Nobelpreisträgerin vor verschlossenen Türen

Universität in Texcoco sagt kurzfristig Auftritt von Rigoberta Menchú zum Weltfrauentag ab

Mexiko-Stadt/Texcoco, 7. März  Ein schlechteres Signal zum Weltfrauentag am 8. März als das der  Autonomen Universität Chapingo (UACH) im zentralmexiaknischen Texcoco konnte wohl nicht gesetzt werden. Am Freitagmorgen war Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú angereist, um an der Konferenz Die Ermächtigung der Frau innerhalb der gegenwärtigen wirtschaftlichen  und gesellschaftlichen Entwicklung. (El empoderamiento de la mujer dentro del desarrollo econmico y social actual) teilzunehmen. Doch die Universität verwehrte ihr den Eintritt. Eine Erklärung seitens des Rektorats blieb aus.

Noch vor ein paar Tagen präsentierte die Bürgermeisterin von Texcoco, Delfina Gómez Alvarez, auf einer Pressekonferenz stolz das Programm des Frauenfestivals in Texcoco zum Weltfrauentag, der weltweit am 8. März gefeiert wird. Die Stadt habe hochkarätige internationale Vertreterinnen für das  mehrtägige Frauenfestival gewinnen können, so Gómez. Besonders gespannt sei man auf den Auftritt der guatemaltekischen Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú am Freitagmorgen an der UACH in Texcoco.

Doch was sich am Freitagmorgen um 9:00 Uhr vor den Toren der Universität abspielte, damit hat wohl niemand gerechnet. Rigoberta Menchú, die als Hauptrednerin eingeladen worden war, wurde der Zutritt verwehrt. Sie wollte mit Studierenden aus der ganzen Region über die Situation der Frau diskutieren. Die Veranstaltung wurde kurzfristig ohne Begründung abgesagt.

Daraufhin besetzten 500 Studierende zwei Stunden lang das Rektorat. Eine Erklärung vom Rektor der Universität, Carlos Alberto Villaseñor Perea blieb jedoch aus. Auch der Versuch der Friedensnobelpreisträgerin von 1992 mit ihm persönlich ins Gespräch zu kommen, blieb erfolglos.

Die Bürgermeisterin, mit der Menchú schliesslich zusammentraf, fand keine Erklärung für das Verhalten der Universität. Gómez sagte aber gegenüber der Presse, dass die weiteren Veranstaltungen wie geplant stattfinden sollen. Dazu gehören Regionalmessen am heutigen Samstag in San Miguel Tocula und am Sonntag in San Miguel Coatlinchan. Am Sonntag soll dort auch eine Hommage an die im vergangenen Jahr verstorbene Chavela Vargas organisiert werden. Starsängerin Lila Downs soll durch die Veranstaltung führen.

Der Weltfrauentag wird weltweit am 8. März gefeiert. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um das Frauenwahlrecht. Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, österreich-Ungarn und in der Schweiz begangen. Auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau wurde der 8. März als Weltfrauentag vorgeschlagen. Denn am 8. März 1917 streikten in Sankt Petersburg zum ersten Mal auch die Bauernfrauen zusammen mit den Arbeiter- und Soldatenfrauen und lösten damit die Februarrevolution aus. Der 8. März ist auch heute noch ein gesetzlicher Feiertag in Russland. (dmz/mik/hl)

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