, um die Kontrolle von Einflusszonen und Schmuggelrouten auf. Im August 2010 wurde “La Barbie” nahe Mexiko-Stadt festgenommen. Bei seiner Vorführung vor Journalisten hinterließ der damals füllige Drogenboss einen bleibenden Eindruck: Er lächelte maliziös – das Bild füllte die Titelseiten der Tageszeitungen des Landes. In der Haft hat er offensichtlich ordentlich abgespeckt.

“Die Auslieferung wäre ohne die enge Zusammenarbeit mit den mexikanischen Strafverfolgungsbehörden nicht möglich gewesen”, sagte US-Justizministerin Loretta Lynch. “Ich bin unseren mexikanischen Kollegen dankbar für ihre außergewöhnlichen Anstrengungen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.”

“El Coss” war der Chef des Golf-Kartells. Gegen ihn liegt in Texas eine Anklage wegen Drogenschmuggels und Geldwäsche vor. Bis zu seiner Festnahme 2012 stand er auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der US-Bundespolizei FBI. Er war im Norden von Mexiko für blutige Auseinandersetzungen mit seinen früheren Verbündeten von “Los Zetas” verantwortlich.

Unter den Verdächtigen waren auch drei mutmaßliche Mitglieder der Bande Barrio Azteca. Sie sollen 2010 eine Mitarbeiterin des US-Konsulats in Ciudad Juárez getötet haben. Jean Baptiste Kingery schmuggelte den Ermittlern zufolge Waffen für das Sinaloa-Kartell nach Mexiko.

Alle nun Ausgelieferten saßen zuvor im Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano im Bundesstaat México ein. Aus dem war im Juli der Chef des Sinaloa-Kartells “El Chapo” ausgebrochen. Bei seiner Flucht hatte er offenbar Hilfe von innerhalb und außerhalb der Haftanstalt. Die mexikanische Regierung wurde daraufhin dafür kritisiert, Guzmán nicht an die USA ausgeliefert zu haben. Wegen der Flucht des legendären Drogenbarons sitzen inzwischen mehrere Gefängnismitarbeiter und Funkitonäre ein, darunter auch der ehemnalige Chef des Gefängnisses. (dmz/hl mit Material von dpa)




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